Kindle 2: Die E-Reader-Revolution

Die Gerüchtelage scheint klar: Am heutigen Montag soll Amazon-Chef Jeff Bezos in New York die zweite Generation seines elektronischen Lesegerätes Kindle vorstellen. Bereits der Vorgänger war ein großer Erfolg. Doch nachdem Google in der vergangene Woche auch noch seine Booksearch-Funktion für das iPhone ausgebaut hat, glauben viele Beobachter, dass die neuen E-Reader nichts Geringeres als die Rettung der schrumpfenden Print-Industrie bedeuten. Wann der Web-Händler das Gerät auch in Europa anbietet ist unklar.

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Die Gerüchtelage scheint klar: Am heutigen Montag soll Amazon-Chef Jeff Bezos in New York die zweite Generation seines elektronischen Lesegerätes Kindle vorstellen. Der Vorgänger war bereits ein großer Erfolg, und nach dem Google in der vergangene Woche auch noch seine Booksearch-Funktion für das iPhone ausbaute, glauben nicht wenige Beobachter, dass die neuen E-Reader nichts geringeres, als die Rettung der schrumpfenden Print-Industrie sind. Wann der Web-Händler das Gerät auch in Europa anbietet ist noch unklar.
Im Grunddesign hat sich der neue Kindle kaum verändert. Das Besondere liegt diesmal im Detail: Das neue Gerät ist wesentlich flacher, die Ecken sind runder und die Knöpfe zum Seitenumblättern kleiner. Die optischen Ähnlichkeiten des Kindle 2 und Apples iPhone sind frappierend. Erste Schlussfolgerung: Dieses Kindle könnte die Buch-Welt genauso verändern, wie das iPhone das mobile Internet.
Die ersten Bilder des Kindle 2 stammen vom US-Dienst Mobile Read. Die Experten vermuten, dass der neue E-Reader 360 Dollar kosten und bereits Ende Februar in den Handel kommen könnte. Auch die zweite Generation soll erst einmal ausschließlich auf dem US-Markt verkauft werden. Ob und für welchen Zeitpunkt Amazon den Europastart vorsieht, ist noch unklar.
Allzulange sollte sich Jeff Bezos allerdings nicht mehr ausschließlich auf seinen Heimatmarkt konzentrieren. Denn in Europa entstehen die ersten Konkurrenten. Sony will mit seinem PRS-505 einen eigenen Reader einführen (Verkaufsstart: 11. März) und auch das iPhone und Googles G1-Handy lassen sich seit vergangener Woche zu einem Buch – allerdings im Miniformat – umbauen. Für beide Geräte optimierte Google seine Buchsuche. „Amerikaner erhalten nun mobil Einblick in 1,5 Millionen Bücher, Deutsche können eine halbe Million einsehen“, bloggte Peter Turi begeistert und prägte zugleich noch das neue Schlagwort: „Google goes Gutenberg“. Nachteil: Fast alle Werke sind Copyright-frei, sprich alte Klassiker. Bestseller und Neuerscheinungen kennt Google in Deutschland noch nicht.
Mit solch einer gigantischen Bibliothek, wie die der Suchmaschine, kann Amazon noch nicht aufwarten. Der Webhänder verkauft aktuell rund 230.000 Bücher, die sich auf den Kindle downloaden lassen. Der Speicher des Readers reicht, um rund 200 Bände ständig mitzunehmen. In der zweiten Generation soll sich die persönliche Bibliothek über eine externe Speicherkarte allerdings verdoppeln lassen.
Abgesehen von den Büchern, können auf den Kindle jedoch auch insgesamt 31 Zeitungen („New York Times“, „Wall Street Journal“ oder „Forbes“) gelesen werden. Der Reader, der in den USA inklusive einer Datenflatrate angeboten wird, sorgt automatisch dafür, dass immer die aktuelle Ausgabe der jeweiligen Zeitung im Speicher vorrätig ist. Zusätzlich lassen sich über den Kindle auch noch rund 1.000 Weblogs abonnieren und lesen.
Für die Verlage sind die neuen E-Reader eine akute Gefahr. Denn ein Großteil des klassischen Verlagsgeschäfts besteht aus Drucken und Vertrieb eines Buches. Beide kosten- und arbeitsintensive Arbeitsschritte fallen bei der elektronischen Version weg. Für viele Autoren wäre es jetzt möglich, sich einfach und bequem selbst zu vermarkten und zu verlegen.
Genügend Endgeräte, über die sich E-Books lesen lassen, gibt es theoretisch bereits. Der Berliner Web-Berater Hugo E. Martin hat ausgerechnet, dass es weltweit bereits über 4,6 Milliarden Geräte – mobil oder stationär – gibt, die E-Book-fähig sind.
Selbst die traditionell verlagsnahe „FAZ“ stellt fest: „Die Medienevolution macht gerade einen Tigersprung, dem mancher nicht wird folgen können. Immer mehr Inhalte werden, legal oder illegal, verfügbar, die Geräte leichter, lichter, in naher Zukunft badewannen- und strandtauglich – es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Buchbranche mit den gleichen Problemen konfrontiert sein wird wie die praktisch schon untergegangene Musikindustrie. (…) Papier ist das Vinyl von übermorgen“, schreibt Richard Kämmerlings.

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