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Steve Jobs‘ Auszeit: Schock für Apple-Fans

Drama um Steve Jobs: Der visionäre Apple-Gründer ist offenbar weitaus kränker als bislang angenommen oder kommuniziert. Das ganze erste Halbjahr 2009 wird Jobs Apple im operativen Geschäft fehlen. Für das Kultunternehmen aus Cupertino, das Jobs 1976 buchstäblich in einer Garage gegründet hat und eine ganze Computer-Generation prägte, bricht damit unter der Interims-Leitung vom COO Tim Cook eine Ära an – doch daran mag in Steve Jobs’ schwerster Stunde noch niemand denken.

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Also doch. Bis zuletzt wollte niemand wahrhaben, was Bilder seit etwa einem Jahr auf drastische Weise veranschaulichten: Steve Jobs ist krank. Und zwar offenbar weitaus kränker als Apple oder er sich vielleicht selbst eingestehen wollte. Fest steht seit heute: Steve Jobs ist so krank, dass er bis auf weiteres nicht mehr die Geschicke bei Apple führen kann.

Für den innovativen Computerpionier, aber auch für jeden anderen technologiebegeisterten Anwender ist das eine sehr, sehr traurige Nachricht. Wie wohl kein anderes Unternehmen in der Geschichte des IT-Sektors hat es Apple verstanden, eine Branche so sehr mit Leben zu füllen.

Computer, das waren für Generationen von Nutzern ein notwendiges Übel, das zum Berufsalltag, in dem Texte und andere Daten verarbeitet wurden, einfach dazugehörte – der PC eroberte in den 70er- und 80er-Jahren die Haushalte. Dem von Steve Jobs 1976 gegründeten Silicon Valley-Startup Apple gelang jedoch mit dem Macintosh und seinem lächelnden Betriebssystem MacOS etwas, was den sachlichen, nutzwertigen Computern kaum einer zugetraut hätte – sie gewannen plötzlich eine emotionale Komponente.

Apple steht nicht nur seit Jahrzehnten für schönstes Design, sondern vor allem für Spaß am Umgang mit dem Desktop: Die Arbeit am Computer war nicht länger eine Pflichtveranstaltung für Nerds. Dann kam das Internet – und fast zeitgleich der verlorene Sohn Steve Jobs, den der Aufsichtsrat 1985 noch aus dem eigenen Unternehmen geschmissen hatte, zu Apple zurück.

Was Jobs ab 1997 in den darauffolgenden Jahren leistete, ist nicht nur eine der beeindruckendsten Turnaround-Stories des Technologie-Sektors, sondern auch eine der größten Management-Leistungen in der Wirtschaftsgeschichte überhaupt. Apple war praktisch pleite, doch wie auf Knopfdruck erfand Steve Jobs erst den iMac, dann den iPod und schließlich das iPhone – und machte Apple so zu einem wahren Powerhouse, das von Quartal zu Quartal zuletzt eine Milliarde Dollar einfuhr. Wer könnte da noch der gängigen Hypothese widersprechen, dass Steve Jobs mit der Zeit tatsächlich unentwirrbar mit Apple verschmolzen ist?

Große Pose, hargerer Auftritt: Jobs‘ Gewichtverlust ist offenkundig

Genau das jedoch ist seit einem halben Jahr das Problem. Das Unternehmen steht glänzend da wie nie zuvor und besitzt eine prall gefüllte Produktpipeline, die das Zeug dazu hat, den schwersten konjunkturellen Abschwung der letzten Jahrzehnte relativ unbeschadet zu überstehen. Aber – und dieses „Aber“ wiegt weitaus schwerer – : Apple läuft nun große Gefahr, seinen Kopf, seinen Macher, ja: seine Seele auf dem Weg zu verlieren.

Die Auszeit von einem halben Jahr, die Jobs verkündete, ist das Problem nicht. Dafür ist der Tech-Pionier mit einem herausragenden Management-Team bestens aufgestellt. Das Problem liegt darin, dass man Apple nach der Salami-Taktik um Jobs‘ Gesundheitzustand der vergangenen Wochen und Monaten kaum mehr glauben wird. Erst litt Jobs unter einer gewöhnlichen Grippe, dann an Essstörungen im Zuge der Krebsoperation, dann war es eine hormonelle Störung, die „einfach zu behandeln“ wäre, sich aber  nun – eine Woche später – doch als „komplexer als angenommen“ herausstellt?

Selbstironisch: „Berichte über meinen Tod sind weit übertrieben“

Das passt etwas nicht zusammen, so viel ist nach diesem fast kindischen Schlingerkurs klar. Für das Unternehmen und ihren neuen Interims-CEO Tim Cook gilt es, sich nun zu bewähren – und für eine Zukunft ohne ihren visionären Gründer zu rüsten. Eine Klagewelle, das sei nur am Rande angedeutet, dürfte auf Apple wegen Zurückhaltung börsenrelevanter Informationen wohl noch hinzukommen.
 
Doch wie wichtig sind solche Fragen im Augenblick? Wen interessieren die 7, 10 oder 15 Prozent Kursverluste, die Apple heute an der Börse erleiden dürfte, weil der „Jobs-Premiumaufschlag“ nun endgültig verbraucht scheint? Es sind nur Randnotizen einer wahren Tragödie.

„Life is short and then you die – so it’d better be damn good“, hatte Jobs vor einem Jahr dem „Fortune-Magazine“ diktiert. Jobs’ Lebensleistung, soviel ist klar, ist längst geschichtsträchtig, der Ehrenplatz in den Annalen der Computerindustrie sicher. Doch wie sehr wünscht man dem erst 53-Jährigen in diesen schweren Tagen, sie noch um viele Kapitel zu erweitern!

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