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WAZ-Geschäftsführer greifen dpa-Modell an

Seit Dezember verzichtet die WAZ-Gruppe auf die Dienste der Deutschen Presseagentur (dpa). Jetzt geht der Medienkonzern einen Schritt weiter. WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach und Christian Nienhaus greifen das Modell der Agentur an: Das Solidaritätsprinzip, auf dem die dpa basiert, benachteilige große Zeitungen. Nun könnte sich die WAZ-Gruppe auch noch von ihren Gesellschafter-Anteilen an der dpa trennen. Sollte der Vorstoß Schule machen, ist die dpa in ihrer Existenz bedroht.

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Die „Financial Times Deutschland“ zitiert Hombach mit den Worten: Solidarität könne nicht heißen, „dass große Zeitungen viel bezahlen, obwohl sie über eigene Korrespondenten verfügen und nur wenig dpa-Material nutzen, während kleine Zeitungen, die ihren Mantelteil mit Inhalten der Hamburger bestreiten, weniger zahlen“. Die dpa-Kunden zahlen gemäß Auflage und Reichweite. WAZ-Chef Nienhaus nannte das Solidaritätsmodell der dpa gar „Umverteilungsinstrument“ zugunsten kleiner Zeitungen.

Im Dezember 2008 hatte die WAZ-Gruppe die Verträge ihrer Zeitungen mit der dpa auslaufen lassen. Seither produzieren die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“, „Westfälische Rundschau“, „Westfalenpost“ und das Onlineportal DerWesten das Material selber oder bedienen sich kleinerer und billigerer Nachrichtenagenturen wie DDP oder AFP. Die WAZ-Gruppe begründete ihren Schritt vor allem mit finanziellen Gründen. Die Einsparungen von rund drei Millionen Euro sollten dem Erhalt von 25 Redakteursstellen dienen. Allerdings wurde auch die Qualität des dpa-Materials kritisiert.

Wie medienmoral-nrw berichtet, hat dpa-Chefredakteur Wilm Herlyn einen Rundbrief an die Chefredakteure der Bezieher des dpa-Basisdienstes geschrieben. Darin kritisiert er, dass die WAZ-Geschäftsführung und ihre Chefredaktion Gespräche über eine mögliche Fortsetzung der Verträge verweigerten. “Die WAZ-Verlagsgruppe hat entschieden, die Dienste gerade der Agentur nicht mehr zu nutzen, die sie über verschiedene Blätter des Hauses mitbesitzt. In unseren Augen ist das eine Abkehr vom Solidaritätsprinzip der dpa-Gesellschafter, das seit seit 60 Jahren Garant für eine unabhängige Nachrichtenversorgung in Deutschland ist”.

Zwar beteuert die WAZ, ihr dpa-Ausstieg sei kein „Appell an andere Häuser, das Gleiche zu tun“. Doch angesichts der desaströsen Situation des Anzeigengeschäfts dürften viele andere Medienunternehmen das Vorgehen der WAZ-Gruppe genau beobachten. Wenn andere große Verlage ebenfalls auf die dpa verzichten, erhöhen sich die Kosten für die verbleibenden Kunden. Andere wären zum Ausstieg gezwungen. Angesichts der aktuellen Finanz- und Verlagskrise sehen immer mehr Beobachter den Presse-Solidar-Pakt der dpa als gefährdet. Am Ende droht der Nachrichtenagentur das Aus.

Der Vorsitzende der DPA-Geschäftsführung, Malte von Trotha, macht aus seinem Ärger über die WAZ-Kritik kein Hehl: „Wir sehen mit Unverständnis, wie aus PR-Gründen ein wichtiger Baustein der Medien- und Meinungsvielfalt in Deutschland diskreditiert wird, von dem auch die WAZ-Gruppe über Jahrzehnte nicht unwesentlich profitiert hat“.

Die Deutsche Presse Agentur dpa ist eine GmbH, deren Anteile von 191 deutsche Medienhäusern gehalten werden. Die Gesellschafter – in der Mehrheit Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, aber auch Rundfunkanstalten – halten jeweils maximal 1,5 Prozent des Stammkapitals von 16,4 Millionen Euro. Damit soll die Einflussnahme einzelner Verlage unterbunden werden.

Das Solidaritätsprinzip des Genossenschaftsmodells ist ein Grundpfeiler des dpa-Geschäftsmodells. Der Agentur-Experte Peter Zschunke schreibt in seinem Blog dazu: „Das Genossenschaftsmodell hat versucht, den gemeinsamen Nutzen und die Kosten der Nachrichtenbeschaffung in Balance zu halten. Doch während die Kosten tendenziell steigen, sinkt der gemeinsame Nutzen durch die Verfügbarkeit von Nachrichten auch außerhalb des Stroms, der 140 Jahre lang von den Nachrichtenagenturen kanalisiert wurde.“

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