„Spiegel“-Chef korrigiert seinen Vorgänger

In dieser Woche legte „Spiegel“-Geschäftsführer Ove Saffe in einem Interview dar, wie der Verlag in der Anzeigenkrise gegensteuern will. Interessant erscheint dabei der rote Faden, der sich durch die bisherigen Entscheidungen des Top-Managers zieht. Mit seiner Überlegung, den Sonntagsvertrieb einzustellen und die „Wissen“-Kooperation mit Bertelsmann zu kündigen, hat Saffe in wenigen Monaten praktisch alle von Vorgänger Mario Frank getroffenen Entscheidungen pulverisiert und rückgängig gemacht.

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In dieser Woche legte „Spiegel“-Geschäftsführer Ove Saffe in einem Interview dar, wie der Verlag in der Anzeigenkrise gegensteuern will. Interessant erscheint dabei der rote Faden, der sich durch die bisherigen Entscheidungen des Top-Managers zieht. Mit seiner Überlegung, den Sonntagsvertrieb einzustellen und die „Wissen“-Kooperation mit Bertelsmann zu kündigen, hat Saffe in wenigen Monaten praktisch alle von Vorgänger Mario Frank getroffenen Entscheidungen pulverisiert und rückgängig gemacht.

Damit erscheint die Amtszeit von Mario Frank beim „Spiegel“ vollends als unternehmensstrategische Nullrunde. Von Januar 2007 bis Sommer 2008 wirkte er als Verlags-Chef an der Brandstwiete. Von den Impulsen, die er setzte, ist praktisch nichts geblieben. Was nicht am Widerstand im eigenen Hause scheiterte, wurde nachträglich korrigiert. Hier Beispiele:

Sonntags-Vertrieb des Magazins
Als „wirtschaftlich nicht darstellbar“ bezeichnete Ove Saffe in dieser Woche die Vorverlegung des Erstverkaufs in deutschen Städten. Was vielerorts in den letzten Monaten bereits eingestellt wurde, soll nun auch in Berlin, Dresden und Lübeck aufgegeben werden. Frank hatte noch im Februar 2008 behauptet, ab 2009 könnten 70 Prozent der Auflage sonntags ausgeliefert werden. Das fehlgeschlagene Experiment verteuert sich durch die Entscheidung Franks, langfristige Verträge mit einem zusätzlichen dritten Prinovis-Druckstandort in Nürnberg zu schließen, bevor die Testphase beim Sonntagsverkauf überhaupt begonnen hatte. Der Vertrag mit dem Dienstleister Prinovis vom Juli 2007 läuft noch bis 2013, ohne dass der dritte Standort vertriebstechnisch nötig ist.

„Spiegel Wissen“

Nach nur einem Jahr löst Ove Saffe die Zusammenarbeit mit Bertelsmann und lenkt damit das von Mario Frank angeschobene Projekt aufs Abstellgleis. Saffe dazu gegenüber „Horizont“ lapidar: „Wir führen das effizienter alleine unter dem Dach von Spiegel Online weiter.“

„Financial Times Deutschland“
Der von Frank betriebene Ankauf der Pearson-Anteile an der „FTD“ scheiterte am Veto der Mitarbeiter KG. Damit die über die Jahre hochdefizitäre Wirtschaftszeitung überhaupt eine Perspektive hat, legt Gruner + Jahr derzeit die Redaktionen der Wirtschaftspresse mit der „FTD“ zusammen. Mit seiner Einschätzung, dass die „Perspektiven positiv“ seien, stand Frank allein da – damals wie heute.

„Spiegel Geschichte“

Ove Saffe bringt die Print-Extension „Spiegel Geschichte“ auf den Markt, Frank hatte dies als Geschäftsführer verhindert. Zur „SZ“ sagte er im Februar 2008: „Ein Heft ‚Spiegel Geschichte’ käme zum Beispiel nicht in Betracht, weil es das Nachrichtenmagazin behindern würde. Geschichtsthemen sind unsere auflagenstärksten Titel.“ Saffe sieht in den hochpreisigen, zusätzlichen Heften eine wichtige Erlösquelle. Konträre Ansichten.

Schweiz-Ausgabe des „Spiegel“

Frank sah im Nachbarland einen spannenden neuen Markt für das Magazin. Mit einem Schweiz-Ressort im Print-Titel wollte er neue Käuferkreise erschließen. Das Projekt scheiterte nach einem Testlauf an zu hohen Kosten.

Einstieg ins Kongress-Geschäft
Nach Willen von Frank sollte das „Manager Magazin“ als Veranstalter von Kongressen auftreten und damit das Kerngeschäft der Produktion von Inhalten für Print und Online verlassen. Ove Saffe findet die Idee offenbar nicht wirklich überzeugend und stoppte alle Planungen in diesem Bereich.

Dass Saffe nach seinem Antritt als Verlags-Chef Mitte September auch die von Mario Frank geschaffene Position des „Kaufmännischen Leiters“ ersatzlos strich und den dort tätigen Frank-Vertrauten Christof Herbers entliess, wirkt da eher wie eine Fußnote, ebenso wie Franks irrige Ansicht, der „Spiegel“ könne mit aufgeklebter DVD zwei Euro teurer verkauft werden. Oder die aufwändige Umstrukturierung von Spiegel TV, deren Sinn sich Verlagsinsidern bis dato nicht recht erschließen will.

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