Die Zeitungskrise spitzt sich zu

Die neuesten IVW-Auflagen der Tageszeitungen zeigen ein einziges Bild des Jammers. Die Zeitungsbranche beklagt in ganz Deutschland schrumpfende Verkäufe. Besonders schlecht sah es im vierten Quartal 2008 für den "Express" (-6,2%), "Bild" (-5,7%), die "B.Z." (-4,7%), die Zeitungsgruppe Thüringen (-4,3%) und das "Hamburger Abendblatt" (-4,1%) aus. Insgesamt verloren 41 der 43 wichtigsten Regionalzeitungen, die beiden Gewinner legten nur bei den Sonstigen Verkäufen zu.

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Auffällig sind vor allem die herben Verluste der Boulevardzeitungen „Express“, „Bild“ und „B.Z.“. Da diese Titel vor allem vom Einzelverkauf in Kiosken, Tankstellen und Supermärkten leben, merken sie es am unmittelbarsten, wenn die Menschen weniger Geld für Zeitungen ausgeben. Aber auch die klassischen Abonnementzeitungen verlieren deutlich. So ging dem „Hamburger Abendblatt“ 4,1% der verkauften Vorjahresauflage abhanden, die Zeitungen der WAZ-Mediengruppe büßten 3,8% ein und der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag verlor 3,6%. Besonders bitter sieht es derzeit im Osten Deutschlands aus – und genau da beginnen wir auch unsere Reise durch die Auflagen der großen Regionalzeitungen:

In Berlin sticht sofort der heftige Verlust der „B.Z.“ ins Auge. Mit einem Minus von 4,7% verliert sie mehr als 8.500 verkaufte Zeitungen pro Tag und liegt nur noch knapp vor der „Berliner Zeitung“. Dort sahen die Zahlen in den vorangegangenen Quartalen noch wesentlich schlechter aus. Im vierten Quartal machte die Abo-Auflage einen überraschenden Satz nach oben. Ein Indiz dafür, dass mit verstärktem Abo-Marketing Auflage gemacht werden sollte. „Der Tagesspiegel“, einer der beiden IVW-Gewinner unter den größten Regionalzeitungen, hat nur deswegen zugelegt, weil der Verlag die Sonstigen Verkäufe erhöht hat. Bei Abo und Einzelverkauf verlor auch diese Zeitung. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen sind die Minuszeichen besonders rot: Vor allem Abonnenten verlassen dort verstärkt ihre Zeitungen. Die „Märkische Allgemeine“ büßte 3,7% ein, die „Schweiner Volkszeitung“ 4,0%, die „Mitteldeutsche Zeitung“ 3,7%, die „Leipziger Volkszeitung“ 4,1% und die WAZ-Tochter Zeitungsgruppe Thüringen sogar 4,3%.

Auch im Norden und Westen beklagen einige Blätter ähnliche Zahlen:

Während das „Hamburger Abendblatt“ also 4,1% der verkauften Auflage aus dem vierten Quartal 2007 verlor, liegt der Konkurrent „Hamburger Morgenpost“ bei vergleichsweise verträglichen 2,0%. Besonders beim Blick auf die fetten Minuszeichen von Boulevard-Mistreitern wie „Express“, „Bild“ und „B.Z.“ kann das schon beinahe als Erfolg gewertet werden. In Niedersachsen bleibt die „HAZ“ trotz Verlusten von 1,7% die unangefochtene Nummer 1, in Schleswig-Holstein verliert die „sh:z“ deutliche 3,6%. Noch etwas darüber liegen die Verluste der WAZ-Mediengruppe. Das Unternehmen, das die Einzelauflagen seiner Zeitungen nicht ausweist, verkaufte insgesamt 860.675 Zeitungen – 33.609 weniger als im Vorjahr. Getoppt wird der Verlust von 3,8% in NRW noch durch den „Express“ und seinen Minuswert von 6,2%. Vergleichsweise glimpflich davon gekommen sind die „Rheinische Post“ und die Zeitungsgruppe Neue Westfälische mit jeweils -1,0%.

Relativ geringe Verluste wurden weiter im Süden verzeichnet, insbesondere in Baden-Württemberg:

Dort verloren „Südwest Presse“, „Stuttgarter Zeitung / Stuttgarter Nachrichten“ und „Schwäbische Zeitung“ jeweils nur 0,6% bis 1,4%. Ähnlich die Zahlen in Hessen, wo RheinMeinMedia (u.a. „Frankfurter Neue Presse“) sogar zulegte. Grund aber auch hier: mehr verteilte Bordexemplare und Sonstige Verkäufe. Bei Einzelverkauf und Abos gab es wie bei der Konkurrenz ein Minus. Verluste zwischen 1,1% und 2,4% gab es in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Bayern – die Ausnahme war der „Münchner Merkur“, der nur 0,5% einbüßte.

Zum Abschluss noch der Blick auf die überregionalen Tageszeitungen, deren detaillierte Zahlen bei unserer Analyse vor einer Woche noch nicht vorlagen:

Da die Aufschlüsselungen in harte und weiche Auflage nun also bekannt sind, relativieren sich die Gewinne der „F.A.Z.“ deutlich: Die Zeitung steigerte ihre Bordexemplare im Vergleich zum Vorjahr um 7.300 – ohne diese Maßnahme stünde also auch vor dem Ergebnis der Frankfurter ein Minus. Einen echten Auflagengewinn gibt es hingegen beim „Handelsblatt“, das bei Abos und Einzelverkauf zulegte. Dramatisch sieht es neben der „Bild“ auch bei „Die Welt“ und „Welt kompakt“ aus: Ohne ein Plus von 6.600 bei den Sonstigen Verkäufen hätte es dort ein noch dickeres Minus gegeben, die Zahl der Abos brach z.B. um satte 9.600 ein.

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