DFB-Präsident lenkt im Blog-Streit ein

„Theo Zwanziger tritt nicht zurück“ – so titelt zumindest die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Der DFB-Präsident hatte seine Ankündigung zurückgenommen, im Falle einer Niederlage im Rechtsstreit mit dem Sport-Journalisten Jens Weinreich zurückzutreten. Dieser führt den Sinneswandel in seinem Blog auf eine mündliche Verhandlung am Berliner Landgericht zurück. Die Richter lehnten erneut den Widerspruch des DFB gegen die von Weinreich erwirkte einstweilige Verfügung ab.

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Der DFB gibt sich in dem „FAZ“-Artikel Mühe, die Wogen zu glätten und spielt die Verständnis-Probleme, die der Präsident offenbar mit dem Internet als Verbreitungsplattform hat, herunter: „Das Gefühl der Ohnmacht, mit solchen neuen kommunikativen Mitteln nicht fertig zu werden, hat sich mittlerweile gelegt. Das verändert meine Zukunftsperspektive“, sagte Zwanziger. In einer Präsidiumssitzung des DFB seien die Voraussetzungen geschaffen worden, um sich im Internet künftig „besser gegen ungerechtfertigte Angriffe wehren zu können. Das ist der Schutz, den ich erwarte und der in erster Linie durch aktive und verbesserte Internet-Kommunikation gewährleistet werden muss und kann. Wenn dies geschieht, dann hat das Amt des DFB-Präsidenten weiter die Faszination, die es immer für mich hatte.“
Weinreich dazu süffisant in seinem Blog: „Mein Gott, der deutsche Fußball ist gerettet.“ Trotz der peinlichen Selbstdemontage Zwanzigers bleibt Weinreich mit diesem ironischen Seitenhieb noch recht moderat. Die Blog-Leserschaft ist da weniger sachlich und witzelt unterdessen in den Kommentaren. So fragte sich Gua etwa: „Aber ich wüsste doch zu gerne, was es mit diesen Schutz gegen ungerechtfertigte Angriffe auf sich hat. Vorsorgliche Abmahnungen gegen alle, die sich im Internetdings bewegen oder einfach nur einen Virenscanner?“
Auch wenn manche Kommentare es mit der Polemik übertreiben, weisen sie auf ein entscheidendes Missverständnis Zwanzigers hin. Offenbar verzweifelt der DFB-Präsident an der Tatsache, dass Blogs nicht denselben rechtlichen Bestimmungen unterliegen, wie klassische Medien. Dass sich Zwanziger als ohnmächtig bezeichnet, ist mehr als nur ein Hinweis, dass man beim DFB im Umgang mit den neuen Medien – die so neu gar nicht mehr sind – noch ziemlich unbeholfen ist.
Hintergrund der schon länger andauernden Fehde ist eine Äußerung Weinreichs in dem Blog direkterfreistoß.de, in dem der Journalist Zwanziger als „unglaublichen Demagogen“ bezeichnete. Daraufhin kündigte der DFB-Präsident rechtliche Schritte an. „Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Es wird ein Urteil geben. Ich werde meine persönliche Ehre nicht auf dem Altar des Amtes opfern“, erklärte Zwanziger empört. Doch sowohl das Berliner Landgericht als auch das Kammergericht hatten eine Einstweilige Verfügung des DFB abgelehnt.
Ob es zu einer Klage kommt, ist unklar. Bislang gebe es eine Klageschrift, zu der noch ein Sachverständiger hinzugeholt werde. „Die Entscheidung, ob wir sie einreichen werden, ist noch nicht getroffen“, sagte Zwanziger.

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