Wie Verlage vom Wandel profitieren können

Anzeigen und Vertriebsumsätze schrumpfen. Das Online-Geschäft reicht nicht, um die Verluste zu kompensieren. In Zeiten der Digitalisierung gibt es an jeder Ecke Visionen im dutzend billiger. Verlage sollen werden wie Google, „kostenlos“ gilt als Geschäftsmodell, Zielgruppen sind out, Communities sind in. Problem: Klingende Digital-Visionen sind gut fürs Brainstorming, akute Probleme lassen sich damit kaum lösen. MEEDIA macht fünf Vorschläge, wie Print-Häuser vom Medienwandel profitieren können.

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Anzeigen und Vertriebsumsätze schrumpfen. Das Online-Geschäft reicht nicht, um die Verluste zu kompensieren. In den unsicheren Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung gibt es an jeder Ecke Visionen im dutzend billiger. Verlage sollen werden wie Google, „kostenlos“ gilt als Geschäftsmodell, Zielgruppen sind out, Communities sind in. Problem: Klingende Digital-Visionen sind gut fürs Brainstorming, akute Probleme lassen sich damit kaum lösen. MEEDIA macht fünf ganz konkrete Vorschläge, wie Print-Häuser ganz konkret vom Medienwandel profitieren können.

Mit Macht in die (Männer)-Nische

Selbst Großverlage wie Gruner + Jahr haben mittlerweile die kleine Nische als lukrative Spielwiese entdeckt. Manchmal wird ein überraschend großer Titel daraus, siehe „Neon“ oder „Landlust“. Manchmal bleibt das Nischenprodukt in seiner Ecke, siehe „Dogs“. Wer die Augen aufhält findet immer noch eine Nische. Eine ziemlich große, die immer noch von niemandem beackert wird, ist das anspruchsvolle Männer-Magazin. Anspruchsvoll bedeutet hier: keine Halbnackten, Computer, Fußballer oder Autos auf dem Cover zu haben. Es kann doch nicht wahr sein, dass es für Männermagazine keinen gemeinsamen Nenner gibt außer Sex, Autos, Computer und Fußball. Wo ist das Männerheft, das zum Beispiel dem Outdoor-Trend gerecht wird. Die halbe urbane Männerwelt rennt in sündhaft teuren Hightech-Klamotten rum, kauft sich Mountain-Bikes und absolviert Tandem-Flüge mit Paraglidern. Da wird ein Haufen Geld und Freizeit verkonsumiert. Wo bleibt das dazugehörige Magazin?

2. Web2.0 als Thema entdecken

Während die Digital Natives hektisch mit ihren Laptop-Tastaturen klappern, twittern und ihr Facebook-Profil updaten, ist für viele der vor 1980 geborenen Zeitgenossen E-Mail immer noch der heißeste Scheiß. Ein Magazin, das die heute 40- und 50-Jährigen auf ihrem Old-School-Medium Papier die neue, digitale Welt näher bringt, könnte auf eine dankbare und gar nicht mal kleine Zielgruppe treffen. Themen gibt‘s genug: Privatsphäre im Netz, welche Community für wen, was müssen Eltern über das Internet-Verhalten ihrer Kinder wissen, was zum Teufel ist dieses Twitter-Dings und was soll das etc. Hier gäbe es zudem mannigfaltige Ansatzpunkte für inhaltliche Kooperationen. Das Web mal nicht als Medium, sondern als Thema für die nicht ganz so Hippen. Denn: Die kaufen wenigstens noch Zeitschriften.

3. Dorthin gehen, wo (bald noch mehr) Nutzer sind: RSS

RSS-Feeds sind eine feine Sache. Sie sortieren das Netz, man verpasst nichts und bekommt eine Art persönliche Web-Zeitung, die in Echtzeit aktualisiert wird. Und: RSS-Feeds sind der Alptraum so mancher Website-Betreiber. Sie fürchten, dass Leute irgendwann nur noch Feeds in ihrem RSS-Reader lesen und nicht mehr auf die eigentliche Website gehen. In Folge gehen die Klicks runter und damit die Werbe-Erlöse. Das führt dazu, dass einige klickstarke Angebote, wie z.B. News-Marktführer „Spiegel Online“, lediglich Überschriften als Feed herausgeben, um den Nutzer für die ganze Geschichte immer noch auf die Seite zu zwingen. Modern ist das nicht. Und durchsetzen wird sich das auch nicht. Dafür sind vollständige RSS-Feeds einfach zu praktisch und nutzerfreundlich. Doch warum experimentiert eigentlich kein Verlagshaus mit Werbung in Feeds? Dass das möglich ist, zeigt ausgerechnet mal wieder Google. RSS-Feeds werden weiter an Popularität zunehmen. Wer jetzt mit Werbung in Feeds experimentiert, kann später profitieren.

4. Mobil werden – aber richtig!

Das Handy wird von manchen Marktbeobachtern schon für die Tageszeitung der kommenden Generation gehalten. Tatsache ist: junge Leute lieben ihr Handy, sie haben es immer dabei und sie nutzen es ausgiebig. Alles Dinge, die man von einer Tageszeitung nicht behaupten kann. Warum nehmen viele Verleger den Trend hin zu Mobile dann nicht endlich ernst? En Mobilportal und ein verlagseigener Mobil-Tarif sind bei den fortschrittlicheren Häusern bereits Standard. Aber warum werden die Welt der Zeitung und die neuen mobilen Dienste nicht konsequenter verknüpft? Eine günstige mobile Chat-Plattform ohne Abzocke, die auch von den Eltern gutgeheißen wird, die das Handy zahlen, könnte ein Hit sein. Auf diese Weise könnten Zeitungen ihre Dienstleistungen (und ihre Werbung) von einer Generation zur nächsten und von einem Medium zum anderen reichen. Außerdem: Wo sind eigentlich die iPhone-Anwendungen deutscher Zeitungshäuser nach dem Vorbild der „New York Times“ oder der Gratiszeitung „20 Minuten“? Programmierer anheuern und loslegen!

5. Schulterschluss mit den Social Networks

Berührungsängste vor den großen sozialen Netzen sind kontraproduktiv. Regionalverleger sollten kein Geld und keine Zeit in die Entwicklung eigener Social Communities stecken, sondern lieber den Schulterschluss mit den großen Netzwerken wie Wer-kennt-wen.de, Lokalisten.de oder Facebook suchen. Falls sich ein Verleger fragt, wo sich die junge Zielgruppe so rumtreibt, sollte er sich mal bei Wer-kennt-wen.de anmelden. Fast schon erschreckend, wer sich dort alles rumtreibt. Versuchen Sie als Print-Partner bei örtlichen WKW-Events aufzutauchen, organisieren sie selbst Real-Life-Treffen von sozialen Netzen, die in ihrem Verbreitungsgebiet viele Mitglieder haben. Soziale Netze haben viele Mitglieder aber selbst ein Vermarktungsproblem. Die Betreiber werden sich über Aufmerksamkeit und Unterstützung aus der Welt der Papiermedien garantiert freuen. Und sie bekommen ihr Ohr an den Puls der jungen Zielgruppe.

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