‚Wunderkind‘ Windhorst schon wieder pleite

Er ist 32 Jahre alt und schon zum fünften Mal pleite. Lars Windhorst, in den 80er Jahren von höchsten Stellen hofiertes „Wirtschaftswunderkind“, hat für seine Berliner Beteiligungsfirma Vatas (ehemals Air Berlin, Freenet) Insolvenzantrag gestellt, nachdem die NordLB eine Schadenersatzklage in Höhe von 150 Mio. Euro erhoben hatte. Beim Platzen der Dotcom-Blase waren drei Internetfirmen von Windhorst Konkurs gegangen, er selbst hatte eine Eidesstattliche Versicherung (Offenbarungseid) abgegeben.

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Hintergrund der aktuellen Pleite sind von Vatas in Auftrag gegebene Ankäufe von Aktienpaketen diverser US-Konzerne. Diese hatte die NordLB auch getätigt. Danach allerdings brachen die Kurse ein. Als Vatas die Aktien wie vereinbart zum Preis von 132 Mio. Euro übernehmen sollte, lehnte Windhorst ab. Daraufhin reichte die NordLB Klage ein. Am Dienstag dieser Woche ging dann der Insolvenzantrag ein.

Für viele Insider ist unklar, warum der Jungunternehmer bis zuletzt immer wieder mit Millionen jonglieren durfte. Neben den Insolvenzen geriet der Westfale, der mit 15 seine erste Firma im Computerhandel gründete, auch immer wieder in das Visier der Staatsanwaltschaft, die unter anderem wegen falscher Eidesstattlicher Versicherung, Konkursverschleppung sowie Betruges gegen ihn ermittelte. Allein bei seiner Privatinsolvenz ging es 63 Millionen Euro, die er 55 Gläubigern schuldete. Wegen des jüngsten Vorfalls startete die Finanzaufsicht eine Sonderprüfung bei der NordLB, der für die Vatas-Deals zuständige Vorstand musste gehen.

Die von der Vatas betriebene Form der Aktiengeschäfte über eine Partnerbank hatte offenbar System. Bereits im Sommer vergangenen Jahres wurde der Investmentfonds zu einer Schadenersatzzahlung verurteilt. Bei Wikipedia findet sich hierzu folgender Eintrag: „Am 30. Juli 2008 verurteilte das Berliner Landgericht die von Lars Windhorst geführte Berliner Beteiligungsgesellschaft Vatas zu einer Zahlung von 29,4 Millionen Euro an den britischen Hedge-Fonds Audley Capital. Bei dem Streit geht es um ein Geschäft mit Aktien des Münchner Altenheimbetreibers Curanum. Audley kaufte 2007 demnach drei Millionen Curanum-Aktien zum Stückpreis von 8,50 Euro. Grundlage sei die Zusicherung von Vatas gewesen, diese Aktien im Frühjahr zum Preis von 9,80 je Aktie zu übernehmen. Die Curanum-Aktie fiel von Dezember bis April allerdings um mehr als 50 Prozent auf weniger als fünf Euro. Als Audley seine Anteile wie vereinbart an Vatas verkaufen wollte, lehnte Windhorst ab.“
Auch der Deal mit der NordLB folgte dem gleichen Muster. Allerdings hatte die Landesbank sich zu Absicherung offenbar die Beteiligungen an Freenet und Air Berlin gesichert. Bei Air Berlin war Vatas mit mehr als 18 Prozent größter Einzelaktionär, allerdings nur für drei Monate. Danach fiel das Aktienpaket an die NordLB, ebenso wie das von Freenet.
Offenbar schützten Windhorst seine weitverzweigten internationalen Kontakte. Eigentümer von Vatas ist der aus Südafrika stammende Investor und Medienunternehmer Robert Hersov. Der 48-Jährige war nach einigen Stationen bei weltweit operierenden Investmentbanken unter anderem bei Rupert Murdochs News Corp. als Chef Business Development zuständig, bevor er sich selbstständig machte. Weder er noch Windhorst gaben eine Stellungnahme zu den jüngsten Entwicklungen ab.

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