Agentur: Ex-Vorstände kaufen ddp

Heuschrecken können Firmen tatsächlich sanieren. Bestes Beispiel: Der Deutsche Depeschen Dienst. Die Berliner sind so etwas wie die Agentur der Stunde. Während die WAZ-Gruppe ihren Vertrag mit der dpa kündigt, setzen die Essener stattdessen auf die günstigere ddp. Einen Schritt über aktuell noch weitere Verlagsmanager nachdenken. Fit gemacht für den dpa-Angriff wurde die ddp von der Beteiligungsgesellschaft Arques, die nun wiederum die Agentur für 30 Millionen Euro an zwei Ex-Vorstände verkaufen.

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Genauer gesagt verkaufte die im SDax notierten Beteiligungsgesellschaft, ihren Depeschen Dienst in einem Paket mit drei weiteren Unternehmen an die Private Equity-Gesellschaft BluO. Dieses Unternehmen ist selbst auf Firmenrestrukturierungen spezialisiert. Doch anstatt die Nachrichtenagentur weiter zu zerlegen oder zu sanieren, reichte BluO die Berliner News-Produzenten gleich weiter. BluO wird nämlich von Peter Löw und Martin Vorderwülbecke geführt, die früher nacheinander als Arques-Vorstände fungiert haben. In einem zweiten Schritt haben Löw und Vorderwülbecke die ddp aus der Unternehmenshülle von BluO herausgelöst – und als Privatpersonen übernommen. 



Leisten kann sich der ehemalige Arques-Gründer Löw die Übernahme allemal. Nach dem Börsengang hatte Löw durch den Verkauf von Aques-Aktien mehr als 100 Millionen Euro erlöst.  



Löw und Vorderwülbecke übernehmen mit der ddp ein profitables Unternehmen. Die Nachrichtenagentur machte im vergangenen Jahr rund 12 Millionen Euro Umsatz und schrieb dabei schwarze Zahlen. Der Gewinn vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen  lag bei 2,5 Millionen – das operative Ergebnis bei 120.000 Euro. Vorderwülbecke ist mit dem Unternehmen bereits bestens vertraut: Während seiner Zeit bei Arques hatte er die ddp bereits einmal als Geschäftsführer geleitet.

Unter Kennern der Agentur-Szene gilt der Deutsche Depeschen Dienst als Aufsteiger der vergangenen Monate. Immer mehr Redaktionen, Verlage und Online-Angebote setzen auf die Dienste der Berliner anstatt traditionell ein Paket der Deutschen Presseagentur Agentur zu buchen. Die ist weit günstiger und soll trotzdem kaum schlechtere Inhalte, als der Hamburger Rivale liefern. Bereits im Sommer 2008 schloss der dpa-Herausforderer einen Vertrag mit  M.DuMont Schauberg. Im Januar kam dann noch der spektakuläre WAZ-Wechsel zur ddp dazu.

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