G+J-Brandbrief: Buchholz gibt Contra

Nach Aufsichtsratschef Hartmut Ostrowski hat jetzt auch Gruner + Jahr-CEO Bernd Buchholz die Kritik an der Fusion der Wirtschaftsmedien zurückgewiesen. In einem Schreiben an die Betriebsräte der Wirtschafts-Magazine bezeichnet der 47-Jährige die Maßnahmen als "entscheidende und alternativlose Weichenstellung". Nur so habe das Titel-Portfolio "eine wirtschaftliche Perspektive". Das Verhalten der Arbeitnehmervertreter hält er teilweise für "nicht nachvollziebar" und zudem vertrauensgefährdend.

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Nach Aufsichtsratschef Hartmut Ostrowski hat jetzt auch Gruner + Jahr-CEO Bernd Buchholz die Kritik an der Fusion der Wirtschaftsmedien zurückgewiesen. In einem Schreiben an die Betriebsräte der Wirtschafts-Magazine bezeichnet der 47-Jährige die Maßnahmen als „entscheidende und alternativlose Weichenstellung“. Nur so habe das Titel-Portfolio „eine wirtschaftliche Perspektive“. Das Verhalten der Arbeitnehmervertreter hält er teilweise für „nicht nachvollziebar“ und zudem vertrauensgefährdend.
Hier die wichtigsten Passagen im Wortlaut:

„Ich teile ausdrücklich die von Herrn Ostrowski geäußerte Einschätzung, dass unser Management, insbesondere die verantwortliche Verlagsgeschäftsführerin Frau Haas, sich der Sorgen und Nöte der von der Umstrukturierung der Wirtschaftsmedien betroffenen Kolleginnen und Kollegen in vollem Maße bewusst ist und diese sehr ernst nimmt – wie dies im Übrigen auch der Vorstand und die Gesellschafter von Gruner + Jahr tun.
Die von Frau Haas und den Führungskräften der Wirtschaftsmedien entwickelte, vom Vorstand beschlossene und durch den Aufsichtsrat genehmigte Maßnahme, die Sie in Ihrem Brief kritisieren, ist und bleibt unverändert richtig. Denn sie ist die unter ökonomischen wie publizistischen Gesichtspunkten entscheidende und alternativlose Weichenstellung, wenn unser Wirtschaftsmedien-Portfolio eine wirtschaftliche Perspektive haben soll und wir zugleich unserem Qualitätsanspruch auch künftig gerecht werden wollen. Das ist die einhellige Meinung von Management, Vorstand und Gesellschaftern.“
Danach nimmt CEO Buchholz zu den einzelnen Argumenten der Betriebsräte Stellung:

„Ihre Wahrnehmung, den Kolleginnen und Kollegen könne … noch nicht einmal ‚mit Anstand gekündigt‘ werden, trügt. Die Entscheidung, die Kündigungen nicht mehr im alten Jahr auszusprechen, obwohl alle juristischen Voraussetzungen (einschließlich der rechtzeitigen Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit in Köln und in München) gegeben waren, entsprang vielmehr sozialen Erwägungen. Dass Sie dies jetzt gegen uns wenden, obwohl es eine Entscheidung im Sinne der von Ihnen vertretenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war, empfinde ich als sehr bedauerlich.

Die wirtschaftlich schwierige Situation der Magazintitel unserer Wirtschaftsmedien hat sowohl mit der angestammten Gesamtsituation im Marktsegment als auch mit strategischen Entscheidungen zum Markenausbau zu tun – sie allein auf den Umzug des Verlags zurückzuführen, greift deutlich zu kurz.
Dass derzeit noch keine Gewissheit darüber besteht, wer ein neues Angebot annehmen wird, dürfte für Sie als Betriebsräte nicht verwunderlich sein: Ihnen sind die Fristen zur Anhörung bekannt, und Sie selbst haben aus nachvollziehbaren Gründen darauf gedrängt, dass vor Abschluss der Bewerbungsfrist keine Verträge geschlossen werden, damit das Bewerbungsverfahren transparent bleibt. Insofern wissen Sie, dass das Rekrutierungsverfahren in diesen Tagen erst in die konkrete Phase geht.
Vor diesem Hintergrund ist auch Ihre Behauptung, alle Kolleginnen und Kollegen, die sich um eine Stelle in der neuen Redaktion bewerben, würden zu deutlich schlechteren Konditionen eingestellt, für mich nicht nachvollziebar.
Was die von Ihnen genannten zusätzlichen Belastungen der Kolleginnen und Kollegen angeht, die ein Angebot annehmen, so werden die entsprechenden Leistungspakete, wie Sie wissen, im Rahmen eines Sozialplans mit Ihnen verhandelt werden.
Seien Sie versichert, dass ich durch das Management jederzeit und umfassend über den Stand der Umsetzung der beschlossenen Maßnahme unterrichtet bin und dass sowohl die verantwortliche Verlagsgeschäftsführerin Frau Haas als auch Herr Klusmann als künftiger Vorsitzender des Chefredakeurskollegiums mein volles Vertrauen genießen. Beide werden die Umsetzung auch weiterhin professionell mit dem nötigen Augenmaß und erfolgreich vorantreiben.“
Abschließend kritisiert Buchholz die „Öffentlichkeitsarbeit“ der Betriebsräte:
„Dass Sie den Inhalt Ihres Briefes – für den Adressaten zunächst nicht erkennbar – öffentlich gemacht haben und im Nachhinein von einem ‚offenen Brief‘ sprechen, lässt mich daran zweifeln, ob Sie einen vertrauensvollen Austausch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden oder mit mir als Vorstandsvorsitzendem in der Sache suchen. Gleichwohl will auch ich Ihnen gemeinsam mit Herrn Ostrowski gern anbieten, mit Ihnen einen Dialog zu führen, wenn Ihnen daran gelegen ist. Ihre Gespräche mit dem Management sollten davon unberührt bleiben, und ich bitte Sie herzlich, diese Gespräche konstruktiv fortzuführen.“
Soweit das Schreiben von Vorstandschef Buchholz. Unterdessen scheint es aufgrund des engen Zeitplans Schwierigkeiten mit den Fristen der Betriebsschließungen bei der Wirtschaftspresse zu geben. Nach Informationen von MEEDIA hat G+J-Verlagsgeschäftsführerin Ingrid Haas in einer internen Mail an die Mitarbeiter von „Capital“ und „Börse Online“ eingeräumt, dass die Betriebsstillegung im Falle von „Börse Online“ erst zum 20. März, bei „Capital“ sogar erst am 31. März erfolgen werde.
Grund hierfür sind offenbar Heftproduktionen, die noch an den bisherigen Standorten abgeschlossen werden sowie notwendige „Nacharbeiten“. Dies führt auch dazu, dass für Wechselwillige ein enger Terminplan vorgegeben ist. In der internen Mail heißt es dazu: „Kollegen, die sich entschlossen haben, in der neuen Redaktion mitzuarbeiten … , arbeiten bis zum Abschluss der Hefte noch in Köln respektive München – und beginnen jeweils am Tag nach Abschluss der Hefte am neuen Standort.“
Ob sich durch die Verschiebung der Betriebsschließungen rechtliche Konsequenzen mit Blick auf die Arbeitsverhältnisse der 110 zu kündigenden Mitarbeiter ergeben oder gar ein sogenannter Betriebsübergang vorliegen könnte, müssen nun die Juristen klären.

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