Blattkritik: Jakob Augsteins neuer ‚Freitag‘

Dass die seit 1990 erscheinende Ostzeitung „Freitag“ jetzt donnerstags erscheint, ist nur eine der Neuerungen, mit denen das Blatt seit heute aufwartet. Nach dem Kauf durch Spiegel-Erbe Jakob Augstein heißt die Wochenschrift nun „der Freitag“, versehen mit der Subline „Das Meinungsmedium“. Augstein will mit neuem Konzept und einem 30-köpfigen Team ein Premium-Magazin für Print und Online schaffen und die Auflage von 12.500 Exemplaren deutlich steigern. MEEDIA hat die Relaunch-Ausgabe geblättert.

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Dass die seit 1990 erscheinende Ostzeitung „Freitag“ jetzt donnerstags erscheint, ist nur eine der Neuerungen, mit denen das Blatt seit heute aufwartet. Nach dem Kauf durch Spiegel-Erbe Jakob Augstein heißt die Wochenschrift nun „der Freitag“, versehen mit der Subline „Das Meinungsmedium“. Augstein will mit neuem Konzept und einem 30-köpfigen Team ein Premium-Magazin für Print und Online schaffen und die Auflage von 12.500 Exemplaren deutlich steigern. MEEDIA hat die Relaunch-Ausgabe geblättert.

Der Wunsch nach Klarheit ist dem Titel auf den ersten Blick anzusehen. Aufgeteilt in nur drei Bücher (Politik, Kultur und Alltag) dominiert das große Thema. Mit Kleinkram wie Meldungen oder den sonst so beliebten Service- und Interviewkästen mag man sich hier nicht aufhalten, ebenso wenig mit einer detaillierten Bebilderung. Es gilt das geschriebene Wort, und dagegen ist bei einer klugen Themenwahl und exzellenten Autoren auch nichts einzuwenden.

Allerdings dominieren auf Seite eins die erwartbaren Themen: Wirtschafts- und Finanzkrise, Bundestagswahl, der Ausraster des türkischen Premierministers – darüber kann man in diesen Tagen überall lesen. Zwar bietet „der Freitag“ mit dem mutigen Plädoyer für eine Inflation von Werner Vontobel einen originären Ansatz und einen interessanten Leitartikel. Ob das aber reicht, um Leser zum Kauf des 2,90 Euro teuren Blattes zu animieren, scheint fraglich.

Wenig direkten Aktualitätsbezug hat die Titelgeschichte zur Kanzler-Wahl, die, von klerikalem Violett unterlegt, die Titelseite über dem Bruch dominiert. Flankiert wird sie von einem Hinweis auf die Web-Community und drei Anrissen, von denen zwei zeitgeschichtliche Auslandsthemen (Iran, Ungarn) anteasern sowie einer Übernahme aus dem Guardian, mit dem Augstein eine Kooperation ausgehandelt hat.

Im Innenteil finden sich einige spannende Ansätze wie die „Feuilleton-Auslese“ (eine Art Presseschau), das A – Z der Woche („Lexikon der Gegenwart“) sowie der Abdruck der „besten Zitate“ aus den Online-Leserkommentaren. Dass die Optik auf Seite drei von einem Zeichner (dem Schweizer Benjamin Güdel) besorgt wird, hebt sich ebenfalls wohltuend ab. Dennoch wird sich das Blatt seine Position auf dem gesamtdeutschen Markt erobern müssen: irgendwo zwischen einer Low-Budget-„Zeit“ und einer wöchentlichen „taz“. Nur wenige Anzeigen finden sich in der Neustart-Ausgabe (u.a. Victorinox, Reemtsma, „Spiegel Geschichte“, Öger Tours).

Insgesamt ist der erste Eindruck zwiespältig: „der Freitag“ macht nichts falsch, aber er überzeugt auch noch nicht. Es fehlen die überraschenden Elemente, das Quantum Genialität. Die unverkennbare Tendenz zum Prinzip „eine Seite, ein Thema“ hat schon Manfred Bissingers am Ende gescheiterter „Woche“ nicht gut getan. Auch wenn das Berliner Fomat dazu einlädt, wäre dem „Freitag“ hier mehr Variabilität zu wünschen. Vieles wirkt noch leblos, von geradezu bleierner Schwere und oft auch zu rückwärtsgewandt. Dass die Debatte um den Papst die Leser mehr zu beschäftigen scheint als die Redaktion, ist in der Startausgabe ebenfalls ein Manko.

MEEDIA-Fazit: Für den „Freitag“ ist nichts verloren, aber noch viel zu gewinnen. Die nächsten Wochen werden zeigen, wohin die Entwicklung geht. Der Erfolg wird auch vom Engagement der Leser abhängen, die bei Augsteins Verleger-Erstling eine tragende Rolle innehaben.

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