Neuer „VF“-Chef soll von außen kommen

Es ist die zweite überraschende Personalie bei Condé Nast innerhalb kurzer Zeit. Zum Jahreswechsel legte Condé Nasts Deutschland-Chef Bernd Runge überraschend und sehr kurzfristig sein Amt nieder, um sich eine Auszeit zu nehmen. Jetzt gibt der fürs internationale Geschäft zuständige Jonathan Newhouse bekannt, dass Nikolaus Albrecht, Chef der deutschen „Vanity Fair“, Ende 2009 als Korrespondent für „Vogue“ und „Vanity Fair“ nach New York will. Die Stelle soll möglichst extern besetzt werden.

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Newhouse hat für die Suche nach dem nächsten „VF“-Deutschland-Chef die renommierte Pariser Personalberatung Sterling International beauftragt, die auch eine Dependance in Deutschland hat. Im Verlag wird dies als Zeichen gewertet, dass nach einem Kandidaten von außen gefahndet wird. Offenbar will Newhouse auch persönlich die Entscheidung treffen. Sollte sich kein geeigneter externer Kandidat finden, so wären wohl David Pfeifer oder José Redondo-Vega die naheliegenden internen Kandidaten. Pfeifer ist Berater der Chefredaktion, Redondo-Vega stellvertretender Chefredakteur und seit kurzem zusätzlich Ressortleiter Agenda. Beide haben allerdings noch keine Erfahrung in der Führung eines großen Blattes. Pfeifer war Chefredakteur des schnell wieder verschwundenen Internet-Magazins „Konrad“ bei Gruner + Jahr, Redondo-Vega war mal Chefredakteur des Branchendienstes „kressreport“ und bei Condé Nast u.a. als Vize-Chefredakteur von „GQ“ und als Redaktionsleiter von „Vanity Fair Online“ tätig.

Im Verlag will man sich mit der Suche nach einem Nachfolger für Albrecht Zeit lassen. Mit einer Entscheidung sei erst zum Herbst hin zu rechnen, heißt es intern. Nikolaus Albrecht steht noch für das gesamte Jahr als „Vanity Fair“-Chef zur Verfügung. Es sei sein „Herzenswunsch“ gewesen, nach New York zurückzukehren. Albrecht hat in den 90er Jahren bereits in der Metropole gelebt.

Mittlerweile hat sich sogar die „VF“-Auflage zumindest stabilisiert. Der Start war holprig, die Auflage ließ sich anfangs nur mit stützenden Maßnahmen und Dumping-Preisen halten. Mittlerweile verkauft das Heft auch ohne Preisaktionen oder die umstrittenen Bundles um die 200.000 Exemplare. Im 4. Quartal 2008 lag die verkaufte Auflage der „Vanity Fair“ bei 196.727, davon fast 40.000 Abos und rund 76.000 im Einzelverkauf abgesetzt. Die sonstigen Verkäufe lagen bei bescheidenen 2.758 Exemplaren, die Bordexemplare bei 58.001. Das ist eigentlich ganz ordentlich.

Nach dem bisweilen irrlichternden Kurs von Gründungs-Chefredakteur Ulf Poschardt hat Nikolaus Albrecht Ruhe in die deutsche „VF“ gebracht. Intern wie extern wird stets verbreitet, dass der Verlag auf jeden Fall an dem Magazin festhält. Nach dem Abgang Runges hat Jonathan Newhouse via Interview sogar eine Bestandsgarantie für die wöchentliche Erscheinungsweise der deutschen „VF“ gegeben. Gut möglich dass dies in Verbindung mit dem klingenden Namen „Vanity Fair“ einen Hochkaräter im deutschen Magazin-Journalismus locken könnte.

In seiner Mitteilung kündigt Newhouse zudem an, in diesem Jahr weltweit weiter Zeitschriften gründen zu wollen. Eine Zeichen gegen die Krise. So soll das Internet-Magazin „Wired“ in Italien und Großbritannien starten, „GQ“ in Frankreich und Indien, „Vanity Fair“ in Spanien, der „Tatler“ in Russland und „Vogue Hommes“ in Japan. In Deutschland wird es demnach offenbar keine Neugründungen geben. Erst muss Ersatzpersonal für die abgängigen Führungskräfte gefunden werden.

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