TV-Held Böhmermann: „Es ist zum Heulen“

Für seine 27 Jahre hat der Wahlkölner und selbst ernannte Krawallhumorist Jan Böhmermann schon jede Menge Schaden angerichtet. Für seine Kult-Kolumne "Lukas` Tagebuch" handelte er sich eine Unterlassungsklage von Lukas Podolski ein. Trotzdem geht der gelernte Journalist auf Deutschlandtour. Jetzt startete auf RTL mit ihm die Comedy "TV Helden". Nebenbei schreibt er sein Deutschland-Buch. Im Interview redet er über hässliche Kollegen, sein Verhältnis zu "Prinz Poldi" und das Leben im Spaßsumpf.

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In der neuen RTL-Comedy „TV Helden“ nehmen Sie Institutionen und Personen aufs Korn, die Ihnen den letzten Nerv rauben. Was nervt Sie denn gewaltig?

Mich nervt überhaupt nichts, schon gar nicht gewaltig! Ich bin vom Wesen und auch äußerlich eher ein gemütlicher, wuscheliger Brummbär.

Können Sie kurz dem interessierten Leser einmal schildern, was Sie in der Zeit vor RTL gemacht haben? Für wen haben Sie gearbeitet?

Ich bin gelernter Journalist. Habe jahrelang für Tageszeitungen geschrieben, dann Radio Bremen, bis heute meine kalte Heimat, da hab ich volontiert. Ganz seriös aber immer schon humoraffin. 2004 dann das bewusste Abbiegen von der Autobahn des ernstzunehmenden Journalismus auf den rumpeligen Feldweg der unseriösen Unterhaltung – um mal ein schiefes Bild zu benutzen. Jau, und da bin ich nun. Knietief im Spaßsumpf, es ist zum Heulen.

Sie waren ja vorher Teil der Autorenkommune Südwitz. Jetzt hat man ihren Konterfei auf der Seite durchgestrichen. Gönnen die Kollegen Ihnen den Erfolg nicht?

Ja und nein. Mein plötzlicher Megaruhm war sicherlich ein Grund, dass meine ehemaligen Freunde und Autorenkollegen Markus Hennig und Hennig Bornemann, diese eifersüchtigen, ottergesichtigen Halunken, mich jetzt meiden. Außerdem bin ich von uns Dreien der mit Abstand Attraktivste, optisch! Das hat die wahrscheinlich auch gewurmt. Doch der Wermutstropfen, der den heißen Stein zum Überlaufen brachte, war vermutlich die Eskalation des monatelangen betriebsinternen Streits um die Colavorräte unserer Autorenkommune und angeblich falsch abgerechnete Puffquittungen.

Auf einer außerplanmäßigen Gesellschafterversammlung haben wir dann gemeinschaftlich die Teilung des Südwitz-Konzerns in Nord- und Südsektor beschlossen. Seitdem mache ich mit meinem eigenen Unternehmen Südwitz Nord meinen vormaligen Freunden und Weggefährten Konkurrenz auf allen Ebenen.

Mit Radio-Kolumne „Lukas` Tagebuch“ wurden Sie auf schlagartig über „EinsLive“ berühmt. Ihr Zitat „Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel“ ordnet jetzt noch die halbe Fußballwelt dem echten Lukas zu. 2006 verpasste er Ihnen dann eine Unterlassungsklage. Wird die Stadt jetzt zu klein, wenn „Prinz Poldi“ wieder an den Rhein zurückkehrt?

Ich behaupte: Nur weil ich seit zwei Jahren jeden Tag in seinem Namen das Tagebuch fürs Radio schreibe, ist er hierzulande nicht in Vergessenheit geraten. Er sollte mir dankbar sein. Ich erwäge sogar, einen Teil von Podolskis Spielerhonorar in einem Zivilprozess einzuklagen – ich muss nur noch meinen Anwalt dazu überreden, dass er mir nicht länger von einer Klage gegen Lukas Podolski abrät!

Nach „Lukas` Tagebuch“ jetzt die „TV Helden“ bei RTL. Ist kein Platz bei den Öffentlich-Rechtlichen für Sie oder wird Lukas` Tour fortgesetzt?

