„Mobiler Sektor hat ein riesiges Potenzial“

Überraschung in der deutschen Internet-Szene: Beim viel beachteten Hamburger Startup Qype kommt es zu einem Wechsel im Vorstand. Gründer und CEO Stephan Uhrenbacher wechselt in den Aufsichtsrat, Yahoo-Manager Stephen Taylor übernimmt den Vorstandsvorsitz bereits Ende Januar. Im MEEDIA-Interview erklärt Stephan Uhrenbacher, warum er den Wechsel schon länger geplant hatte und wie seine Pläne nach dem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft aussehen.

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MEEDIA: Herr Uhrenbacher, Sie haben Qype 2005 gegründet und seitdem zu einem der meist beachteten deutschen Web 2.0-Startups gemacht. Warum jetzt der Abschied?

Stephan Uhrenbacher (Qype): Ich bin selbstbewusst genug, um zu sagen: Ich kann vieles. Mir liegen ‚Turnarounds’ genauso wie das Entwickeln neuer Projekte, Geschäftsgründungen und Internationalisierung. Aber für spätere Wachstumsphasen gibt es andere Personen, die das besser können.

Neben meiner Position als CEO trage ich auch die Verantwortung als Unternehmer und Investor. Qype hat mittlerweile eine Größe und Komplexität erreicht, in der es zu weiten Teilen um ‚People Business’ geht. Darum, Menschen zu motivieren und zu koordinieren. Da ist Stephen Taylor mit seiner Erfahrung als Vice President & Managing Director Yahoo! sowie Managing Director von Overture Europa ideal.

Qype hat mit dem Launch Mitte 2006 ein beeindruckendes Wachstum hingelegt. Sie sind Marktführer in Deutschland, England und Frankreich. In Deutschland  arbeiten Sie am Breakeven. Befürchten Sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine falsche Signalwirkung durch den Führungswechsel?

Ich beschäftige mich schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken, die Unternehmensleitung abzugeben. Mit Stephen Taylor gab es schon vor einem Jahr Gespräche, doch damals befand sich Qype noch in einer anderen Situation, auch die damals verhandelte Position war eine andere.

Für Qype ist es ein glücklicher Umstand, dass Taylor jetzt verfügbar ist. Die gute Ausgangslage und Unternehmensgröße haben sicherlich einen großen Anteil daran, dass sich Taylor in der jetzigen Phase unseres Unternehmenswachstums für uns entschieden hat.

Was die Signalwirkung angeht: Es ist durchaus üblich, dass Unternehmensgründer relativ früh als CEO abtreten. In vergleichbaren amerikanischen Unternehmen ist das des Öfteren der Fall, und auch in Deutschland sehen wir die Tendenz (letztes Beispiel: Xing). Den ‚Spirit‘ werde ich in meiner neuen Funktion im Aufsichtsrat weitergeben.

Qype hat in letzter Zeit mit einer Reihe von Neuerungen auf sich aufmerksam gemacht – durch die Öffnung der Programmierschnittstelle (API) oder dem Launch der geosensitiven Applikation Qype Radar. Gleichzeitig tritt mit dem US-Marktführer Yelp.com der größte Konkurrent in den europäischen Markt ein. Wie sehen Sie Qype für die Zukunft positioniert?

Speziell der mobile Sektor hat ein riesiges Potenzial. Qype Radar für das iPhone wird unheimlich gut aufgenommen, der Launch für weitere Handy-Modelle steht bevor. Auch unsere Öffnung der API habe ich noch „durchgepusht“. Speziell durch die offene Programmierschnittstelle sind in Zukunft Verknüpfungen mit anderen Web-Plattformen  zu erwarten.

Was bedeutet der Rückzug aus dem Kerngeschäft für Sie persönlich: Was sind Ihre neuen Pläne?

In den letzten 3,5 Jahren hatte ich durch Qype nicht viele Möglichkeiten, andere Pläne zu verfolgen. Neben Web-Start-ups beschäftigen mich vor allem Projekte zu nachhaltiger Ressourceneffizienz. Ich könnte mir vorstellen, in absehbarer Zeit in ein eigenes oder fremdes Konzept zu investieren. Erstmal werde ich jedoch ein paar Monate Auszeit nehmen.

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