DPA will Inhalte der WAZ-Titel kontrollieren

Der Streit zwischen WAZ-Gruppe und DPA geht in die nächste Runde. So soll die Deutsche Presse Agentur, nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ mittlerweile Belege sammeln, dass man in Essen trotz ausgelaufenen Vertrages mit der DPA noch immer mit Material der Presseagentur arbeitet. Anstatt für diese Inhalte jedoch zu bezahlen, hegen die Hamburger und ihr Chefredakteur Wilm Herlyn den Verdacht, dass die Essener Redaktionen die Informationen einfach aus dem Internet abschreiben.

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Das Misstrauen der Deutschen Presse Agentur zog sich die Essener Redaktion gleich in zwei Fällen zu. Das erste Mal, als „WAZ“-Chefredakteur Ulrich Reitz dem NDR-Magazin Zapp ein Interview gab, von dem er mittlerweile sagt, dass seine Aussagen von den Autoren „tendenziös“ zusammen geschnitten wurden. Fest steht, dass er vor laufender Kamera sagte: „So, wie wir Informationen von DPA benutzen oder weiter daran arbeiten, so machen wir es auch mit anderen Informationsquellen, ohne für diese Informationsquellen zu bezahlen. Vielleicht ist es ein Stück weit die neue Welt.“

Der zweite Fall, der die Presseagentur aufschreckte, prangerte vergangene Woche der Medienjournalist Stefan Niggemeier an. Am 27. Januar gab der Kaufhauskonzern Hertie bekannt, 19 Filialen dicht machen zu wollen. Die meisten von den Schließungen betroffenen Städte liegen im Ruhrgebiet. Die AFP und die DPA machten aus der Nachricht jeweils eine Meldung. Das WAZ-Portal „derWesten“ brachte vertragsgemäß die AFP-Story zu der News. In der entsprechenden DPA-Meldung allerdings waren exakt die betroffenen Städte vermerkt. Nach einiger Zeit erweiterte die Online-Redaktion noch einmal die Geschichte. Diesmal um den Absatz: „In NRW sollen nach Medienberichten folgende Filialen aufgegeben werden: Bocholt, Duisburg-Walsum, Erkrath, Eschweile, Essen-Altenessen, Essen-Borbeck, Herdecke, Herne, Köln-Chorweiler, Lünen, Marl und Mettmann.“ Niggemeiers Vermutung: DerWesten hat einfach die zusätzlichen Informationen bei der DPA abgeschrieben und als Quelle „nach Medienberichten“ angegeben.

Eine Sicht der Dinge, der Web-Chefredakteurin Katharina Borchert scharf widerspricht. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ betont sie, dass man „ganz bewusst die Finger davon gelassen hat, als es noch eine originäre DPA-Meldung war“. Der umstrittene Absatz soll erst eingefügt worden sein, nach dem andere Medien – ohne DPA-Hinweis – darüber berichtet hätten.

Ob derWesten nun bei der DPA abgeschrieben hat oder nicht, wird sich kaum noch klären lassen, trotzdem ist das Misstrauen der – sowieso schon höchst verärgerten – Hamburger geweckt. So schickte DPA-Chefredakteur Wilm Herlyn einen offenen Brief an alle verbliebenen Kunden. In dem Schreiben heißt es: „Die WAZ-Verlagsgruppe hat entschieden, die Dienste gerade der Agentur nicht mehr zu nutzen, die sie über verschiedene Blätter des Hauses mitbesitzt. In unseren Augen ist das eine Abkehr von dem Solidaritätsprinzip der dpa-Gesellschafter, das seit 60 Jahren Garant für eine unabhängige Nachrichtenversorgung in Deutschland ist.“ Weiter schreibt Herlyn: „Den Eindruck einer Schädigung dieses Gedankens, der die Medienvielfalt in der Bundesrepublik Deutschland stützt, verfestigt ein TV-Auftritt des WAZ-Chefredakteurs in dem Medienmagazin „Zapp“ in der vergangenen Woche.“

Fast am Ende des Briefes warnt der Chefredakteur die Essener noch einmal eindringlich: „Wir werden aber jeder missbräuchlichen Nutzung unseres Materials nachgehen und sie ahnden. Sollten Sie der WAZ-Gruppe Inhalte zuliefern, achten Sie bitte darauf, dass diese keine dpa-Inhalte enthalten.“ Dieser Prüfung der aktuellen Inhalte der Westdeutschen Tageszeitungen werden sich die Hamburger nun mit viel Ausdauer widmen. Für die WAZ besteht mittlerweile die ernsthafte Gefahr, dass die DPA den festen Willen hat, ein Exempel zu statuieren.

Bei vielen Nachrichten lässt sich allerdings kaum die Frage klären, welche Agentur oder Redaktion eine Information zu erst hatte und ab wann diese frei verfügbar ist.

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