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, speziell im WDR, wird, anders als bei den Privaten, viel mehr Wert auf hintersinnige Satire, feine Späße und Originalität gelegt. Das ist nicht meins, das kann Pocher besser. Die Lukas-Tour geht trotzdem weiter. Ab 4. März, sechzehn Gastspiele, sechzehn Städte. Sogar ein Auftritt in Lukas’ Heimatort Bergheim, das freut mich besonders!

Wie kam die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und den Kölnern überhaupt zustande?

RTL und die TV-Produzenten Friedrich Küppersbusch und Thomas Pommer haben mich mit der Zahlung von sittenwidrigen 60.000 € pro Sendung dazu gezwungen. Und jetzt haben wir den Salat.

Bei Xing suchen Sie nach eigenen Angaben „aussichtsreiche Beteiligungen an krummen Dingern“. Könnten Sie das näher erläutern?

Nein. Die Leute, die wissen was ich meine, werden sich schon bei mir melden. Nur soviel: Wer es schafft, die Quote vom Dschungelcamp mehr als zu halbieren, dem ist alles zuzutrauen. Alles. Nehmen Sie sich in Acht!

Natürlich muss Herr Böhmermann auch twittern. In Ihrem Twitter-Channel heißt es: „Vier Uhr morgens. Ich hass „das Buch“. Hass! Hass! Hass!“ Erwarten wir bald von Ihnen ein Machwerk? Wenn ja, worum geht es?

Sehr gut beobachtet, Sie Fuchs. Im Frühjahr erscheint mein Buch „Alles, alles über Deutschland“ (KiWi, 12,95 €), ein satirisches Lehrbuch für die ganze Familie, quasi ein Deutschland-FAQ, dass dem mündigen Leser pünktlich zum Megawahljahr alle drängenden und dringenden Fragen rund um Deutschland, die parlamentarische Demokratie und die bundesrepublikanische Gesellschaft beantwortet. Kann man schon bei Amazon.de vorbestellen, hab ich gestern gesehen.

An diesem Buch schreibe ich seit Mai 2008 und, im Vertrauen, es ist das anstrengendste, komplexeste und größte Projekt, das ich jemals begonnen habe. Einige Freunde und Weggefährten, zum Beispiel 3sat-Superstar Katrin Bauerfeind, Ex-„Titanic“-Chef Martin Sonneborn oder Friedrich Küppersbusch, haben Fachaufsätze verfasst. Es wird ein tolles, sehr lustiges Buch, ehrlich – und bei aller Bescheidenheit.

Vor 17 Stunden twitterten Sie, dass Sie sich bei Frau Schäferkordt die Unterlagen abholen sollen? Was ist draus geworden? Wird „TV Helden“ nach der zweiten Folge fortgesetzt?

Diese Frage muss ich zum jetzigen Zeitpunkt entschieden aber gezielt verjeinen.

Sie bezeichnen sich selbst als Krawallhumorist seit 27 Jahren. Was sind ihre nächsten Ziele? Wo soll`s hingehen?

Im Frühjahr startet bei 1LIVE meine eigene kleine Radioshow, da freue ich mich sehr drauf. Die Lukas-Tour, dann mein Buch – auch toll. Und fürs Fernsehen – achja, da muss ich seufzen. Fernsehunterhaltung ist nicht zu vergleichen mit Büchern, Bühnenshows oder Radiounterhaltung, ich muss da noch ziemlich viel lernen und besser werden. Ich muss ein Team finden, das Lust und Energie hat, langfristig mit mir an guten Sachen zu arbeiten und einen Sender, der diesem Team und mir vertraut.

Ich muss Formate ausprobieren und herausfinden, was ich will und was ich nicht will, was geht und was nicht. Ein Klacks also, haha. Eines habe ich bereits gelernt: Fernsehunterhaltung ist ein langwieriger, schmerzhafter und anstrengender Prozess des Probierens und Scheiterns – besonders wenn man keine Ambitionen hat, im Quatsch-Comedy-Club oder als müde Nightwash-Nummer zu enden. Meine Devise lautet: bis dreißig ist alles Ausbildung. Danach sehe ich weiter.

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