New York Times: Slims teure Rettung

Aufatmen bei der vielleicht besten Zeitung der Welt: Der mexikanische Multimilliardär Carlos Slim, der mit dem Mobilfunkprovider América Móvil reich geworden ist, beteiligt sich an der angeschlagenen New York Times-Gruppe. Slim gewährt dem börsengelisteten Verlagshaus eine Finanzspritze von 250 Millionen Dollar per Schuldverschreibungen. Die lässt er sich auch fürstlich verzinsen – und zwar mit 14 Prozent pro Jahr. Doch damit ist die "Grey Lady" noch nicht über den Berg - bis Ende März muss eine weitere dreistellige Millionensumme aufgebracht werden.

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Dringende Entlastung für die angeschlagene New York Times, der das Wasser bis zum Hals steht:  250 Millionen Dollar fließen von Zentral- nach Nordamerika. Das Geld für die bis heute wohl am meisten verehrte Tageszeitung kommt aus Mexiko. Als Gläubiger tritt ein mexikanischer Telekommunikationsunternehmer auf, den bis vor ein paar Jahren nur wenige auf der Landkarte des Geldadels hatten – Carlos Slim.

Spätestens seit  letztem Jahr war der heute 69-Jährige dann jedoch so ziemlich jedem Finanzinteressierten ein Begriff: Dank seines massiv gestiegenen Privatvermögens, das sich maßgeblich durch den Höhenflug seiner Telekomtochter América Móvil vervielfachte, stieg Slim quasi über Nacht buchstäblich zum reichsten Mann der Welt auf – vor Bill Gates und Warren Buffett. Auf enorme 68 Milliarden Dollar wurde Slims Vermögen Mitte 2008 taxiert.

35 Millionen Dollar Zinsen pro Jahr – um jetzt zu überleben

Obwohl auch Slim massiv von der Finanzmarktkrise gebeutelt worden ist, sitzt das Kleingeld für Shoppingtouren beim nördlichen Nachbarn offenbar noch locker. Tatsächlich nimmt sich das New York Times-Engagement für den mexikanischen Multimilliardär wie die viel zitierten „Peanuts“ aus. 250 Millionen Dollar leiht Slim dem angeschlagenen amerikanischen Traditionsverlag per Schuldverschreibung.   

Slim lässt sich das Engagement fürstlich entlohnen. Mit einem jährlichen Coupon von sage und schreibe 14 Prozent muss die NYT die Finanzspritze mit Laufzeit bis 2015 bezahlen – elf Prozent sind davon in Barmittel, weitere drei Prozent per neuen Anleihen zu begleichen. Der Mexikaner hat dann auch die Möglichkeit, die Anleihen in Aktien des Verlags umzuwandeln. Die 15,9 Millionen Anteilsscheine entsprächen dann einer Beteiligung von etwa elf Prozent am US-Traditionsverlag. Erst im vergangenen September hatte Slim 6,4 Prozent der Times-Aktien für 128 Millionen Dollar gekauft.

Slim ist vom Wert der Traditionszeitung trotz der massiven Einbrüche im Kerngeschäft  offenbar weiter überzeugt: „Die ‚New York Times‘ ist die beste Zeitung der Welt und eine großartige Marke.“ Gleichzeitig bescheinigte Slim der Redaktion, „einen guten Job im digitalen Bereich“ zu machen: „Was zurückgeht, ist die Printauflage, nicht die News. News, Information, Inhalt: Sehen Sie sich den Erfolg von Google an.“

„Atemberaubend hoher Preis“    

Für die New York Times ist die Kreditfinanzierung jedoch teuer bezahlt: Summa summarum fallen damit nämlich jährlich 35 Millionen Dollar an zusätzlichen Zinsbelastungen an – um jetzt zu überleben. „Damit verringert sich für die New York Times der gegenwärtige Druck der Kreditkrise. Das sollte dem Unternehmen zumindest für ein Jahr Luft verschaffen. Das allerdings zu einem atemberaubend hohen Preis“, ordnet der ehemalige Internetaktienanalyst Henry Blodget die Rettungsmaßnahme ein.  

Schlimmer noch: Damit ist die schlingernde New York Times-Gruppe, deren Aktien allein im vergangenen Jahr um 80 Prozent an Wert verloren, jedoch nach lange nicht aus dem Gröbsten raus.  Der Schuldenstand beläuft sich weiter auf knapp eine Milliarde Dollar – 2011 laufen die Kreditlinen aus.

Um die kurzfristigen Schulden von 400 Millionen Dollar zu bedienen, die bis Ende Mai fällig werden, hatte die NYT zuvor bereits den repräsentativen „Times Towers“ an Eight Avenue mit 225 Millionen Dollar beliehen und angekündigt, die Beteiligung an den Boston Red Sox zu veräußern. Als weitere Erlösoption wird ein Verkauf der Onlinetochter About.com betrachtet, die erst 2005 für 580 Millionen Dollar zugekauft wurde. 

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