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Deutsche Bahn blamiert sich mit Abmahnung

Als hätte die Deutsche Bahn nicht genug Ärger: Jetzt solidarisiert sich auch noch die Blogosphäre gegen den Logistik-Konzern, weil dieser den Netzpolitik-Blogger Markus Beckedahl abgemahnt hat. Grund: Beckedahl stellte ein internes Bahn-Memo zur Mitarbeiter-Rasterfahndung online. Als der Berliner auch die Abmahnung veröffentlichte, kam es schnell zu tausenden Solidaritätsbekundungen in Blogs, Kommentaren und via Twitter. Innerhalb weniger Stunden wurde der Fall für die Bahn zum PR-Desaster.

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Auch die arrivierten Nachrichtensites nahmen das Thema auf. Das Web-Portal DerWesten.de befragte zu dem Fall sogar den hauseigenen Justiziar, Ralf Geppert. Für ihn ist der Vorstoß ebenso fragwürdig wie für den Rest der Web-Welt. Die Bahn stütze sich bei der Abmahnung auf Paragraph 17 des „Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb“. Der Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen liege dann vor, wenn jemand Geheimnisse mitteilt – zu Zwecken des Wettbewerbs, Eigennutzes, zu Gunsten Dritter oder der Absicht, dem Unternehmen Schaden zuzufügen. „Das sehe ich in diesem Fall nicht“, sagte Geppert.

Auch von Carta-Autor Robin Meyer-Lucht erhält Beckedahl Rückendeckung. In einem Blog-Beitrag zählt Meyer-Lucht zehn Gründe auf, weshalb die Bahn in diesem publizistischen Konflikt unterliegen müsse. Eines der stärksten Argumente stellt die Tatsache dar, dass bereits zuvor auf anderen Websites wesentliche Inhalte aus dem betreffenden Memo zitiert worden waren. Beckedahl hatte auf Netzpolitik.org später lediglich das gesamte Dokument als PDF veröffentlicht.

Damit hat sich die PR-Abteilung der Deutschen Bahn erneut blamiert und ihre Unfähigkeit im Umgang mit den neuen Medien eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Vor der Abmahnung war die Resonanz auf das veröffentlichte Memo bei Netzpolitik.org ziemlich zurückhaltend. Erst als Beckedahl Post von der Bahn bekam und dieser die Abmahnung veröffentlichte, stieg die Wahrnehmung exponential an.

Innerhalb weniger Stunden kommentierten mehr als 200 User die Abmahnung auf Netzpolitik.org. Auch über den Microblogging-Dienst Twitter waren die Solidaritätsbekundungen zahlreich – immerhin hat Beckedahls Twitter-Channel Netzpolitik über 2.500 Follower. Die Bloggerin Julia Seeliger (Zeitrafferin.de) schaltete am schnellsten und führte ein Interview mit Beckedahl.

Darin gibt sich der Abgemahnte ganz relaxt und erklärt, dass er der Bahn als Kommunikations-Berater von diesem Schritt sicher abgeraten hätte. Zum derzeit vieldiskutierten Thema Blogs und Presserecht gibt Beckedahl zu bedenken, dass es sinnvoller wäre „einige Gesetze wie das Telemediengesetz derart zu gestalten, so dass diese Gesetze nicht voller Tretminen für Bürger sind, die im Netz publizieren.“

Beckedahl schreibt in seinem eigenen Blog, er wolle erst einmal durchatmen und „schauen, was die nächsten Tage bringen werden.“ Einen Rechtsbeistand hat er sich zur Sicherheit bereits zugelegt.

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