Bei Burda braut sich was zusammen

Zum ersten Mal seit seiner Berufung als Burda-Vorstand hielt Philipp Welte am Mittwoch eine Neujahrsansprache – und was für eine. Der 46-Jährige stimmte das Haus auf harte Zeiten ein. „Wir stehen vor einer Medienkrise mit einer unbekannten Dimension. So etwas haben wir alle noch nicht erlebt.“ Die Burda-Inlandsverlage hätten 2008 ein deutliches Minus gemacht, 2009 sei die Buchungssituation bei Anzeigen weiter rückläufig. Als Konsequenz forderte er „einen klaren Schnitt mit der Vergangenenheit“.

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Zum ersten Mal seit seiner Berufung als Burda-Vorstand hielt Philipp Welte am Mittwoch eine Neujahrsansprache – und was für eine. Der 46-Jährige stimmte das Haus auf harte Zeiten ein. „Wir stehen vor einer Medienkrise mit einer unbekannten Dimension. So etwas haben wir alle noch nicht erlebt.“ Die Burda-Inlandsverlage hätten 2008 ein deutliches Minus gemacht, 2009 sei die Buchungssituation bei Anzeigen weiter rückläufig. Als Konsequenz forderte er „einen klaren Schnitt mit der Vergangenenheit“.
Man wird wohl nicht lange rätseln müssen, was das heißt. Im Gegensatz zu anderen Großverlagen hat Hubert Burda Media bislang noch kein umfassendes Krisenkonzept präsentiert. Dabei ist das „Zeitfenster“ für konsolidierende Maßnahmen auch in München begrenzt, wenn sich diese im laufenden Jahr auswirken sollen. Welte legte nach MEEDIA-Informationen beim Neujahrsempfang am Mittwoch vor Führungskräften aktuelle Schätzungen vor, wonach der Werbemarkt 2009 erneut um „um mindestens sechs Prozent“ schrumpfen werde. Offenbar ist jedoch entgegen anderslautenden Gerüchten bislang vom Vorstand keine Entscheidung über eine neue „Kostenrunde“ gefallen.
Darüber hinaus, so Welte weiter, beschleunige die Krise den strukturellen Wandel ins Internet: „Um hier zu bestehen, müssen unsere Online-Marken mehr Reichweite und höhere Werbeumsätze erzielen und ihre Erlösstrategien diversifizieren.“ Im Printbereich sicherten nur wenige Marken das Konzernergebnis. „Wir brauchen Veränderungen und einen klaren Schnitt mit der Vergangenheit“, forderte der Verlagsvorstand. Weltes Schwerpunkte sind „Effektivität, Innovation und Integration“. Der Neu-Vorstand: „Wir müssen Mauern abbauen und wieder zusammenwachsen, um zusammen wachsen zu können.“ Es gehe nun darum, Burdas führende Position auf dem nationalen Zeitschriftenmarkt ausbauen und Marktanteile gewinnen. Welte gab sich kämpferisch: „Ich glaube an die Zukunft unserer Medien und Marken und an die Zukunft unseres Unternehmens.“
Verleger Hubert Burda hob die Umstrukturierungen der vergangenen Jahre und die Erweiterung von zwei auf fünf Geschäftsfelder hervor, erklärte aber auch, dass 2009 weitere Veränderungen notwendig seien: „Wir müssen die Kosten den Umsätzen anpassen und Synergien schaffen.“ Die Konkurrenz sieht Burda weniger bei anderen Medienunternehmen, Ausgaben für mobile Dienste und Internet würden stattdessen das Budget für Zeitschriften verkleinern. Da das Medienhaus allerdings im Vergleich zu anderen Großverlagen weniger abhängig von der Anzeigenkonjunktur ist, dürfte die Krise bei den Münchner nicht ganz so hart durchschlagen. Zudem hat es in letzter Zeit bereits Maßnahmen zur Kostensenkung gegeben, zuletzt war im Herbst eine Reduzierung der Budgets aller verlagsnahen Bereiche um fünf Prozent verfügt worden.
Auch Geschäftszahlen wurden präsentiert. Finanzvorstand Paul-Bernhard Kallen bezifferte den Außenumsatz 2008 auf vorläufig 1,72 Milliarden Euro. Wachstumsfelder seien die Auslandsverlage und das Digitalgeschäft, rückläufig sei die Entwicklung neben den Sparten Druck und Direktmarketing vor allem bei den Inlandsverlagen. Zahlen zu Gewinnen und Verlusten legt das Familienunternehmen traditionell nicht vor.

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