Das Krisenrezept beim „Handelsblatt“

Bei der Verlagsgruppe Handelsblatt macht man sich krisenfest. Weil der Gewinn 2008 um acht Millionen Euro niedriger ausfällt als im Vorjahr, sollen laut Medienberichten Print-Ableger wie die Pendlerzeitung „Handelsblatt News am Abend“ und das Lifestyle-Magazin „Fivetonine“ gestrichen werden. Gleichzeitig öffnet Handelsblatt.com online Tür und Tor für Weblogs. Künftig werden mit Hilfe der Suchmaschine Twingly auch externe Blogs verlinkt, die auf Handelslatt.com verweisen.

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Der bekannte Trend „Weg von Print – hin zum Web“ wird mit diesen Maßnahmen bei der Verlagsgruppe Handelsblatt deutlich verstärkt. Bei Print-Produkten werden Experimente der vergangenen Jahre, die offenbar nicht das erhoffte Resultat bringen, beendet. In Krisenzeiten sind unrentable Print-Spielereien schlicht zu teuer. Laut den Fachzeitschriften „werben & verkaufen“ und „Horizont“ stehen „News am Abend“ und „Fivetonine“ vor dem Aus. „News am Abend“ ist eine nachmittägliche Mini-Ausgabe des „Handelsblatt“, die in der ersten Klasse von ICEs und auf Air-Berlin-Flügen verteilt wird. „Fivetonine“ wurde 2003 als Lifestyle-Ableger der „WirtschaftsWoche“ gegründet. Mit dem Hochglanz-Magazin wollte die Verlagsgruppe unabhängiger werden von den klassischen Wirtschafts-Anzeigenkunden und ein Stück vom Luxuskuchen abhaben. Offenbar ein Irrweg.

Die Verlagsgruppe Handelsblatt konzentriert sich hier auf ihr Kerngeschäft mit „Handelsblatt“, „WirtschaftsWoche“ und Fachzeitschriften. Für alle anderen Print-Aktivitäten wird es eng und enger.

Gleichzeitig setzt das Unternehmen unter dem Web-affinen Verleger Stefan von Holtzbrinck auf die Online-Expansion. Dass eine große, klassische Wirtschafts-Nachrichten-Site wie Handelsblatt.com künftig auch auf „fremde“ Blogs verlinkt, kommt einer kleinen Revolution gleich. Bisher haben etablierte Medien Blogs stets mit einem gewissen Naserümpfen betrachtet. Es wurde zwar ganz gerne mal abgeschrieben aber nicht verlinkt. Der Vorstoß ist darum doppelt erstaunlich, weil sich die Verlagsgruppe Handelsblatt dafür der Dienste der Blog-Suchmaschine Twingly bedient.

Mit Twinglys Hilfe werden Spam-Postings von vornherein ausgefiltert. Statt eine solche Software selbst zu produzieren oder sich an einer entsprechenden Firma teuer zu beteiligen, wird das offene Internet erstmals von einem klassischen Medienhaus umarmt. Bei Blogs wird der Schritt von Handelsblatt.com weitgehend positiv aufgenommen. Blogger haben nun einen guten Grund, Artikel bei Handelsblatt.com zu verlinken. Dadurch, dass Handelsblatt.com auf sie zurücklinkt, bekommen sie Traffic. Handelsblatt.com wiederum profitiert mutmaßlich davon, dass darum immer mehr Weblogs auf eigene Artikel verlinken, die dadurch auch mehr Leser finden und für die Vermarktung attraktiver werden. Spätestens wenn sich diese Maßnahme in steigenden Klickzahlen bei Handelsblatt.com auswirkt, wird die Konkurrenz nachziehen.

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