VWs teurer Peking-Trip für Journalisten

Eine von VW bezahlte Journalisten-Reise zu den Olympischen Spielen nach Peking entpuppt sich im Nachhinein als teurer Spaß im doppelten Sinne. Zunächst haben die Reisen pro Journalist teilweise bis zu 25.000 Euro gekostet. Und das für VW zuständige Finanzamt Gifhorn weigert sich laut „Spiegel Online“, die Kosten als Betriebsausgaben anzuerkennen, da kein dienstlicher Anlass vorliege. Die Journalisten müssten die Reisekosten also als geldwerten Vorteil versteuern.

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VW hat den Verlagen aber bereits zugesichert, eventuell anfallende Kosten großzügig zu übernehmen. Der Vorfall sorgt allerdings für Zerknirschung sowohl bei Volkswagen als auch bei den betroffenen Journalisten und Verlagen. Laut „Süddeutscher Zeitung“ hatte VW insgesamt 70 Journalisten nach Peking eingeladen, darunter 30 Deutsche. Es sollen Auto- und Lifestyle-Journalisten sowie freie Mitarbeiter gewesen sein, keine Chefredakteure. Die „SZ“ berichtet von Redakteuren, die wegen des Vorfalls nun Ärger mit ihren Chefredaktionen bekommen hätten. „Das ist doch hochgradig verlogen. Solche Reisen machen doch fast alle“, zitiert die „SZ“ einen anonymen Auto-Redakteur.

Der Fall lässt die Diskussion um gierige Journalisten wieder aufflammen, die in ihren Medien gerne Wasser predigen, Ethik und Maßhaltung einfordern, selbst aber gerne jeden Presse-Rabatt fürs neue Auto oder den Air-Berlin-Flug zum halben Preis mitnehmen. Dass Unternehmen Journalisten gerne auf teure Pressereisen einladen, etwa um neue Auto-Modelle unter südlicher Sonne in 5-Sterne-Hotels zu präsentieren ist in der Branche lange Usus. Der Vorstoß des Finanzamtes Gifhorn könnte mit solchen Branchen-Gepflogenheiten vielleicht ein Ende machen.

Zum einen müssen die Auto-Konzerne derzeit extrem sparen. Zum anderen fürchtet VW, wie auch andere, die negativen Schlagzeilen, wenn die allzu großzügige Kuschelei mit der Presse öffentlich wird. So hat ein VW-Sprecher in der „SZ“ bereits angekündigt: „Nach dem Theater machen wir bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika nichts mehr.“

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