Die Probleme des Michael Arrington

Müde, verbittert und frustriert: so beschreiben Freunde inzwischen den bekanntesten Tech-Blogger der Welt. Die Ränder unter den Augen sprechen eine deutliche Sprache. Michael Arrington hat lange über die Millionen-Deals der Szene geschrieben, selbst aber den richtigen Zeitpunkt für den Verkauf seines „TechCrunch“-Imperiums verpasst. Mit dem Niedergang des Web 2.0 kommen schwere Zeiten auf ihn zu. Wieder einmal bestätigt sich: Blogs haben inzwischen zwar einen immensen Einfluss, sind aber auch schwer verkäuflich.

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Müde, verbittert und frustriert: so beschreiben Freunde inzwischen den bekanntesten Tech-Blogger der Welt. Die Ränder unter den Augen sprechen eine deutliche Sprache. Michael Arrington hat lange über die Millionen-Deals der Szene geschrieben, selbst aber den richtigen Zeitpunkt für den Verkauf seines „TechCrunch“-Imperiums verpasst. Mit dem Niedergang des Web 2.0 kommen schwere Zeiten auf ihn zu. Wieder einmal bestätigt sich: Blogs haben inzwischen zwar einen immensen Einfluss, sie sind aber auch schwer verkäuflich.

In Atherton, 40 Minuten südlich von San Francisco, ist nicht viel los. Ein eher verschlafenes Örtchen mit viel Grün, das zu den reichsten Gemeinden Amerikas zählt. Eric E. Schmidt lebt hier, der CEO von Google. Und Meg Whitman, die ehemalige Chefin von Ebay. Von Atherton ist es ein Katzensprung nach Palo Alto, wo rund um die Stanford University Hunderte von Internet-Start-ups sitzen. Zum Beispiel Facebook oder direkt gegenüber Ning. Zu Google nach Mountain View fährt man zehn Minuten.

Michael Arrington, der hier mitten im Silicon Valley sitzt, ist einer der bestinformierten Internet-Experten der Welt, sein „TechCrunch“ mit über 1 Mio RSS-Abonnenten die Bibel der amerikanischen Start-up-Szene. „He’s smart, sourced up, and ahead of the curvel. He is a textbook example of how to turn intelligence, tenacity and arrogance into an Internet brand“ („Wired„).

Aus dem 2005 gestarteten Solo-Blog ist längst ein kleines Medien-Imperium geworden, aus dem ehemaligen Justitiar ein „Serial Entrepreneur“. Im TechCrunch-Network gibt es inzwischen eine englische, französische und japanische Ausgabe. „MobileCrunch“ berichtet über Mobile Computing, „CrunchGear“ über neue Produkte und Gadgets. „TalkCrunch“ ist ein Podcast über Web 2.0, im „CrunchBoard“ werden Jobs angeboten. Und einmal im Jahr veranstaltet Arrington in San Francisco die “TechCrunch50”, auf der sich Start-ups der Öffentlichkeit stellen. Über 1000 Web-Firmen wollten in den letzten Jahren dabei sein.

Arrington ist heute weit mehr als ein Journalist. Mal wird er „Gatekeeper“, mal „Kingmaker“ genannt. Vor allem ist er ein „Power Broker“, der Unternehmen zusammenbringt. „Between any two companies in Silicon Valley, there’s probably a path to them through Arrington“, berichtet ein Beobachter. Time zählte ihn im letzten Jahr zu den „100 Most Influential People in the World“ – neben Barack Obama, Hillary Clinton, Rupert Murdoch und Steve Jobs.

Aber Vorsicht: Ein Arrington ist nicht leicht zu nehmen, er kann arrogant und aufbrausend sein. Die „Los Angeles Times“ nannte ihn an animal“ und „Silicon’s Valley wild man“. Der fast zwei Meter große Single ist vor allem chronisch überarbeitet, „a large man on the verge of losing his cool. He is prone to excess and uncontrolled outbursts – of temper, partying and work“ („Wired“).

Dreieinhalb Jahre tägliches Bloggen, häufig bis spät nach Mitternacht, haben Arrington müde gemacht. Unheimlich müde. Und manchmal depressiv, berichten Freunde. Die Ränder unter den Augen sprechen eine deutliche Sprache. Das Web 2.0, das er wie kein anderer verkörperte, liegt im Sterben. “Fallen off a cliff”, würde er sagen.

Wie dünn mittlerweile seine Nerven geworden sind, zeigte jüngst ein lächerlicher Auftritt auf der LeWeb-Konferenz in Paris. Dort empfahl er den Europäern, nicht zwei Stunden Mittag zu essen, sondern lieber etwas mehr zu arbeiten. Und im Anschluss legte er sich mit dem Organisator an…

Seit langem will Arrington sein Blog-Imperium verkaufen. Aber er findet einfach keinen Käufer, wenigstens nicht zu seinen Preisvorstellungen. Das Problem: wer kauft schon ein Blog, das so vom Engagement des Gründers abhängt wie TechCrunch? „We’re worried about buying it and him leaving, we’re worried about buying it and him staying“, sagte ein Kaufinteressent.

20 bis 30 Millionen Dollar hätte AOL im letzten Sommer geboten, heißt es. Arrington war das zu wenig. Ein folgenschwerer Fehler. Danach hat Arrington mit Murdochs Fox Interactive geflirtet, aber auch daraus wurde nichts. Jetzt ist in den USA die Rezession da, und die Preise für Internet-Companies sind dramatisch gesunken. Was Arringtons Unternehmen heute wert ist? Vielleicht 3 bis 5 Millionen Dollar, wenn er Glück hat. Das ist herzlich wenig für jemanden, der von 100 Millionen Dollar und mehr geträumt hat. Und ständig über Milliarden-Deals von anderen geschrieben hat.

Immer wieder sagt er im kleinen Kreis, er sehne sich nach Hawaii. Wolle mit dem ganzen Tech-Kram nichts mehr zu tun haben. Verbittert und frustriert bezeichnen ihn Weggefährten heute. Die Konkurrenz von „ValleyWag“ nennt ihn einen Has been und fügt ein respektlos hinzu: „It’s over“.
Das ist sicherlich Wunschdenken, aber Arrington macht den Eindruck eines Sprinters, der gerade gemerkt hat, dass er eine Marathonstrecke bewältigen muss.

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