DPA kündigt Umzug nach Berlin an

DPA-Chefredakteur Wilm Herlyn hat in der „Süddeutschen Zeitung“ angekündigt, dass die Deutsche Presse Agentur ihre Geschäfte künftig in Berlin zentralisieren will. Redaktion, Bilderdienst und Multimedia sollen in der Hauptstadt zusammengeführt werden. Lediglich die Verwaltung soll in Hamburg bleiben. Zur DPA-Kündigung der WAZ äußert sich Herlyn gelassen. Mit der WAZ-Gruppe verliere die dpa drei Millionen Euro Umsatz, doch er hoffe, dass sie irgendwann wieder DPA-Kunde werde, so Herlyn.

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„Die Rheinische Post ist nach dem Weggang von Herrn Reitz auch wieder Bezieher des dpa-Bilderdienstes geworden“, sagte Herlyn der „Süddeutschen“. Ulrich Reitz, der Chefredakteur der „WAZ“ ist so etwas wie das Feindbild Nummer eins für die DPA. Reitz hatte schon als Chef der „Rheinischen Post“ die DPA gekündigt und den Wandel des Blattes zur „Autoren-Zeitung“ ausgerufen. Gleiches hat er bei der WAZ-Gruppe auch gemacht. Herlyn hält das Attribut „Autoren-Zeitung“ für eine „Mogelpackung“. „Wir lesen die WAZ sehr genau und erkennen, wenn Zitate aus einem Exklusivinterview, das jemand nur mit uns geführt hat, plötzlich in einem Blatt der Gruppe auftauchen“, so Herlyn. Allerdings wolle er die WAZ-Gruppe nicht von Juristen beobachten lassen, um sie beim Klauen zu erwischen, so der DPA-Chefredakteur weiter. Dafür habe die DPA einen Automaten, einen so genannten „Attributor“, der DPA-Inhalte automatisch erkenne.

Andere Verlage stünden solidarisch an der Seite der DPA. Auf Nachfrage betont Herlyn, dass damit auch der Axel Springer Verlag gemeint sei. In der Branche gab es immer mal wieder Spekulationen, dass auch Springer-Blätter auf DPA-Dienste verzichten könnten.

Was den Umzug der DPA-Abteilungen von Frankfurt, wo der Bilderdienst sitzt, und der Hamburger Hauptredaktion nach Berlin betrifft, so soll in drei Monaten eine endgültige Entscheidung fallen. Derzeit werde noch geprüft, so Herlyn. Mit der Prüfung ist die Unternehmensberatung IDS beauftragt. Man kann aber davon ausgehen, dass bereits eine Vorentscheidung für Berlin getroffen wurde. Die Redaktion soll künftig in der Nähe des Parlaments und der Bundespressekonferenz arbeiten, so Herlyn, dies sei der Hauptumschlagplatz für Nachrichten. Die dpa ist bereits mit einem Landesbüro, ihrer Parlamentsredaktion und der Rundfunktochter Rufa in der Hauptstadt vertreten.

Fundamentale Sorgen um das deutsche Zeitungswesen macht sich der dpa-Chefredakteur nicht. Zeitungen würden einen Mehrwert bieten, auf den man ab einem bestimmten Alter nicht mehr verzichten wolle. Sie allein könnten wichtigen Gesprächs- und Diskussionsstoff liefern. Neue Formen der Publizität beobachtet Herlyn mit Interesse: „Es gibt ein paar wichtige Blogs. Aber ich würde all das nicht als Journalismus bezeichnen.“

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