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Europapremiere von „Operation Walküre“

Bereits die Vorgeschichte von "Operation Walküre" hat in Deutschland mehr Aufruhr erzeugt, als irgendein anderer Film der vergangenen 20 Jahre. Dass in einer Hollywood- Produktion ein Scientologe den deutschen Widerstandshelden Graf von Stauffenberg verkörpert, erregte die Gemüter. Am heutigen Dienstag findet in Berlin die Europapremiere des Tom Cruise-Streifens statt. Die Kritiken in den USA, wo der Film Weihnachten anlief, fielen überwiegend vernichtend aus.

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Schon während der Dreharbeiten 2007 in Deutschland hat „Valkyrie“ (US-Originaltitel) für Aufsehen gesorgt: Darf ein bekennender Scientologe die Hauptrolle in einem deutschen Heldenepos spielen? Das Gedenken des einzigen großen Hitler-Attentäters Deutschlands beschmutzen?

Ganz konkret wurde der deutsche Widerstand gegen den Schauspieler, als Szenen mit Tom Cruise im Berliner Bendlerblock gefilmt werden sollten, in dessen Hof von Stauffenberg hingerichtet worden ist. Die Bundesregierung hatte die Drehgenehmigung in dem Gebäude des Bundesverteidigungsministeriums zunächst verweigert, weil sie die Würde des Ortes bedroht sah.

Die Geschichte der ersten US-Verfilmung der historischen Attentats-Story, sind sich die meisten Kritiker einig, stimme weitgehend mit den Fakten überein: Während des Zweiten Weltkriegs kehrt Claus Schenk Graf von Stauffenberg desillusioniert und versehrt aus Nordafrika nach Berlin zurück und schließt sich einer Verschwörung gegen Hitler an, um den Zweiten Weltkrieg zu beenden. Das Bombenattentat auf den Führer am 20. Juli 1944 scheitert, die Verschwörer werden hingerichtet.

Die Kosten des Films sollen sich auf deutlich mehr als 100 Millionen Dollar belaufen haben. In den USA kam „Valkyrie“ Weihnachten 2008 in die Kinos. Beim US-Publikum wecken Filme zu NS-Themen traditionell großes Interesse. Das Einspielergebnis beläuft sich dort bisher auf rund 75 Millionen Dollar – für einen Tom-Cruise-Schinken ein passables Ergebnis.

Kann der Film trotz der Verzerrung durch den Scientology-Trubel überzeugen? Die Kritiken in den USA waren überwiegend schlecht. So kritisiert die „New York Times“ historische Unstimmigkeiten, und eine ungeschickte Besetzung. Vor allem aber: „Wenn Mr. Cruise in ‚Valkyrie‘ nicht funktioniert, liegt das zum Teil daran, dass er zu modern, zu amerikanisch und viel zu ‚Tom Cruise‘ ist, um in der Rolle zu überzeugen“. Im übrigen sei Stauffenberg eine „zu komplexe Persönlichkeit für diesen Film, der – wie viele Storys dieses Typs – den Zweiten Weltkrieg in ein Jungenabenteuer … verwandelt.“

Die „USA Today“ hält das Werk von Regisseur Bryan Singer und Drehbuchautor Christopher McQuarrie für oberflächlich: Dem Zweiten-Weltkriegs-Thriller mangelt es an Thrills. In einer „optisch glatten Produktion“ bleibt Cruise „unglaubwürdig und steif“ sowie „auf störende Weise amerikanisch“.

Fox News spricht schlicht von „schrecklicher ‚Valkyrie'“ und nennt Tom Cruises künstlerische Leistung „entsetzlich“. Zwischen den anderen amerikanischen und europäischen Schauspielern habe er die Ausstrahlung eines „wunden Daumens“.

Die „Washington Post“ hingegen lobt explizit die schauspielerischen Leistungen“ und die „gewaltige Effizienz, mit der die Geschichte erzählt“ wird. Das Problem sei jedoch, dass der Film Stauffenbergs moralische Unzulänglichkeiten vollkommen ignoriere, wie wurde der Sympathisant des NS-Regimes zu dessen Gegner. Schlimmer noch: Es herrsche ein „seltsamer Mangel an Menschlichkeit“ – zu wenig Emotionen, dafür eine brutale Dominanz der Maschinen. Selbst Stauffenberg erscheine wie eine „Menschenmaschine“ und bleibe „seltsam inhuman in seiner Darstellung von Heldentum“.

Im deutschen Feuilleton hat die „Frankfurter Allgemeine“ eine Lanze für die „Walküre“ gebrochen. In einer verstiegenen Huldigung würdigt die neueste „FAS“ die „fast schon existenzialistische Interpretation der Figur“ Stauffenberg: Sie zeige, wie allein „die Tat erst den Täter“ mache. Als Thriller „nahezu perfekt“ überzeugt die „präzise Inszenierung“ durch die Präsenz von Tom Cruise. Atemberaubend seien die Bilder – „solche Blicke kann kein Geschichtsbuch bieten“.

Tom Cruise stellt sich am Samstag dem deutschen Fernsehpublikum. Kritische Fragen sind dann nicht zu erwarten. Der Hollywood-Star ist Gast von Thomas Gottschalk bei „Wetten dass…“.

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