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G+J-Wirtschaftschef wildert beim „MM“

Gruner + Jahrs Super-Chefredakteur für die Wirtschaftsmedien hat erste Details über die neue Zentralredaktion vorgestellt. In einer Rede vor Hamburger Wirtschaftsjournalisten erklärte Steffen Klusmann laut „FAZ“, dass nur 30 der 110 in Köln und München vor der Kündigung stehenden Mitarbeiter bereit seien, nach Hamburg umzuziehen. Da insgesamt 90 Stellen neu zu besetzen seien, will Klusmann Redakteure bei Konkurrenztiteln abwerben. Ganz oben auf der Wunschliste: Autoren vom „Manager Magazin“.

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Gruner + Jahrs Super-Chefredakteur für die Wirtschaftsmedien hat erste Details über die neue Zentralredaktion vorgestellt. In einer Rede vor Hamburger Wirtschaftsjournalisten erklärte Steffen Klusmann laut „FAZ“, dass nur 30 der 110 in Köln und München vor der Kündigung stehenden Mitarbeiter bereit seien, nach Hamburg umzuziehen. Da insgesamt 90 Stellen neu zu besetzen seien, will Klusmann Redakteure bei Konkurrenztiteln abwerben. Ganz oben auf der Wunschliste: Autoren vom „Manager Magazin“.

Als Grund nannte Klusmann seinen Plan, das Anleger-Magazin „Capital“ konzeptionell neu auszurichten. Es soll künftig weniger Tipps für Aktienkäufe bieten und statt dessen verstärkt investigative Stories bringen. Dafür will sich der 42-Jährige für ein bis zwei Jahre ganz auf die Führung des Traditionstitels konzentrieren und das operative Geschäft der „Financial Times Deutschland“ seinen Stellvertretern überlassen.

Dabei sieht Klusmann die Zukunft der gedruckten „FTD“ kritisch. In „fünf bis zehn Jahren“ werde das Segment der Tageszeitungen untergehen, weil die Leser Informationen einfacher über mobile Endgeräte wie das iPhone abrufen könnten. Eine Prognose, die in dieser Radikalität in der Branche nur von wenigen geteilt wird. Möglicherweise ist Klusmanns Wahrnehmung auch von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des eigenen Blattes geprägt: Die „FTD“ ist seit dem Launch im Jahr 2000 aus den roten Zahlen nicht herausgekommen. 2007 sollen die Verluste nach Insiderschätzungen mindestens acht Millionen Euro betragen haben, einzelne Quellen vermuten sogar mehr als zehn Millionen Euro.

Unklar scheint nach wie vor die Mathematik der Stellenbesetzungen. Mal war von 250 Mitarbeitern im neuen Redaktions-Pool die Rede, dann von 230. Hieß es anfänglich, die 110 noch zu kündigenden Mitarbeiter von „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“ könnten sich auf 60 neue Stellen in Hamburg bewerben, ist nun von 90 Stellen die Rede. Dies nährt Spekulationen, dass bei der „FTD“ mehr als die 10 ursprünglich angekündigten Stellen wegfallen könnten. Da die neue Redaktion am 1. März ihre Arbeit aufnehmen soll, glaubt Klusmann laut „FAZ“ selbst: „Am Anfang wird’s wackeln.“

Auch das „Wildern“ nach Autoren beim „Manager Magazin“ könnte sich zum Politikum entwickeln. Immerhin ist Gruner + Jahr dort direkt und über den Spiegel-Verlag mit rund 37 Prozent als Gesellschafter beteiligt. Beim „Spiegel“ dürfte man die zu erwartende Unruhe nicht schätzen. Zudem ist zu erwarten, dass wechselwillige „MM“-Autoren wohl nur durch einen Risiko-Zuschlag auf ihr Gehalt bereit sein dürften, das Abenteuer Zentralredaktion auf sich zu nehmen.

Bei der Veranstaltung äußerste sich der frühere Chefredakteur des „Manager Magazins“, Wolfgang Kaden, pessimistisch, dass das neue G+J-Konzept funktionieren werde, weil täglicher Wirtschaftsjournalismus und Magazindenken zu unterschiedlich seien. Klusmann glaubt dies durch den Einsatz von „Magazinern“ abfedern zu können, die auf die zehn Großressorts verteilt würden und zunächst die inaktuellen Titel beliefern sollen. Je nach Nachrichtenlage könnten ihre Informationen und Artikel aber auch vom täglichen Medium „FTD“ genutzt werden und zudem „FTD“-Redakteure auch Magazin-Geschichten schreiben. Klingt kompliziert, soll aber im Ergebnis jährlich zehn Millionen Euro sparen.

900 Bewerbungen sind Klusmann zufolge für die neue Wirtschafts-Unit eingegangen – ihm bleiben noch fünf Wochen, daraus und aus den bereits vorhandenen Abteilungen eine schlagkräftige und strukturiert arbeitende Redaktion zu formen.

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