M&A: Weniger Geld für Übernahmen im Web

Wen wundert’s: Das Investitionsvolumen im Internetsektor hat sich im vergangenen Jahr rückläufig entwickelt. Wie die Investmentbank Peachtree Media Advisors in einer Studie ermittelte, zählten vor allem soziale Netzwerke, Online-Publikationen und E-Commerce-Anbieter zu beliebten Übernahmezielen. In der Bundesrepublik standen ebenfalls soziale Netzwerke, Frauenwebseiten und Online-Spiele auf der Käuferliste.

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Wenig überraschender Rückblick der amerikanischen Investmentbank Peachtree Media Advisors: Im vergangenen Jahr wurden auf dem US-Markt für exakt 707 Fusionen und Übernahmen (Mergers & Akquisitions) im Internetsektor 16,9 Milliarden Dollar bezahlt. Das klingt viel, entspricht allerdings tatsächlich einem massiven Einbruch von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als noch 44,4 Milliarden Dollar bezahlt worden sind.  

Auffällig zudem: Alle großen Coups wurden im ersten Halbjahr 2008 angekündigt – vor der Verschärfung der Finanzmarktkrise also. Die Fotoagentur Getty Images stellte sich selbst zum Verkauf und fand dann im Februar mit der Private-Equity-Gesellschaft Hellman & Friedman einen Käufer, der bereit war, mit 2,4 Milliarden Dollar einen Aufpreis von 35 Prozent zu zahlen. 

Bei der Akquisition des beliebten Technologieportals CNET im Mai vergangenen Jahres  wurden ebenso noch erstaunliche Premiumpreise von mehr als 40 Prozent gegenüber der letzten Kursstellung vom Käufer CBS gezahlt. Auch die Übernahme des britischen Social Networks Bebo, das zum Kaufzeitpunkt nicht börsennotiert war, fiel in die erste Jahreshälfte 2008 und wurde teuer bezahlt: 850 Millionen Dollar wurden von AOL überwiesen.      

Nationale Coups des Jahres: TV-Sender beteiligen sich für zweistellige Millionenbeträge an sozialen Netzwerken

Hierzulande sicherten zwei Fernsehsender die Anteile zweier boomender Netzwerke: RTL erwarb im vergangenen Februar für den vergleichsweisen Schnäppchenpreis von kolportierten 10 Millionen Euro 49 Prozent am schnellstenwachsenden deutschen Netzwerk wer-kennt-wen.de, während ProSieben den Anteil am Konkurrenten Lokallisten auf 90 Prozent aufstockte – kolportiert wurde seinerzeit eine Überweisung von 20 Millionen Euro für 60 Prozent.         

Weiter investiert wurde auf dem deutschen Internetmarkt auch verstärkt in Frauenportale: Springer stockte seine mehrheitliche Beteiligung an der französischen Frauenwebsite Aufeminin.com für eine zweistellige Millionensumme auf, während Burda seinerseits einen zweistelligen Millionenbetrag für eine Beteiligung an Glam.com im einstelligen Prozentbereich aufbrachte – auch das wiederum im ersten Halbjahr 2008.
Peachtree prognostiziert schweres Jahr 2009

Keine Frage: Der Trend zu größeren Akquisitionen geht klar nach unten. Im ganzen Jahr 2008 verringerte sich der Kapitalzufluss nach Angaben von Peachtree  von Quartal zu Quartal und schmolz zwischen September und Dezember gar auf die Hälfte des Volumens des ersten Quartals 2008 zusammen. Im Dezember kam die Akquisitionstätigkeit fast vollends zum Erliegen.

Der Ausblick für das laufende Jahr fällt bei Peachtree dann auch entsprechend scharf aus: „Ohne die Möglichkeit eines Exitkanals durch einen Börsengang oder den Verkauf an einen strategischen Käufer bzw. mit den limitiertern Möglichkeiten an frisches Kapital zu kommen, werden Online-Medien-Unternehmen dazu gezwungen, 2009 ein nachhaltiges Geschäftsmodell vorzulegen“, so die Einschätzung der Peachtree-Studie.

„Die Unternehmen, die die nächsten zwölf Monate überleben wollen, müssen ein kristallklares Verständnis davon haben, was sie verkaufen, wer ihr Kunde ist und in welcher Beziehung sie zu ihm stehen.“

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