Skype-Gründer verzockte 150 Millionen

Er sieht aus wie ein Topmodel und arbeitet nach eigenen Angaben "wie ein Hund". Doch irgendetwas scheint im Leben von Morten Lund falsch gelaufen zu sein. Skype macht den Mitbegründer des Internettelefonieprogramms zum Multimillionär. Jetzt, keine vier Jahre später, musste der Web-Enterpreneur beim Kopenhagener Handelsgericht private Insolvenz anmelden. Der Financier hatte in rund 80 Firmen investiert - mit katastrophaler Trefferquote.

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Schuld daran war letztlich seine Gratiszeitung „Nyhedsavisen“, die pro Tag 100.000 Euro Schulden machte. TechCrunch bringt es auf den Punkt: Das Blog behauptet, dass Lund ein wahrer Rock`n´Roll-Unternehmer war. Auch wenn er weltweit investierte, wollte er mit seinem letzten Investment seinen Wurzeln treu bleiben. Er investierte zehn Millionen Kronen (umgerechnet rund 1,3 Millionen Euro) in die dänische Tageszeitung „Nyhedsavisen“. Eine fatale Fehlinvestition, wie sich Ende 2008 herausstellte. Ende letzten Jahres schloss das Blatt mit einem Defizit von rund 100 Millionen Dollar ab.

„The days when I fucked up“

Die Konsequenzen für LundXY – Global Ventures, das Mutterunternehmen des Dänen, sind verheerend. Lund verfügt nun nicht einmal mehr über die nötigen Mittel, um die 1,3 Millionen Abfindung an die Manager seiner Unternnehmen zu zahlen. Am Dienstag war es dann unvermeidbar: Der ehemalige Multimillionär stellte beim Kopenhagener Handelsgericht den Antrag zur Privatinsolvenz. Branchenkenner gehen davon aus, das sich sein Privatvermögen auf rund 150 Millionen belief. Die Millionen sind jetzt weg. Passend änderte er den Titel seines Privatblogs von „It`s all about luck“ in „The days when I fucked up“.

Mit seiner Gratiszeitung wollte sich der Skype-Mitbegründer einen Kindheitstraum erfüllen. Als kleiner Junge habe er schon Zeitungen ausgetragen, um sich sein erstes Geld zu verdienen. „Nyhedsavisen“ machte jedoch seit seinem Kauf am 1. Januar 2008 täglich über 100.000 Euro Verlust, bevor Lund am 1. September 2008 die Notbremse zog. Kurz zuvor hatte sich Mecom-Geschäftsführer David Montgomery gegen ein Investment bei der maroden Gratiszeitung entschieden.

Beteiligungen an 80 Unternehmen

Das Konzept einer Gratiszeitung, die zudem noch morgens in den Briefkästen liegt, war auf kurze und lange Sicht finanziell nicht tragbar. In anderen Ländern mit Gratiszeitungen, wie beispielsweise die Schweiz, liegen die Ausgaben an zentralen Plätzen, wie Bahnhöfen und Haltestellen, aus, um Kosten zu sparen. Ähnlich wie beim Kölner Zeitungskrieg konterten die dänischen Konkurrenzzeitungen mit Gratisblättern. Selbst der Verkauf von Zyb, einem Portal zur Verwaltung von Handy-Kontakten, an Vodafone über 49 Millionen Euro konnte das immense Finanzloch nicht stopfen.

Für den ehemaligen Vorzeigeinvestor ist die Zeitungsmisere in zweifacher Hinsicht schadhaft. Lund galt bislang als Visionär und Garant für solide Investitionen. Seit dem Skype-Verkauf steckte er sein Vermögen in über 80 Firmen. Nach eigenen Angaben auch in die deutschen Startups Mixxt, Rabatt.net und sMeet. Mit seinem Fehlgriff dürfte aber nicht nur seine Geldbörse, sondern auch sein Renomée auf dem internationalen Markt Schaden erlitten haben.

Financier und „egozentrisches Arschloch“

2008 versprach das Web-2.0-Genie noch seinen beiden Zeitungs-Managern, bei einem Misserfolg das Gehalt ein weiteres Jahr lang aus eigener Tasche zu zahlen. Als sich selbst die Mecom-Gruppe nicht mehr für das Phantasie-Projekt interessierte, schien sich der sonst zuverlässige Financier nicht mehr daran erinnern zu können. „I ran from my word“, ließ er dann doch noch in der vergangenen Woche in seinem Blog verlauten. Das Geld würde er auszahlen, sobald er es beisammen habe. Diese Woche ging er noch einen Schritt weiter: „Ich war ein egozentrisches Arschloch gegenüber zwei meiner Soldaten“.

Svenn Dam und Morten Nissen Nielsen verlangten dennoch den Offenbarungseid. Seinen Humor scheint er dennoch nicht verloren zu haben. Der dänischen Finanzzeitung „Finans“ erklärte er seinen Gemütszustand so: „Es ist so, als ob man Superman seinen Anzug gestohlen hat. Ich fühl mich durchgeschüttelt und möchte nicht darüber reden. Ich werde mit voller Kraft zurückkommen. Aber erstmal ich den Anzug zur Wäscherei bringen.“

Eine weiße Weste und Vertrauen in sich selbst dürfte der Familienvater dennoch haben. Auf der letzten LeWeb im Dezember 2008 referierte er, obwohl hochverschuldet, über die Höhen und Tiefen des Unternehmerseins. Die Kernpunkte seiner Rede: Sei zuversichtlich, nimm Risiken mit offenen Armen an und sei glücklich. Seine Ratschläge hat Lund im Laufe der letzten Jahre immer wieder in die Tat umgesetzt. Mit dem Glücklichsein muss er zumindest warten, bis der Superman-Anzug aus der Reinigung kommt.

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