Blattkritik „Red Bulletin“: Wir sind Helden

Neuerscheinung auf dem Kundentitel-Markt: In dieser Woche ging "The Red Bulletin" auch in Deutschland an den Start. Der Name ist Programm, denn das "Bulletin" kommt aus dem Hause des Erfrischungsgetränkeherstellers, der in der Vergangenheit immer wieder durch sein extravagantes Sportsponsoring aufgefallen war. Genau in dieser Tradition kommt der Monatstitel daher: Protagonisten der Extreme erzählen ihre Geschichte – und das durchaus lesenwert.

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Höher, schneller, weiter: So sieht das Lebensgefühl der Red Bull-Generation aus – oder zumindest so soll sie aussehen, wenn man der Inszenierung des Salzburger Getränkeherstellers in der Werbung oder beim Sportsponsoring glauben darf: „Flügel“ soll das taurinhaltige Erfrischungsgetränk bekanntlich verleihen, so der einprägsame Werbeslogan, der sich seit zwei Jahrzehnten hält.   

Inzwischen ist Red Bull zum meistverkauften Energy-Drink der Welt aufgestiegen. Mehr als drei Milliarden Euro setzt das vom österreichischen Unternehmer Dietrich Mateschitz gegründete Unternehmen bereits um. Tendenz: steigend. Und nicht nur das: Auch die bekannteste österreichische Weltmarke ist Red Bull inzwischen.

Red Bull: Fest in der Welt des Sportsponsorings verankert

Erworben hat das Salzburger Unternehmen die Pole Position durch eine einzigartige Markenpräsenz, die fest in der Welt des Sports verankert ist.  Der Meister der österreichischen Fußball-Bundesliga wird von Mateschitz gesponsert – und zwar gleich so einprägsam, dass sich das Unternehmen in den Vereinstitel verewigt hat: Red Bull Salzburg.

„Das ist ein neuer Klub“, wurde zur Gründung vor dreieinhalb Jahren auf der konstituierenden Generalversammlung erklärt: „Es gibt keine Tradition, es gibt keine Geschichte, es gibt kein Archiv. Keine Kompromisse“.
Genauso nassforsch verlief auch das Engagement in der Formel-1 mit dem Team Red Bull Racing, das ebenfalls erst seit 2005 am Start ist. Und das bereits sehr erfolgreich, wie der Sensationssieg von Sebastian Vettel beim Schwesterteam Torro Rosso im vergangenen Herbst beweist.

The Red Bulletin: „Faszination, wenn einzigartige Menschen scheinbar verrückte Ideen realisieren“

Naheliegend also, dass Mateschitz mit einem Print-Medium für sein Markenimperium einen weiteren Kommunikationskanal sucht – und Vettel zum ersten Titelhelden der deutschen Ausgabe des „Red Bulletin“ gemacht hat, der zuvor bereits in Österreich und Großbritannien erschienen ist.

„An Geschichten, die durch uns erst möglich wurden, herrscht kein Mangel“, stellt der inzwischen 64-jährige Steiermärker im Editorial gleich mit breiter Brust klar – und meint damit das Red Bull-Nachwuchsförderprogramm, in dem Vettel einst seine Karriere begonnen hatte. Heute ist der 21-jährige Heppenheimer der heißeste deutsche Exportartikel der Boliden-Szene – und damit natürlich gern genommener Interviewgast.

„Die Vision, jene Faszination mitzuteilen, die aufblitzt, wenn einzigartige Menschen scheinbar verrückte Ideen realisieren – allein durch die Energie ihres Körper und Geistes“: So trägt Mateschitz ein wenig dick das Leitmotiv des Hundertseiters auf, der nun monatlich als Beilage des „Münchner Merkurs“ und der „tz“ erscheint – und zwar mit der durchaus ambitionierten Startauflage von 410.000 Stück.

Helden wie wir: Neues aus Welt der Adrenalin-getriebenen Extreme

Der erste Wurf kommt dabei als überraschend fertig daher: In den Ressorts „Bullevard“, „Heroes“, „Action“ sowie „More Body & Mind“ berichtet das Redaktionsteam um Chefredakteur Robert Sperl über die Welt der Adrenalin-getriebenen Extreme.

Form und Inhalt erinnern schnell an das Muster der bekannten Männertitel „Playboy“, „Maxim“ oder den eingestellten „Matador“, ohne dabei jedoch auf die erotische Schiene abzugleiten – nackte Frauenkörper sucht man im „Bulletin „vergeblich.

Hoher Anspruch: Magazin über außergewöhnliche Menschen

Gezeigt wird stattdessen das schnelle, aufregende Leben der Skispringer, Seiltänzer und Bergsteiger vergangener Tage oder Formel-1-Helden der Gegenwart. Das Motto kommt nicht von ungefähr: „Heroes“ lautete der Arbeitstitel des Red Bull-Kundentitels, der einst von Christian Kämmerling („SZ-Magazin“) mit einer Handvoll Mitarbeitern entwicklelt worden war und bereits seinerzeit als Magazin über außergewöhnliche Menschen positioniert wurde.

Ob das „Bulletin“, das in der ersten Ausgabe doch sehr um die Faszination des (Winter)-Sports kreist, diesem Anspruch langfristig gerecht werden kann, wird die Zukunft zeigen – wenn der Schnee geschmolzen ist…

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