Tim Cook: Der unterschätzte Macher

Das Entsetzen für die Apple-Gemeinde hätte größer kaum sein können: Apple-CEO Steve Jobs muss für sechs Monate sein Amt niederlegen und wird durch COO Tim Cook vertreten. Schon befürchten Apple-Anhänger, dass der Führungswechsel dauerhaft sein könnte. Doch wer ist der neue Vorstand eigentlich? Ein zweiter Blick auf Cook legt den Schluss nahe, dass wenig Grund zu Sorge besteht: Tatsächlich führt der Workaholic aus Alabama das Unternehmen hinter den Kulissen bereits seit Jahren.

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Der erste Schock ist verflogen. Steve Jobs ist nicht mehr Apple-CEO. Zumindest für sechs Monate. Die operativen Geschäfte führt nunmehr der 48-jährige Tim Cook, bisher Chief Operating Officer. Das ist die Neuigkeit der Woche. Doch für eingeweihte Apple-Kenner ist sie das eigentlich nicht: Denn tatsächlich tut Cook das seit Jahren. Die Öffentlichkeit wusste es nur nicht, zu fokussiert war sie auf die omnipräsenten Auftritte des fanatisch verehrten Apple-Gründers.  

„Jobs ist das öffentliche Gesicht von Apple. Niemand kann ihm das Wasser reichen, wenn er an die Öffentlichkeit tritt und bei einer neuen Produkteinführung ‚Tada‘ sagt“, erklärt der frühere Apple Store-Manager Mike Janes gegenüber dem Finanzinformationsdienst Bloomberg. „Am Ende des Tages muss aber jemand das beeindruckende Produktdesign in den Batzen Geld verwandeln, den wir auf dem Bankkonto sehen. Das ist Tim“. 

IBM, Compaq, Apple-COO: Steile Karriere in der Technologiewelt

Doch wer ist Tim Cook eigentlich? Bekannt ist sein gradliniger Werdegang: Nach 12 Jahren bei IBM stieg der passionierte Radfahrer und Läufer bei Compaq zum Vize-Präsidenten auf. 1998 holte ihn Jobs dann höchstpersönlich zu Apple, um die Arbeitsabläufe zu optimieren. Cook schloss die Apple-eigenen Produktionswerke und ging zu Auftragsfertigungen über. Die Folge: Die Lagerbestände schmolzen beträchtlich zusammen – und mit ihnen die Kosten. 

Apple-CEOs Tim Cook und Steve Jobs

Seitdem ging es steil bergauf: Cook stieg 2005 zum Chief Operating Officer auf und ist zudem für die Mac-Sparte verantwortlich. Als sich Jobs 2004 nach einer Tumor-Diagnose einer Bauchspeicheldrüsenoperation unterziehen musste, führte Cook im Juli bereits für einen Monat interimistisch die Geschäfte. 

Cooks Counterpart zu Jobs: Permanente Beherrschung

So erfolgreich Cooks Karriere bei Apple verlief, so wenig weiß die Öffentlichkeit doch über den verschlossenen Sportfan, der im Aufsichtsrat von Nike sitzt. Überliefert sind seine Neigung zu Marathonmeetings, nächtliche E-Mails, eine Vorliebe für Energieriegel und seine absolute Beherrschung auch in angespannten Situationen.

In vielerlei Hinsicht ist er damit der Counterpart des zu Cholerik neigenden Alleinunterhalters Steve Jobs. Das Zeug, aus seinen Schatten zu treten, traut der Apple-Gründer Cook zu. „Ich habe Tim zum COO gemacht und ihm die Mac-Devision gegeben. Er hat sich brilliant geschlagen.“

„Mit Steve Jobs an der Spitze immer besser dran als mit jedem anderen“

Die Börse und Branchenexperten sind unterdessen um einiges skeptischer, dass Cook dieses Vorschussvertrauen rechtfertigen kann des Apple-Gründers rechtfertigen kann. Während die Apple-Aktie seit Bekanntgabe von Jobs‘ Rückzug gegen den Markttrend verliert, äußern auch Analysten immer lauter ihre Zweifel.

„Das Filtern und Formen neuer Produkte für dieses Jahr hat Jobs vermutlich hinter sich. Ab 2010 wird seine Abwesenheit jedoch offenbar“, glaubt etwa Oppenheimer-Analyst Yair Reiner. „Apple ist mit Steve Jobs an der Spitze immer besser dran als mit jedem anderen“. Fest steht: Für Tom Cook wird es ein schweres Erbe – ganz gleich, wie lange es dauert.

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