Die NS-Geschichte des Holtzbrinck-Gründers

Das neue Buch „...für unseren Betrieb lebensnotwendig“ von Thomas Garke-Rothbart beleuchtet die Rolle des Verlagsgründers Georg von Holtzbrinck während des NS-Regimes. Das Buch bringt viele Belege dafür, dass der Verleger während des Dritten Reiches vom NS-Regime geschäftlich profitierte. Seine Kinder Monika, Stefan und Dieter von Holtzbrinck äußerten ihr „großes Bedauern“, dass das NS-Regime „in alle Lebens- und Arbeitsbereiche und auch in das verlegerische Handeln ihres Vaters eingedrungen sei.“

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Der Autor Thomas Schuler („Strauß: Die Biographie einer Familie, „Die Mohns“) hat das Buch gerade in einem großen Artikel für die „Süddeutsche Zeitung“ besprochen. Den Anfang nahm die Aufarbeitung des dunklen Kapitels in der Familiengeschichte der von Holtzbrincks demnach 1998. Damals ließ Bertelsmann unter öffentlichem Druck die Geschichte der Gründerfamilie Mohn zur NS-Zeit aufarbeiten. Dabei kam heraus, so schreibt Schuler, dass sich die Geschichte von einem „Widerstandsverlag“ Bertelsmann als Legende erwies. Auch was der Autor Garke-Rothbart mit Unterstützung der Familie von Holtzbrinck herausarbeitet, ist nicht schmeichelhaft für Verlagsgründer Georg von Holtzbrinck.

Bereits 1931 wurde er Mitglied im NS-Studentenbund, später auch Mitglied der NSDAP. „Vanity Fair“ hatte 1998 die Karteikarte seiner Parteimitgliedschaft veröffentlicht. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Wilhelm Schlösser kaufte Georg von Holtzbrinck 1936 die Deutsche Verlagsexpedition (Devex) mit der Zeitschriften der NS-Organisation Deutsche Arbeitsfront („Schönheit der Arbeit“ und „Kraft und Freude“) an 25 Mio. Mitglieder vertrieben wurden. Ein Riesengeschäft, das die beiden Geschäftsleute aufgrund eines Empfehlungsschreibens von Adolf Hitlers Privatkanzlei vermittelt bekamen. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Devex wegen Zahlungsschwierigkeiten in Gerichtsverfahren verwickelt. In seinem Entnazifizierungsverfahren hat Georg von Holtzbrinck dies später als politischen Widerstand zu verklären versucht, was sich laut den neuen Erkenntnissen aus dem Buch Garke-Rothbarts nicht halten lässt.

Die Generation der Kinder tröstet sich damit, dass es „wenigstens keinerlei Dokumente und Veröffentlichungen rassistischen Inhalts und – trotz gewisser Sympathien in der Anfangszeit – keinerlei Hinweise auf eine aktive Parteimitgliedschaft“ des Vaters gebe. Oder, wie Garke-Rothbart schreibt: „Das Verhalten Georg von Holtzbrincks war exemplarisch für das vieler mittlerer Unternehmer.“

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