Aneurysma: Die Zeitbombe im Kopf

Der tragische Fall Monica Lierhaus hat eine bis dahin in der Öffentlichkeit kaum bekannte Krankheit in das Zentrum des Interesses gerückt: Aneurysma. Die Erkrankung ist besonders heimtückisch, häufig bleibt sie unentdeckt. Wenn Aneurysmata, wie im Fall Lierhaus, operiert werden, ist die Gefahr von Komplikationen beträchtlich. Professor Hansjörg Schütz, Chefarzt der Neurologie im Stadtkrankenhaus Frankfurt Höchst, bezeichnet einen solchen Eingriff als „schwierigste neurochirurgische Operation überhaupt."

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Es gibt bei Aneurysmata zwei Theraphie-Möglichkeiten: die endovaskuläre und die neurochirurgische. Bei der endovaskulären Therapie werden mittels eines hohlen Mikrokatheters über die Leistenarterie so genannte Coils zum Aneurysmasack gebracht, die die Blutzirkulation im Aneurysma verhindern. Die Arterie ist geschützt und kann nicht platzen. Die neurochirurgische Therapie bedeutet eine Operation am offenen Gehirn. Nach Möglichkeit wird das Aneurysma abgeklemmt und vom Blutkreislauf ausgeschlossen. Ist dies nicht möglich, wird die Arterienwand verstärkt, um eine Ruptur (Riss) zu verhindern.

Das Aneurysma sei keine seltene Krankheit, Menschen im mittleren Alter seien besonders häufig betroffen, sagt Schütz gegenüber MEEDIA. Definiert wird das Krankheitsbild als sackförmige Erweiterung an einer der Hirnbasisarterien. „Ursache ist eine meist angeborene Schwächung der Gefäßwand“, so Schütz.

Kommt es zu einer Blutung im Hirn, unterscheidet man fünf Schweregrade, „wobei Patienten mit Grad I nur leichte Kopfschmerzen haben und Patienten mit Grad V komatös sind. Dazwischen finden sich von Grad II bis IV zunehmende neurologische Ausfälle“, erklärt Schütz. „Medizinisch ausgedrückt, kommt es zu einer subarachnoidalen Blutung aufgrund eines rupturierten Hirnabasisaneurysmas. Auf Deutsch: Die beerförmige Hirnbasisarterie (Aneurysma) platzt und blutet in die Gehirnhäute.“ Es kann aber auch zu einem Schlaganfall in Folge einer Ruptur des Aneurysmas kommen.

Statistisch sind Frauen häufiger von Aneurysmata betroffen als Männer – das Verhältnis beträgt 5:3. Es gibt keine evidenten Statistiken über Folgeschäden bei einer Operation. „Neurologische Folgen wie etwa Sprachverlust oder Lähmungen sind, je nach Schwere der Blutung, möglich. Viele Patienten überstehen den Eingriff aber auch ohne Folgeschäden“, erklärt Schütz – diese Hoffnung haben Ärzte, Freunde und Kollegen auch bei Monica Lierhaus. Die Moderatorin hatte das Glück, dass bei Eintreten der Blutung sofort reagiert werden konnte.

Wie gefährlich diese Blutungen sein können, weiß Professor Schütz aus eigener Erfahrung zu berichten: „Zwölf Prozent der Patienten kommen bereits tot ins Krankenhaus.“

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