Mediaplaner erklärt den „Landlust“-Erfolg

Was sagt ein Mediaplaner zu dem Auflagenerfolg von „Landlust“? Das Magazin schaffte in der jüngsten Auflagenanalyse der IVW eine verkaufte Auflage von 446.681 Exemplaren, 71 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Einzelverkauf kletterte sogar um 86 Prozent. MEEDIA sprach mit Guido Friebel, Media-Manager bei MediaLogics, über das Erfolgsrezept von „Landlust“ und Chancen für Print-Gründungen. MediaLogics bündelt den Einkauf aller Agenturen des Werbe-Netzwerks Publicis Groupe.

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Wie erklären Sie den unglaublichen Auflagen-Erfolg der Zeitschrift „Landlust“?

Das Konzept von Landlust ist neu und kommt beim Leser an. „Landlust“ trifft das Lebensgefühl seiner Zielgruppe – einer eher ruralen Bevölkerung. „Landlust“ profiliert sich aus meiner Sicht insbesondere aufgrund seiner hohen Glaubwürdigkeit und Nähe zum Leser. Das macht „Landlust“ so unverwechselbar. Der Leser merkt: Dieses Magazin ist für mich gemacht. Diese Nähe erreichen nur noch wenige Magazine.

Was macht den Unterschied aus zwischen „Landlust“ und etablierten Titeln wie „Living at Home“ oder „Mein schöner Garten“?

„Landlust“ ist bodenständig. Der Titel bietet keine unerreichbaren Scheinwelten, sondern einfach umzusetzende Inspiration.

Warum glauben Sie, ist kein großes Verlagshaus auf so eine Idee wie „Landlust“ gekommen?

Das Verlagshaus, der Landwirtschaftsverlag aus Münster, hat vermutlich einen engeren Bezug zur Leserschaft. Im Prinzip schreibt die Zielgruppe ihren eigenes Magazin.

Sind kleine Verlage kreativer?

Nicht unbedingt. Auch den Großen gelingt hin und wieder ein guter Wurf.

Rechnen Sie damit, dass „Landlust“ von einem Großverlag geschluckt wird?

Nein.

Warum denn nicht?

„Landlust“ bietet nur ein begrenztes Anzeigenpotenzial. Das Segment der Gartenzeitschriften steht nicht im Fokus der Werbungtreibenden. Gartenzeitschriften weisen einen vergleichsweise niedrigen Anzeigenanteil auf.

„Landlust“ ist ein Publikumserfolg – kann das Magazin auch ein wirtschaftlicher Erfolg sein?

Schwer zu sagen. Dazu kenne ich die Kosten für Produktion, Redaktion, Vertrieb zu wenig.

Ist es schwierig ein Magazin wie „Landlust“ zu vermarkten?

Die Vermarktung wäre sicher deutlich einfacher, wenn Landlust von den Großverlagen mit entsprechendem Produktportfolio vermarktet würde.

Steckt die Zukunft für die Print-Branche in Nischenthemen und längeren Erscheinungsweisen?

Die Zukunft von Print liegt nicht grundsätzlich in Nischenthemen und längeren Erscheinungsweisen. Print muss berühren, indem es Lebensgefühle potenzieller Leser identifiziert und glaubwürdig bedient.

Aber große Generalisten scheinen bei Print-Titeln kaum noch auf den Markt zu bringen sein. Einen neuen „stern“ oder „Spiegel“ wird es nicht mehr geben. Oder sehen Sie das anders?

Die Ära der großen generalistischen Printmedien mit Auflagen jenseits der Millionengrenze scheint in der Tat vorüber zu sein. Das heisst aber nicht, das die Zukunft ausschließlich Nischentiteln mit Kleinstauflagen gehören muss.

Wonach suchen die Werbe-Kunden, die Anzeigen in Print schalten wollen?

Nach Werbewirkung, wie alle Werbungtreibenden.

Was vermissen Sie als Mediaplaner in der aktuellen Print-Landschaft?

Als Mediaplaner vermisse ich Titelkonzepte, die faszinieren – mehr Innovation als me too bitte!

Was würde Sie als Mediaplaner bei einem neuen Print-Produkt faszinieren?Es geht ja nicht um meine persönliche Faszination, sondern um die Begeisterung potenzieller Leser. Leider zeigt die aktuelle Entwicklung, dass Print immer weniger Käufer und Leser findet. Den Mediaplaner interessiert die Leserschaft sowie die Titel-Performance. Diese sollte er auch von eigenen Titelvorlieben zu trennen wissen.

Fallen Ihnen außer „Landlust“ weitere erfolgreiche Print-Neugründungen der vergangenen Jahre ein?

Klar: „Intouch“, „Neon“, „Dogs“.

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