„Handelsblatt“: Vorerst keine Entlassungen

Erst die Gerüchte, dann die (vorläufige und inoffizielle) Entwarnung: Viel wurde spekuliert, dass die Verlagsgruppe Handelsblatt harte Sparmaßnahmen plane. Fast 100 Jobs seien bedroht. Nach Informationen von MEEDIA drohen vorerst keine Entlassungen, und auch eine gemeinsame „WiWo“-„Handelsblatt“-Redaktion ist keine wahrscheinliche Option. Das Management will die Anzeigenkonjunktur beobachten, ist zudem von keinem der fünf extern erarbeiteten Sanierungskonzepte überzeugt.

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Bereits vor Wochen hatte die Verlags-Leitung der Handelsblatt-Tochter fünf Unternehmensberater gebeten, Entwürfe für mögliche Spar-Pakete zu entwickeln. Unter anderem präsentierte auch die Hamburger Agentur Schickler, die zuletzt bei der WAZ-Gruppe die Stellenstreichen von rund 300 Redakteuren entwarf, einen Ansatz.

Offenbar konnte aber keines der fünf vorgelegten Konzepte die Düsseldorfer Entscheider überzeugen. Insider gehen davon aus, dass in den nächsten Wochen einige der externen Berater ihre Konzepte nacharbeiten werden. Ziel sei es, den besonderen Bedürfnissen und Gegebenheiten des Unternehmenszweiges Rechnung zu tragen. Zu schematisch, zu wenig kreativ: so die interne Kritik an den vorgelegten Expertisen.

Eine für manche nahe liegende Maßnahme wird es allerdings nicht geben: die Bündelung der Redaktionen von „Handelsblatt“ und „WiWo“ in Zentralressorts ist dem Vernehmen nach endgültig vom Tisch. Offenbar haben sich beide Chefredakteure, Bernd Ziesemer und Roland Tichy, gegen einen solchen Ansatz positioniert. Da beide im Verlag geschätzt werden und als starke Führungsfiguren gesetzt sind, wird es auf andere Möglichkeiten der Konsolidierung hinauslaufen. Damit geht man bewusst einen anderen Weg als etwa Gruner + Jahr, wo die Titel unterschiedlicher Erscheinungsfrequenz ab März von einer gemeinsamen Pool-Redaktion beliefert werden sollen.

Dass der Handelsblatt-Gruppe wie den meisten Verlagen in der Krise einschneidende Maßnahmen nicht erspart bleiben werden, steht offenbar fest. Doch anders als bei anderen Medienhäusern, die ihre Krisenkonzepte bereits zum Jahreswechsel beschlossen und kommunizierten, gibt man der Entwicklung bei Holtzbrinck mehr Zeit. Wie zu hören ist, soll abgewartet werden, wie sich das Verhalten der Werbekunden in den Frühlingsmonaten entwickelt. „Das zweite Quartal wird es zeigen“, so ein Insider. Derzeit gehen die Schätzungen der Einbrüche am Anzeigenmarkt in der Branche weit auseinander; sie reichen von minus 6 bis mehr als minus 15 Prozent gegenüber 2008. Dem Düsseldorfer Verlag kommt allerdings zugute, dass in der Vergangenheit bereits Kostenoptimierung durchgeführt wurden, die allerdings hauptsächlich den Verwaltungsapparat und die kaufmännischen Abteilungen betrafen. Kurz vor Weihnachten 2008 starten die Manager erst ihre bislang letzte Sparrunde.

Der Spardruck ist bei der Verlagsgruppe Handesblatt fast ausschließlich von der Anzeigen-Flaute getrieben. Die Print-Podukte laufen – den Umständen entsprechend– prächtig. Das Handelsblatt konnte seinen Einzelverkauf gerade um sieben Prozent steigern und setzt in dieser Sparte nun 9.091 Ausgaben ab. Im Gesamtverkauf kommt die Wirtschaftszeitung auf 145.882 Exemplare.

Auch die „Wirtschaftswoche“ konnte im Gesamtverkauf um ein Prozent auf 189.901 Hefte zulegen. Im Fünf-Jahres-Trend steht bei der „WiWo“ im Gesamtverkauf ein Plus von zwei Prozent und im Einzelverkauf sogar von 25 Prozent.

Ein kleines Sorgenkind ist Handelsblatt.com. Der Webauftritt konnte seine Zahlen zwar verbessern, aber wohl nicht ganz zur Zufriedenheit von Holtzbrinck. Im Juni wurde die Seite komplett überarbeitet, die Redaktion aufgestockt und mit Sven Scheffler ein neuer Chefredakteur installiert. Ein positiver Effekt blieb aus. Erst durch die Finanzkrise schnellten die Zugriffszahlen nach oben. Aber seit zwei Monaten sinken die Page Impressions und Visits wieder kontinuierlich. Aktuell kommt Handeslblatt.com auf 37 Millionen Klicks und 8.32 Millionen Visits.

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