ARD: Tour de France definitiv nicht live

Das Ende der Spekulationen: Die ARD bleibt bei ihrer Entscheidung, die Tour de France 2009 nicht gemeinsam mit dem ZDF live zu übertragen. Programmdirektor Volker Herres sagte gegenüber dem "Handelsblatt": "Wir haben eine Beschlusslage, dass es bei der Tour de France keine flächendeckende Live-Berichterstattung geben wird". Stattdessen wird der öffentlich-rechtliche Senderverbund in Zusammenfassungen über das Radsport-Spektakel informieren.

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Wie umfangreich die Berichterstattung genau ausfallen wird, „hängt von der jeweiligen Nachrichtenlage ab“, sagte Herres. „Aber eines steht fest: eine großflächige Live-Berichterstattung haben wir in diesem Jahr nicht vor.“ Der Saarbrücker ARD-Radsportsprecher Peter Meyer, ein Vertrauter des Ex-ARD-Chefs Fritz Raff, hatte noch in der vergangenen Woche angekündigt, dass sogar Live-Berichte von bis zu einer Stunde denkbar seien. Solche Hoffnungen haben nun keine Grundlage mehr.

Die Entscheidung ist vor allem ein Schlag für das ZDF, das die Hälfte der Live-Berichterstattung übernehmen sollte und nun ebenfalls zum Ausstieg gezwungen ist. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte gegenüber MEEDIA, eine „Essenz des gemeinsamen Vertrags“ sei, dass sich ARD und ZDF bei der Live-Übertragung Tag für Tag abwechseln.

Die ARD hatte sich im Herbst 2008 zu einem Rückzug entschlossen. „Der sportliche Wert der Tour de France hat sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle erheblich reduziert“, erklärte im Oktober der damalige ARD-Intendant Fritz Raff den Schritt. Juristisch entzieht sich die ARD der Verpflichtung zur Live-Übertragung unter anderem mit dem Argument, die Vereinbarungen mit der European Broadcast Union (EBU) seien uneindeutig. So habe man keinen verbindlichen Auftrag zur Sicherung der Rechte an der Tour de France erteilt. Ferner enthielten die Verträge mit der EBU diverse Unklarheiten.

„Der Auftrag an die EBU wurde eindeutig erteilt und dessen klare Bedingungen wurden unserer Auffassung nach von der EBU voll erfüllt“, erklärte dagegen ZDF-Chefredakteur Brender. „Wir haben immer zu dem Vertrag gestanden“, sagt Brender. „Die Entscheidung liegt ganz bei der ARD“. Auch EBU-Chef Fritz Pleitgen versicherte stets, der Auftrag der ARD sei klar gewesen.

Finanziell könnte es für die Öffentlich-Rechtlichen teuer werden. Im Falle eines Ausstiegs geht es nicht allein um die rund 20 Millionen Lizenzgebühren für die Live-Übertragung. Auch die Werbepartner der einzelnen Rad-Teams und der gesamten Tour könnten ARD und ZDF im Extremfall in Regress nehmen. Denn die meisten Sponsoren-Gelder sind an eine klar geregelten TV-Präsenz gebunden, die wiederum die EBU in ihren Verträgen garantiert. Zeigen die deutschen TV-Stationen weniger Tour-Bilder als zugesichert, werden die Sponsoren möglicherweise Schadenersatzforderungen stellen.

Über die genauen Modalitäten verhandeln ARD und EBU noch. „Wir führen derzeit Gespräche mit der EBU und den Radsportverbänden darüber, in welcher Form wir von der Tour de France im Sommer berichten werden“, so Volker Herres.

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