Fälscher Kummer: Er hat es wieder getan

Nach dem Delikt folgt die Strafe, dann die Resozialisierung. So ist es im deutschen Rechtssystem verankert. Auch die Medien verfahren im Prinzip nach diesem Grundsatz, weshalb einer, der wiederholt gegen die journalistischen Regeln verstoßen hat, diese Woche eine Chance zur Rehabilitierung erhielt: Tom Kummer, Serien-Erfinder von Interviews mit Hollywoodstars, schrieb für die Schweizer „Wochenzeitung“ über den Super Bowl – die üblichen Ungereimtheiten und Faktenverdrehungen leider inklusive.

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Nach dem Delikt folgt die Strafe, dann die Resozialisierung. So ist es im deutschen Recht verankert. Auch die Medien verfahren im Prinzip nach diesem Grundsatz, weshalb einer, der wiederholt der Vergehen gegen die journalistischen Regeln verstoßen hat, diese Woche eine Chance zur Rehabilitierung erhielt: Tom Kummer, Serien-Erfinder von Interviews mit Hollywoodstars, schrieb für die Schweizer „Wochenzeitung“ über den Super Bowl – die üblichen Ungereimtheiten und Faktenverdrehungen inklusive.Mit Grausen erinnern sich ehemalige Vorgesetzte an die erfundenen Interviews und zusammenphantasierten Stories, die der heute 46-Jährige einst renommierten Blättern wie dem SZ-Magazin unterjubelte. Jetzt durfte er wieder ran, als Autor der schweizerischen „Wochenzeitung“ (WOZ) berichtete er über den Super Bowl. Dumm nur, dass Blogger Peter Hossli den Kummertext genau unter die Lupe nahm und gleich mehrere Fälschungen entdeckte:
– ein Zitat, das Kummer Angelina Jolie zuschreibt: „(Das) aufregendste Finale in der Geschichte der National Football“. Angelina Jolie hat dies offenbar nie gesagt. Die Schauspielerin war auch gar nicht beim Super Bowl, sondern auf Promotion-Tour in Japan, von wo sie nach Thailand weiterreiste.
– ein Zitat, das Kummer Steven Spielberg zuschreibt: „Es war die beste, emotionalste Football-Show aller Zeiten.“ Laut Kummer sagte Spielberg dies der „Los Angeles Times“, wo das Zitat aber nicht zu finden ist.
– Kummer behauptet in seinem Feature, „deutlich weniger Fans“ hätten sich das Spektakel im Fernsehen angesehen. Fakt ist: Laut Nielsen Media Research verfolgten das Finale bei NBC durchschnittlich 98,7 Millionen Zuschauer, womit der Super Bowl die höchste Einschaltquote aller Zeiten erzielte.
– Laut Kummer kam NBC auf Werbeeinnahmen von „150 Millionen US-Dollar“ und damit ein Viertel weniger als im Vorjahr. Tatsächlich beliefen sich die Erlöse auf 206 Millionen Dollar und markierten damit einen Alltime-Rekord.
– Star-Footballer Santonio Holmes wird von Kummer als „einstiger Crackdealer“ bezeichnet. Wahr ist, dass Holmes öffentlich bekannt hat, mit Drogen gehandelt zu haben. Von Crack war dabei aber nie die Rede.
Blogger Peter Hossli, selbst Journalist und Autor deutscher Magazine (u.a. „Cicero“, „Focus“), fragte bei der „WOZ“ an, warum man Kummer beschäftige. «Er will in den Journalismus zurück, wir entschieden uns, mit einem unproblematischen Stoff zu beginnen», zitiert er „WOZ“-Redaktionsleiterin Susan Boos. Zudem hätte Kummer «sauberen Journalismus» zugesagt. Kummer hat aber auch einmal gesagt: „Authentizität ist für mich zu eindimensional.“

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