Moskau: Anwalt und Journalistin erschossen

Erschreckender Vorfall in der russischen Hauptstadt: Der bekannte Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow und die regierungskritische Journalistin Anastasja Baburowa wurden am Montag Opfer eines brutalen Attentats. Markelow wurde auf offener Straße per Kopfschuss getötet, Barburowa erlag ihren Verletzungen im Krankenhaus. Der Doppelmord steht offenbar im Zusammenhang eines Prozesses im Zuge des Tschetschenien-Kriegs.

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Die Anzeichen eines Auftragsmords verdichten sich: Der Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow und die Journalistikstudentin Anastasja Barburowa sind am Montag nach einer Pressekonferenz Opfer eines heimtückischen Anschlags geworden. Per Kopfschuss richtete ein bislang unbekannter Täter Markelow im Zentrum Moskaus um 14 Uhr Ortszeit nahe der Metrostation Kropotkinskaja hin.

„Stanislaw Markelow ist ein weiteres Opfer, das sehr wahrscheinlich wegen seines Berufes und seiner mutigen Arbeit im Dienste der Menschenrechte getötet wurde“, ordnet die für Russland zuständige Direktorin der Organisation Amnesty International, Nicola Duckworth, den Fall gegenüber der Nachrichtenagentur dpa ein.

Markelow vertrat Tschetschenienkrieg-Opfer

Hintergrund ist offenbar Markelows regimekritisches Engagement im Zuge der Tschetschenienkriege. Der 34-Jährige hatte wenige Minuten zuvor auf der Pressekonferenz Einspruch gegen die vorzeitige Begnadigung des russischen Offiziers Juri Budanow angekündigt, der 2000 im Zweiten Tschetschenienkrieg die erst 18-jährige Elsa Kungajewa, erst vergewaltigt und dann getötet hatte. Budanow war zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt, aber vor wenigen Tagen vorzeitig entlassen worden. Markelow vertrat die Familie Kungajewa vor Gericht.  

Am Montag erst hatte die kremlkritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ über den Vorfall berichtet – u.a. unter Verwendung der Recherchen der international anerkannten Top-Journalistin Anna Politkowskaja, die im Oktober 2006 vor ihrer Wohnung ermordet wurde.

Auch kremlkritische Journalistikstudentin stirbt nach Attentat

Hier schließt sich der Kreis:  Auch die Journalistikstudentin Anastasja Baburowa, die in Begleitung von Markelow die Pressekonferenz verließ, arbeitete als Reporterin freiberuflich für die „Nowaja Gaseta“.   

Der Attentäter tötete Markelow zunächst per Kopfschuss. Auf Baburowa feuerte der Killer danach offenbar, als sie versuchte einzuschreiten, ebenfalls in Richtung des Kopfes. Die Journalistikstudentin erlag noch auf dem Weg ins Krankenhaus ihren Verletzungen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft fehlt vom Täter bislang noch jede Spur.

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