Andreas Wieles gewagte „Bild“-Wette

"2009 wird es keine einzige TV-Sendung geben, die einmal mehr Zuschauer hat als Deutschlands größte Zeitung." Mit dieser Prognose sorgte Axel Springer-Vorstand Andreas Wiele auf dem Deutschen Medienkongress für Schlagzeilen. Kann Wiele recht behalten? Gibt es wirklich keine einzige Fernsehsendung, die in diesem Jahr mehr Zuschauer haben kann als "Bild" Leser? MEEDIA schaut in die Zukunft und hält dagegen: Wenn Wiele Pech hat, löst sich seine Prognose schon am 1. Februar in Luft auf.

Anzeige

„2009 wird es keine einzige TV-Sendung geben, die einmal mehr Zuschauer hat als Deutschlands größte Zeitung.“ Mit dieser Prognose sorgte Axel-Springer-Vorstand Andreas Wiele auf dem Deutschen Medienkongress für Gesprächsstoff. Kann Wiele recht behalten? Gibt es wirklich keine einzige Fernsehsendung, die in diesem Jahr mehr Zuschauer haben kann als „Bild“ Leser? MEEDIA schaut in die Zukunft und hält dagegen: Wenn Wiele Pech hat, löst sich seine Prognose schon am 1. Februar in Luft auf.

Dem mutigen Satz, den Wiele im Rahmen von fünf Thesen über die Entwicklung des Printmarktes zu Protokoll gab, legte er offenbar die ma-Zahlen der „Bild“ zugrunde. Einmal im Jahr weist die ag.ma die Reichweiten der Tageszeitungen aus – bei der letzten Veröffentlichung im Sommer 2008 lag „Bild“ bei 11,61 Mio. Lesern pro Ausgabe. Hätte die ma recht, würden sich also fast vier Leute eine „Bild“ teilen. Bleibt diese Zahl auch bei der nächsten ma Pressemedien, die im Sommer veröffentlicht wird, konstant – sie ist das seit etwa drei bis vier Jahren, wäre das also die Marke, die es für das Fernsehen nun zu übertreffen gilt.

Wiele hat sich mit seiner Prognose natürlich klugerweise ein Jahr ausgesucht, in dem er durchaus recht behalten kann. In den geraden Jahren wäre seine Wette nicht zu gewinnen – Fußball-WMs und -EMs begeistern weit mehr als 20 Millionen Menschen, „Bild“ hätte keine Chance. 2009 gibt es allerdings keine Fußball-EM oder -WM. Was Wiele offenbar aber nicht bedacht hat, ist die Handball-Begeisterung, die es seit spätestens 2007 in Deutschland gibt. RTL holte schon in den Vorrundenspielen in den vergangenen Tagen tolle Zahlen, sollte Deutschland ins Finale kommen, kann sich der Springer-Mann warm anziehen. Denn: Beim WM-Endspiel 2007 saßen am 4. Februar sage und schreibe 16,16 Mio. vor den Fernsehern. Nimmt man die Zahl der Über-14-Jährigen, um den Vergleich zur ma-Reichweite der „Bild“ korrekter darstellen zu können, waren es immer noch 15,15 Mio.

Und die Handball-WM ist nicht die einzige Gefahr für Wieles Prognose. Mit etwas Glück und weniger Konkurrenz als diesmal, wenn RTL die „Superstars“ und den Dschungel ins Rennen schickt, könnte auch „Wetten, dass..?“ mal wieder in die Nähe von 11 oder 12 Mio. Zuschauern kommen. Und was ist, wenn die Qualifikation zur Fußball-WM 2010 doch nochmal spannend wird? 2007 sahen beim EM-Qualifikationsspiel gegen Tschechien 12,55 Mio. Über-14-Jährige zu. Selbst ein spannender Klitschko-Kampf könnte in die Nähe der „Bild“-Reichweite kommen – geschehen zuletzt ebenfalls 2007 mit 12,62 Mio. Oder was, wenn der FC Bayern ins Halbfinale oder gar Endspiel der Champions League kommen sollte?

Schade, dass Andreas Wiele kein Wettangebot gemacht hat. Wir hätten dagegen gehalten!

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige