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Tour de France: ZDF steht zu EBU-Vertrag

Im Streit mit der European Broadcast Union (EBU) um die Live-Übertragung der Tour de France knickt die ARD ein. Offenbar kann der öffentlich-rechtliche Senderverbund aus seinem Vertrag mit der EBU nicht aussteigen und das Radrennspektakel 2009 mit der Begründung vertraglicher Unstimmigkeiten canceln. EBU-Präsident Fritz Pleitgen hat sich stets auf entsprechende Abmachung berufen. Jetzt scheint auch die ARD sich dieser Sachlage zu beugen. Und kündigt einen Kompromiss an.

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„Stundenlange Live-Übertragungen von der Tour de France wie früher wird es künftig nicht mehr geben“, bestätigte ein Sprecher der Sendeanstalt. „Der Aufwand wird sicher nicht mehr den Stand von früher erreichen.“ Kürzere sind demnach ab sofort für die ARD – und am Schlepptau auch das ZDF – wieder denkbar.

Damit bestätigte die ARD Spekulationen über einen Kurswechsel. Im Oktober noch ließ der damalige ARD-Intendant Fritz Raff verlautbaren, „der sportliche Wert der Tour de France hat sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle erheblich reduziert“. Und begründete damit einen absoluten Ausstieg aus der Live-Berichterstattung über die skandalbehaftete Tour de France, der viele Sport-Fans den Unterhaltungswert der Kölner Karnevalsübertragungen attestierten.

Hintergrund des erzwungenen Strategiewechsels dürften allein juristische Gründe sein. Die ARD hatte behauptet, der EBU keinen verbindlichen Auftrag zur Sicherung der Rechte an der Tour de France erteilt zu haben. Darüber hinaus bergen die Verträge mit der EBU diverse Unklarheiten. Demgegenüber versicherte EBU-Chef Fritz Pleitgen stets, der Auftrag sei klar gewesen und pocht auf die Einhaltung entsprechender Verträge.

ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender erklärte gegenüber MEEDIA: „Der Auftrag an die EBU wurde eindeutig erteilt und dessen klare Bedingungen wurden unserer Auffassung nach von der EBU voll erfüllt“. Eine „Essenz des gemeinsamen Vertrags“ sei, dass sich ARD und ZDF bei der Live-Übertragung Tag für Tag abwechseln. Dem Ausstieg der ARD folgt konsequenterweise das ZDF. „Wir haben immer zu dem Vertrag gestanden“, sagt Brender. „Die Entscheidung liegt ganz bei der ARD“.

Allen Ankündigungen zum Trotz wurde eine versöhnliche Einigung zwischen den Kontrahenden nicht im abgelaufenen Jahr erzielt. Stattdessen scheint nun die Abrechung bevorzustehen. Ein ARD-Sprecher sagte, dass jetzt die Juristen an der Angelegenheit arbeiten. Aber: „Vor Mitte Februar ist eine Entscheidung nicht zu erwarten“.

Finanziell könnte es für die Öffentlich-Rechtlichen teuer werden. Im Falle eines Ausstiegs geht es nicht allein um die rund 20 Millionen Lizenzgebühren für die Live-Übertragung. Auch die Werbepartner der einzelnen Rad-Teams und der gesamten Tour könnten ARD und ZDF im Extremfall in Regress nehmen. Denn die meisten Sponsoren-Gelder sind an eine klar geregelten TV-Präsenz gebunden, die wiederum die EBU in ihren Verträgen garantiert. Zeigen die deutschen TV-Stationen weniger Tour-Bilder als zugesichert, werden die Sponsoren möglicherweise Schadenersatzforderungen stellen.

Anmerkung der Redaktion: ZDF-Chefredakteur Brender hat Recht. Die pauschale Formulierung „die Öffentlich-Rechtlichen“ im Zusammenhang mit den neuesten Entwicklungen bei der ARD war irreführend. MEEDIA hat dies korrigiert und bittet um Entschuldigung.

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