Moskau: Top-Anwältin als Sex-Autorin

Der Hang zur Selbstentblößung im Internet kann bizarre Ausmaße annehmen. Nicht nur Teenager prahlen in den omnipräsenten Social Networks gerne mit ihren sexuellen Abenteuern – sondern auch eine gestandene amerikanische Anwältin in ihren 30ern. Deidre Dare von der renommierten Kanzlei Allen & Overy verbreitete auf ihrer Website in aller Expressivität ihre ausschweifenden Erlebnisse und Bekanntschaften im Moskauer Nachtleben, bis der Arbeitgeber den Stecker zog.

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Warum auch nicht: Moskau, das weiß jeder Besucher der Millionenmetropole, ist ein bisschen anders als andere Großstädte. „Wir kennen Moskau. Und zumindest in Europa gibt es keine Stadt mit vergleichbarer Energie und vergleichbarem Ehrgeiz“, diktierte Aljona Dolezkaja, Chefredakteurin der russischen Vogue, dem „Spiegel“ letztes Jahr.

Während die überschäumende Energie der russischen Hauptstadt kaum jemand bestreiten will, ist es mit dem Ehrgeiz so eine Sache. Zumindest bei der amerikanischen Anwältin Deidre Dare, die seit 2008 für die renommierte Kanzlei Allen & Overy arbeitet – und zwar als „Senior Associate“ mit einem nach britischen Medienberichten geschätzten Jahreseinkommen von mehr als 150.000 Pfund. Offenkundig vom Arbeitsalltag gelangweilt, wandte sich Dare schnell anderen Leidenschaften zu – und das mit vollem Ehrgeiz und Körpereinsatz.

„Expat“: Detailreiche Erfahrungsberichte aus dem Moskauer Nachtleben

Das zumindest legt ihre Website nahe, auf der die Amerikanerin etlich delikate Enthüllungen über das Moskauer Nachtleben macht. „Expat – a weekly serialised novel about living in Moscow“, nennt sie ihre detailreichen Erfahrungsberichte, die sie immerhin in das Reich der Fiktion schiebt.   

Unenthüllende Website ⓒ Deidre Dare

Dass es ums Ganze geht – daran lässt Dare keinen Zweifel: „Ich trinke zu viel, ich nehme zu viele Drogen, ich schlafe überall herum. Ich verschwende meine Tage und meine Zeit. Ich verbringe viel zu viel Zeit auf Partys. Kurz gesagt: Ich lebe in Moskau.“

Schon im ersten Satz, in dem sie wenig schmeichelhaft über Erektionsfähigkeiten eines französischen Liebhabers spricht, macht Dare deutlich, das die kein Blatt vor den Mund nimmt: „There is something thrilling about being in bed with a Frenchman, even if he does have a small cock which he can’t get up, I thought, as Pierre gently kissed my eyelids and stroked my face.“

Vorläufiges Ende des Sex-Blogs: „Verboten, weitere Kapitel zu veröffentlichen“

So geht es weiter, durch alle Nationalitäten. Bei ihrem Arbeitgeber Allen & Overy sind die ausführlichen Schilderungen ihrer Eskapaden indes erwartungsgemäß auf wenig Begeisterung gestoßen. Seit dem Wochenende ziert ihre Webseite vor den bisher elf veröffentlichten Kapiteln der Hinweis, dass mit Nummer zwölf vorerst nicht zu rechnen sei.  

Gewagte Prosa und Poesie: ⓒ Deidre Dare

„Der Autorin wurde es verboten, weitere Kapitel von ‚Expat‘ zu veröffentlichen. Wenn es ihr wieder erlaubt ist, wird sie die Arbeit fortsetzen.“  Ob das auch bei Allen & Overy der Fall ist, erscheint derzeit sehr offen.

Ein Sprecher der Kanzlei kommentierte den Vorfall vage: „A&O äußert sich nicht zu Einzelpersonen. Bei Allen & Overy herrschen die höchsten Standards eines professionellen Umgangs“.

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