Die schöne Scheinwelt der Media Analyse

Gerade ist ja die aktuelle Media Analyse Pressemedien 2009/I erschienen. Überschrift der dazugehörigen Pressemitteilung: „Von Krise keine Spur: Zeitschriften-Reichweiten bleiben stabil“ Im dazugehörigen Text ist sogar von „extrem stabil“ die Rede. Was immer das auch bedeuten mag. Die Gesamtreichweite der 164 erfassten Zeitschriften stieg sogar leicht von 60, 7 auf 60,8 Millionen Leser. „Zeitschriften werden […]

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Gerade ist ja die aktuelle Media Analyse Pressemedien 2009/I erschienen. Überschrift der dazugehörigen Pressemitteilung: „Von Krise keine Spur: Zeitschriften-Reichweiten bleiben stabil“ Im dazugehörigen Text ist sogar von „extrem stabil“ die Rede. Was immer das auch bedeuten mag. Die Gesamtreichweite der 164 erfassten Zeitschriften stieg sogar leicht von 60, 7 auf 60,8 Millionen Leser. „Zeitschriften werden unverändert stark gelesen“, jubiliert dann Michael Walter MA-Vorstand Zeitschriften. Die übliche Begründung: In wirtschaftlich angespannten Zeiten würde zwar auf den Kauf einzelner Ausgaben verzichtet, aber die Leser reichen ihre Zeitschriften weiter und die Reichweite steigt.

Juhu! Print-Zeitschriften sind irre beliebt und es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Also, liebe Verlagsmanager: Weiter so wie immer! Alles läuft bestens. Sagt jedenfalls die Media Analyse.

Wenn da nicht das komische Gefühl wäre, dass mit diesem Seelenbalsam für Print irgendwas nicht stimmt. Kurz vorher wurden ja die jüngsten Auflagenzahlen der IVW veröffentlicht. Und dabei kam heraus, dass zwei von drei Publikumszeitschriften an Auflage eingebüßt haben. Okay, okay, die Leser teilen sich jetzt halt die Magazine, aber irgendwann muss auch das Weiterreichen zerlesener „Focus“- und „stern“-Ausgaben an seine Grenzen stoßen. Wenn die verkauften Auflagen sinken und sinken. Müsste das doch irgendwann einen Einfluss auf die Reichweite nehmen. Denn wenn weniger verkauft wird, kann auch weniger geteilt werden.

Ich persönlich glaube ohnehin nicht an die Teilungs-Hypothese der MA. Ich denke eher, dass die Reichweiten einigermaßen stabil bleiben, weil die Verlage mit sonstigen Verkäufen und Bordauflagen die Auflagen künstlich hoch halten. Dass sie damit auf Dauer aber ihr Produkt als Kaufprodukt entwerten, steht auf einem anderen Blatt. Auflagen werden aufgeplustert, Abos werden mit viel zu teuren Prämien-Geschenken subventioniert und die wirklich hart verkaufte Auflage, die sinkt und sinkt.

Das ist eine Realität, die mit der schönen Scheinwelt, wie sie von der Media Analyse propagiert wird, nicht viel zu tun hat.

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