Skype-Verkauf: Greift Google zu?

Die Ansage war klar: Skype sei ein Geschäftsmodell, das sehr gut für sich alleine stehen könne, diktierte Ebay-CEO John Donahoe zu Wochenbeginn der Online-Ausgabe der "Times". Übersetzt bedeutet das nichts anderes, als dass das weltgrößte Online-Auktionshaus in Krisenzeiten nun offenbar bereit wäre, sein Tafelsilber zu veräußern. Als möglicher Käufer kommt eigentlich nur ein Interessent in Frage: Internet-Dominator Google. Kommt der Deal tatsächlich zustande?

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400 Millionen Nutzer können nicht irren. Skype gehört zu den Standard-Internet-Anwendungen der Stunde – nie war kostenloses Telefonieren von Computer-zu-Computer (VoIP), der Videochat oder klassisches Instant Messanging einfacher und beliebter.  Wer per Skype auch günstig ins normale Festnetz telefonieren will, hat dazu bei Skype für kleines Geld auch die Möglichkeit.

Die Nachfrage danach wächst und wächst. 551 Millionen Dollar erlöste Skype auf diesem Wege im vergangenen Jahr – ein respektabler Anstieg von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum in einem wirtschaftlich extrem herausfordernden Umfeld, der normalerweise Begehrlichkeiten wecken müsste.

Teuer bezahlte Übernahme: Ebay legte 2005 für Skype 3,1 Milliarden Dollar auf den Tisch
     
Doch in Zeiten der globalen Finanzmarktkrise ist das so eine Sache mit den Übernahmen. Ebay, das haben die letzten Quartalszahlen bewiesen, hat ein Problem. Das Kerngeschäft schwächelt – die Gewinne entwickelten sich erstmals seit dem Platzen der New Economy-Blase rückläufig. Da wäre eine Kapitalauffrischung in Milliardenhöhe das probate Mittel, um zuletzt immer verunsichertere Aktionäre zu befriedigen.

Obwohl Skype andererseits Ebays einzig native Wachstumsquelle im zweistelligen Bereich ist, erscheint die Trennung durchaus nachvollziehbar. Nie seit der teuer bezahlten Übernahme im Herbst 2005, für die das weltgrößte Online-Auktionshaus happige 3,1 Milliarden Dollar überwies, ist Skype mit Ebays Kerngeschäft zusammengewachsen. Die Vorstellung, dass Ebay-Kunden mit Anbietern um die Ware künftig per Telefon verhandeln würde – was gerade im asiatischen Raum sehr verbreitet ist – , hat sich bis heute nicht durchgesetzt.

John Donahoe: Skype kann gut für sich alleine stehen

Vor rund einem Jahr musste die damals noch amtierende Ebay-Chefin Meg Whitman eingestehen, dass der Online-Auktionator zu viel bezahlt hat. Es folgte eine schmerzhafte Abschreibung knapp unter der Milliardengrenze, die Ebays Bilanz gehörig verhagelte.

So überrascht es dann auch nicht, dass der heutige Ebay-CEO John Donahoe zu Wochenbeginn die bis heute relativ stiefmütterlich behandelte Onlinetochter quasi öffentlich zum Verkauf stellte.    

Skype sei ein Geschäftsmodell, das sehr gut für sich alleine stehen könne, diktierte Donahoe zu Wochenbeginn der Online-Ausgabe der britischen Times. Übersetzt bedeutet das nichts anderes, als dass das weltgrößte Online-Auktionshaus in Krisenzeiten nun offenbar bereit wäre, sein Tafelsilber zu veräußern. Als möglicher Käufer kommt eigentlich nur ein Interessent in Frage.

Bietet Google für Skype?

Tatsächlich konnte unter den etablierten Internet-Playern wohl nur der Online-Dominator Google in diesen Tagen die Transaktion stemmen, wenn nicht Microsoft noch auf den Plan tritt. Doch das ist nichts Neues: Seit Jahren halten sich die Gerüchte um Googles Interesse. Die weltgrößte Suchmaschine schweigt jedoch –wie üblich – beharrlich.

Die Taktik geht auf. Unter Technologieexperten ist der Preis, den Ebay noch für Skype erzielen könnte, proportiional zum Wertverfall an der Technologiebörse Nasdaq gesunken. Kursierten noch vor rund einem Jahr Summen von sechs bis fünf Milliarden Euro, dürfte Ebay in diesen Tagen glücklich sein, überhaupt die vor mehr als drei Jahren eingesetzten drei Milliarden Dollar zurück zu bekommen.

Analystenratschlag an Ebay: „Mitzunehmen, was sie an Bargeld dafür bekommen“

„Im Umfeld einer rasanten Wachstumsverlangsamung erscheint eine Multiple des Vier- bis Fünfaches des Umsatzes angemessen“, rechnet der frühere Internetaktienanalyst Henry Blodget auf seinem Technologieportal „Alley Insider“ vor. „Das bedeutet, dass das Ebay Skype noch mehr oder weniger ohne Verlust verkaufen könnte“ , folgert Blodget.
 
Für einen zügigen Verkauf spricht sich auch Jack Murphy, Analyst bei William Blair, aus: Ebay müsse „mitzunehmen, was sie an Bargeld dafür bekommen können und sich um ihre wankenden Kerngeschäfte zu kümmern“, erklärte Murphy der „Times“.  Bleibt die Frage, ob Google Skype besser ins Kerngeschäft integrieren könnte als Ebay – und das überhaupt will.

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