BBC schmeißt Thatcher-Tochter raus

Klarer Fall: Wer im Fernsehen etwas Dummes sagt, wird ewig daran erinnert. Wer etwas Rassistisches sagt, wird nicht daran erinnert, der wird gefeuert. So gerade geschehen bei der BBC. Reporterin Carol Thatcher, Tochter der „eisernen Lady“, musste gehen, nachdem sie sich rassistisch über einen Tennisspieler geäußert hatte. Nicht vor laufenden Kameras, sondern unter Kollegen. Die einen sagen, die BBC hätte richtig reagiert, die anderen, der Sender hätte nur einen Vorwand gesucht, um Thatcher abzuschießen.

Anzeige

Thatcher, die als Reporterin für die BBC-Sendung „The One Show“ arbeitete, hatte während der Australian Open vor Kollegen die Frisur des Tennisspielers Jo-Wilfried Tsonga zu beschreiben versucht, und in dem Zusammenhang das Wort „Golliwog“ benutzt, „Negerpuppe“. Nachdem das Zitat an die Öffentlichkeit gelangt war und eine erste Entrüstungswelle über Thatcher hinwegschwappte, entschuldigte sich die Reporterin öffentlich durch ihre Pressesprecherin. In einem Brief entschuldigte sich Thatcher zudem persönlich bei den Produzenten der Show. Der BBC war das nicht genug, sie verlangte eine formale Entschuldigung von Thatcher. Doch diese weigerte sich. Die Folge war ihr Rauswurf bei der „One Show“.

Die rassistische Äußerung Thatchers kam der BBC gerade recht, spekulieren hochrangige Mitarbeiter des Senders. Die schillernde Thatcher, die 2005 die UK-Version des „Dschungelcamps“ gewonnen hatte, sei bei der BBC unbeliebt gewesen, ein namentlich nicht genannter Moderator spricht gar von einer Vendetta gegen Thatcher.

Ein anderer hochrangiger BBC-Moderator kritisierte gegenüber dem Guardian ebenfalls die Personalpolitik seines Arbeitgebers. Es herrsche eine Ungleichmäßigkeit innerhalb der BBC, was den Umgang mit verbalen Entgleisungen ihrer Mitarbeiter angehe. So seien etwa die Moderatoren Jonathan Ross oder Chris Moyles immer wieder durch befremdliche Äußerungen aufgefallen.

Radiomoderator Moyles hatte erst im Januar, eine Woche vor dem Holocaust Memorial Day, verächtlich über Auschwitz gesprochen: „Alle gucken sich Auschwitz an, ob sie jüdisch sind oder nicht. Sie scheinen dort nur mal eben auf ihrem Weg nach Florida vorbeizukommen.“ Die BBC erhielt auch auf diesen Kommentar zahlreiche Protestanrufe von Hörern. In der daraufhin veröffentlichten Pressemitteilung des Senders hieß es jedoch nur lapidar: „Jeder, der Chris Moyles und seine Show kennt, weiß, dass er einen respektlosen Stil hat. Wir bedauern, dass seine Kommentare falsch verstanden wurden und werden mit Chris und seinem Team über den Vorfall reden.“ Keine schlechte Idee, das mit dem Reden.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige