Burda stellt „Young“ und „Tomorrow“ ein

Der Sparzwang der Krise erreicht nun auch das Haus Burda mit Macht. Der Verlag stellt seine beiden Titel „Tomorrow“ und „Young“ ein. Das hat Vorstand Philipp Welte intern bekanntgegeben. Beide Zeitschriften seien in der aktuellen konjunkturellen Situation ohne Chance und wirtschaftlich eine Belastung für den Konzern. Welte rief gleichzeitig ein Restrukturierungsprogramm unter dem Motto „Concentrate. Integrate. Innovate.“ aus.

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Das Aus für „Tomorrow“ und „Young“ fällt wohl unter das Schlagwort „Concentrate.“ – Konzentration aufs Kerngeschäft. Es gelte die Zukunftsfähigkeit des Konzerns zu sichern, so Welte in einem Rundschreiben an die Burda-Mitarbeiter. Gegenüber „werben & verkaufen“ kündigte Welte außerdem an, die Schlussredaktion in Offenburg auszulagern und den Billigtitel „Viel Spaß“ künftig von der Burda-Beteiligung Stegenwaller in Essen produzieren zu lassen. Insgesamt fallen den Maßnahmen 50 Stellen zum Opfer.

Unter dem Stichwort „Integrate“ versteht Welte, dass der Verlag zu einer kompakten Einheit verschmolzen wird. Inhalte und Marken sollen ihre Stärken „technologieneutral“ entfalten können. So sollen die Online-Aktivitäten in dem neuen Burda-Tochterunternehmen Digital Media Development gebündelt werden. Themen-Kompetenzzentren für Food, Garten und Mode sollen Ordnung ins Burda-Reich bringen. Die Vermarktungstochter Burda Community Network bekommt eine neue Verkaufsstruktur und ihr wird die neue Tochter Burda Media Solutions zur Seite gestellt.

Auch an bei den internen Zuständigkeiten ändert sich einiges. Burdas Statthalter in Offenburg, Reinhold G. Hubert ist künftig für alle Food-Titel und Aktivitäten verantwortlich. Er bekommt neu das Online-Angebot BonGusto und sie Supermarkt-Zeitschrift „Meine Familie & ich“ dazu. Das Thema Styling fällt künftig verlagseitig in die Verantwortung von Henning Ecker, redaktionell bekommt „Freundin“-Chefin Ulrike Zeitlinger die Styling-Hoheit.

Das dritte Standbein„Innovate“ schließlich bedeutet die Suche nach neuen Erlösquellen, die Verluste im Kerngeschäft zumindest teilweise ausgleichen können. Weltes Programm ist eines mit steigendem Schwierigkeitsgrad. Unrentable Titel einzustellen und sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren ist schmerzlich aber relativ einfach. Den Verlag zu vereinheitlichen wird schon schwieriger und neue Erlösquellen aufzutun ist die Königsdiziplin.

„Tomorrow“ war 1998 in der Verlagsgruppe Milchstrasse gegründet worden und war damals in den Pionierzeiten des Internets zunächst ein Verkaufserfolg. Die verkaufte Auflage lag laut IVW 1999 und 2000 bei über 300.000 Stück, am Kiosk wurden damals noch mehr als 200.000 Hefte abgesetzt. Stück für Stück ging es dann bergab, vor allem das Platzen der Dotcom-Blase ließ die Auflage im Jahr 2001 einbrechen.

Der Tiefpunkt war dann nach einigen Relaunches und Änderungen der Themenmischung im Jahr 2007 erreicht, als im vierten Quartal nur noch 6.831 Hefte im Einzelverkauf abgesetzt wurden. Nur durch Sonstige Verkäufe und Bordexemplare konnte die Auflage wenigstens über der 50.000er-Marke gehalten werden. 2008 berappelten sich die Zahlen zwar etwas, doch 12.000-15.000 im Einzelverkauf über die Ladentische gegangene Hefte waren einfach zu wenig. Zuletzt erschien das Heft in der Burda-Tochter Tomorrow Publishing, die im Berliner Super-Illu-Verlag angesiedelt ist.

Ob die März-Ausgabe, die eigentlich am 23. Februar an die Kioske kommen soll, noch erscheint, ist derzeit noch nicht bekannt. Die „Young“-Auflage schwankte nach der ersten IVW-Ausweisung im vierten Quartal 2002 immer wieder nach oben und unten. Ihren Höhepunkt hatte das Magazin im Jahr 2005, als in allen Quartalen zwischen 273.000 und 295.000 Hefte verkauft wurden, davon 228.000 bis 258.000 im Einzelverkauf. Danach ging es Stück für Stück bergab – bis zum Tiefpunkt im aktuellen vierten Quartal 2008. Einzelverkaufszahl dort: nur noch 117.942 Exemplare.

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