Gerichtsschlappe für NDR im Fall Herman

Betriebsausflug zum Kadi: Die Tagesschausprecher Jan Hofer und Jens Riewa sowie ihr Chefredakteur Kai Gniffke waren am Freitagvormittag als Zeugen vor dem Hamburger Landesarbeitsgericht geladen. Im dem Berufungsverfahren geht es um die Kündigung von Eva Herman im September 2007. Die Ex-Sprecherin klagt gegen den NDR auf Wiedereinstellung. Ihre Chancen stehen nach der ersten Beweisaufnahme offenbar gut. Am Mittag vertagte sich das Gericht auf den 1. April.

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Der NDR hatte die Zusammenarbeit mit der Tagesschau-Sprecherin im September 2007 aufgekündigt. Der Grund dafür waren die umstrittenen Äußerungen Hermanns zur NS-Zeit. Daraufhin klagte die 50-Jährige auf Wiedereinstellung. Doch im April 2008 entschied das Arbeitsgericht Hamburg im Sinne des Norddeutschen Rundfunks.

Herman ging in die Revision und erstritt im November einen ersten Teilerfolg, weil das Landesarbeitsgericht argumentierte, ihre ehemaligen Kollegen plus Chefredakteur Kai Gniffke als Zeugen hören zu wollen. Mit Hilfe der Aussagen der Sprecher soll geklärt werden, ob Hermans ehemaliger NDR-Job als freie Mitarbeit oder als feste Anstellung gewertet werden kann. Die erste Instanz hatte auf die Beweisaufnahme verzichtet und war der Einlassung des NDR gefolgt, wonach eine Klage auf Wiedereinstellung nicht möglich sei, da Eva Herman freie Mitarbeiterin gewesen sei.
Der Vorsitzende Richter Rainer Schaude erklärte nach Anhörung von Jens Riewa und Chefsprecher Jan Hofer am Freitag, es spreche „Einiges“ dafür, dass Eva Hermann sich in einem festen Anstellungsverhältnis befunden habe. Ausschlaggebend für die richterliche Einschätzung waren die Aussagen ihrer Sprecher-Kollegen zu den Dienstplänen. So sei Herman nach ihrer einjährigen Babypause gehalten gewesen, wieder Frühdienste wahrzunehmen. Die Abhängigkeit von Dienstplänen ist ein Indiz für ein ordentliches Arbeitsverhältnis.
Letzte Unklarheiten sollen nun durch die Vernehmung von Jo Brauner ausgeräumt werden, der am Freitag verhindert war und nun für den 1. April eine Ladung erhält. Brauner war Vorgänger von Jan Hofer als Chefsprecher. Herman-Anwalt Dirk Feldmann erklärte nach der Verhandlung: „Wir sind optimistisch.“ Zu einer versöhnlichen Geste kam es im Gerichtssaal 419. Chefredakteur Kai Gniffke, der nicht aussagen musste, ging auf Eva Herman zu und schüttelte ihr die Hand.

Bereits vor zwei Wochen gewann Herman zwei Prozesse gegen die Axel Springer AG. Das Kölner Amtsgericht sprach der Autorin zweimal jeweils 10.000 Euro Schmerzensgeld zu. Zum einen werteten die Richter eine Formulierung im „Hamburger Abendblatt“ als unzulässige Falschaussage, zum andern wurde der „Bild“ untersagt, Herman als „dumme Kuh“ zu bezeichnen.

Nach der legendären Johannes B. Kerner-Sendung, in der der Talk-Master die Ex-Moderatorin rauswarf, schrieb „Bild“-Kolumnist Franz-Josef Wagner: „Eva Herman ist ganz sicher keine Nazi-Hexe, die mit einem Besenstiel über Auschwitz reitet. Eva Herman ist, ich sagte es schon, eine dumme Kuh.“

Im Prozess gegen das „Hamburger Abendblatt“ ging es um einen Bericht vom 7. September 2007. Über die Pressekonferenz, auf der Herman ihr neues Buches vorstellte, schrieb die Zeitung in Bezug auf ihre Äußerungen zur Politik des Dritten Reiches: „Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter.“ Das Amtsgericht ist der Meinung, dass diese Formulierung nicht den Tatsachen entsprach.

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