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So steht es wirklich um die Mecom-Titel

Montgomery ist auf dem deutschen Zeitungsmarkt Geschichte. Die Lehren aus dem vierjährigen Experiment „Heuschrecke“ werden die Branche noch länger beschäftigen. Und das durchaus kontrovers: Einen schweren Fall von Renditis werden die einen „Monty“ und seinem Vasallen Josef Depenbrock bescheinigen. Andere sehen im radikalen Kosten-Pressing vielleicht eher ein Zukunftsmodell. Fest steht: Auf den Käufer DuMont kommt viel Arbeit zu. Und: Depenbrocks Verbleib im Unternehmen gilt als ausgeschlossen.

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Für die anderen Chefredakteure gilt das nicht. Hans-Peter Buschheuer, Chefredakteur Kaufzeitungen und Blattmacher beim „Berliner Kurier“ kennt DuMont als ehemaliger „Express“-Chef. Mit beiden DuMonts, Vater und Sohn, war er schon über Kreuz. Aber er ist eine berechenbare Größe und beherrscht sein Geschäft. Frank Niggemeier, Chefredakteur der „Hamburger Morgenpost“, hat im Vergleich zur starken regionalen Springer-Konkurrenz mehr als achtbare Auflagenzahlen.

Was bleibt von der Mecom-Ära? „Gebeutelte Zeitungen“ (DJV), im Kern verunsicherte Redaktionen, die es schwer haben werden, nach verlorenen Jahren wieder Anschluss an die Wettbewerber zu finden. Eine vielerorts marode Technik, in die dringend investiert werden muss. Galoppierende Auflagen-Verluste bei der „Berliner Zeitung“, der jahrelang Marketinggelder entzogen wurden. All dies hat es möglich gemacht, dass die deutschen Blätter der Mecom-Holding 2007 fast 18 Millionen Euro überwiesen.

Der Preis dafür ist hoch. Hier die Zahlen, die mein Kollege Jens Schröder recherchiert hat:

Die „Berliner Zeitung“ stellte im dritten Quartal 2008 mit 162.343 verkauften Zeitungen einen neuen Minusrekord auf. Besonders bei den Abos ging es für die Zeitung in den vergangenen Jahren rasant nach unten. Im vierten Quartal 2006 verzeichnete man noch 134.170 Abonnenten, im dritten Quartal 2008 waren es mit 115.324 fast 20.000 weniger.

Der „Berliner Kurier“ verlor seit 2006 etwa 5.000 verkaufte Zeitungen pro Ausgabe. Mit 121.592 abgesetzten Exemplaren (3. Quartal 2008) liegt man zwar nicht bei einem Minuswert – Ende 2004, Anfang 2005 verkauft man sich noch schlechter – von den alten Zeiten Ende der 90er mit 170.000 verkauften Zeitungen hat man sich aber weit entfernt. Die Abo-Auflage ist bei der Kaufzeitung nicht so relevant, am Kiosk gingen die Verkäufe seit dem ersten Quartal 2007 von 103.687 auf 95.799 zurück.

Die „Hamburger Morgenpost“ liegt seit Jahren relativ stabil im Markt. Zwar verkaufte man bis Ende der 90er deutlich mehr Zeitungen, doch seit etwa 2002 liegt die IVW-Auflage bei ca. 110.000 Verkäufen pro Ausgabe, mal ein paar weniger, mal ein paar mehr. Aktuelle verkaufte Auflage im dritten Quartal 2008: 108.890 Stück.

Die „Netzeitung“ befindet sich seit Anfang des Jahres 2008 auf einem Weg nach unten. Zwar gab es im Herbst ein kleines Zwischenhoch, doch der Dezember lag laut IVW mit 1,82 Mio. Visits und 6,19 Mio. Page Impressions etwa 15% unter den Zahlen des Vorjahres. Bei der AGOF gingen vom ersten Quartal 2007 (0,78 Mio. Unique User) bis zum dritten Quartal 2008 (0,47 Mio.) sogar fast 40% der Nutzer verloren.

DuMont erkauft sich für 152 Millionen Euro nicht nur einen deutlich wichtigeren Rang in der deutschen Printszene, sondern auch eine ganze Reihe von Problemen, die zu lösen sind. Und auch die Kölner sind nicht sorgenfrei, schließlich schreibt die „Frankfurter Rundschau“ weiterhin hohe Verluste.

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