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Palms Pre-Launch: Angriff auf das iPhone

Höhepunkt der 42. Consumer Electronic Show: Der PDA-Hersteller Palm stellte gestern Abend sein neues Smartphone Pre vor. Das mit Spannung erwartete Gadget kommt mit Touchscreen und Klapptastatur daher – und wird deshalb schnell zum iPhone-Killer hochstilisiert. Ob es mit dem Marktführer von Apple und dem beliebten Blackberry von Research in Motion tatsächlich mithalten kann, muss sich erst noch zeigen. Anleger waren zu Vorschusslorbeeren bereit – und schickten die Palm-Aktie um 50 Prozent in die Höhe.

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Der Video-Blogger Sixtus ist für seine virtuellen Schnellschüsse bekannt. 2919 Kurzmitteilungen hat der Düsseldorfer Vielschreiber auf Twitter schon abgefeuert – Nummer 2920 las sich wie folgt: „Das Teil sieht wirklich wie der endgültige Eifon-Killer aus. Hätte nie gedacht, dass ausgerechnet Palm den bauen kann…“, versendet der elektrische Reporter eine Stunde nach der Pressekonferenz. Palm-CEO Ed Colligan hatte zuvor schon stolz davon gesprochen, im Vergleich mit dem iPhone „das signifikant bessere Produkt“ anbieten zu können.“Vorauszudenken ist schon was Tolles“, freut sich Palm dann auch selbst in seiner Kampagne zur Markteinführung.

Bei soviel PR in eigener Sache: Ist das neue Palm-Produkt nun tatsächlich die Wunderwaffe auf dem hart umkämpften Mobilfunkmarkt? Keine Frage: Palm hat einige Anstrengungen unternommen, endlich im mobilen Internetzeitalter anzukommen. Fast hoffnungslos hatte der frühere PDA-Platzhirsch den Sprung ins Mobilfunkzeitalter verschlafen – und so erst den rasanten Aufstieg des Blackberrys in den vergangenen fünf Jahren ermöglicht.

Pre: Palms Eintritt ins mobile Internet
 
Das mobile Internet – allen voran ein allseits verfügbarer E-Mail-Zugang – und nicht portable Organisationssoftware waren das beherrschende Tech-Thema der letzten Jahre. Zu entsprechenden Ladenhütern verkamen die bisherigen Smartphone-Angebote Palms. Das Unternehmen rutschte in die roten Zahlen, die Aktie sank auf immer neue Rekordtiefs zurück. Bis auf 1 Dollar stürzten die Palm-Anteilsscheine zuletzt ab, nachdem das Papier zu Spitzenzeiten splitbereinigt einst bei 600 Dollar notiert hatte.  

Es musste also etwas passieren. Das Ergebnis ist der Palm Pre. Doch was kann der vermeintliche Apple-Herausforderer nun tatsächlich? Auf den ersten Blick erscheint der Pre wie eine abgerundete iPhone-Nachahmung. Plötzlich kommt auch ein Palm-Smartphone mit Touchscreen daher, das mit mehreren Fingern bedient werden kann. Ein Trackpad übernimmt die Gerätesteuerung.

Beibehalten hat Palm dagegen die ausklappbare QWERTZ-Tastatur, die schon von Vorgänger-Modellen bekannt ist. Wie Apples Alleskönner besitzt der Pre nun einen WLAN-Internetzugang und eine Kamera, die mit immerhin 3 Megapixeln etwas höherwertig als beim iPhone ausfällt. Und – worauf man bei Palm offenbar sehr stolz ist -: Der Pre verfügt im Gegensatz zum iPhone über einen auswechselbaren Akku –  eine fragwüridige Qualität, die allerdings nicht unbedingt für das ausgelieferte Modell steht.

Viel erwartetes neues Betriebssystem WebOS: „Innovation der kommenden Dekade“?
 
Der eigentliche große Wurf ist jedoch das groß angekündigte Betriebssystem, das nun nicht „Nova“, sondern schlicht WebOS heißt. „Diese Plattform wird die Basis für Innovationen der kommenden Dekade sein“, erklärte Palm-Chef Ed Colligan großspurig.  

Die Fachpresse zeigt sich zunächst ähnlich beeindruckt. „Das User-Interface ist wirklich großartig“, schreibt das vom ehemaligen Internetaktien-Analysten Henry Blodget betriebene Technologieportal Alley Insider.  „Damit haben sie Windows Mobile und Blackberry OS hinter sich gelassen.“

Pre-Präsentation: Börse reagiert mit Kursfeuerwerk

„WebOS sieht gut aus“, attestiert auch Nicolay Mausz, Geschäftsführer des Software-Anbieters flying dog. „Der Vorteil, dass man mit HTML, CSS und Javascript schnelle Anwendungen schreiben kann, wird aber auch der Nachteil sein“, gibt Mausz zu bedenken. „Damit kann man nämlich keine 3D-Spiele oder Ähnliches anbieten wie beim iPhone“.

Auf den US-Markt kommen soll WebOS mit dem Pre noch im ersten Halbjahr 2009, vertrieben über zunächst exklusiv über den Mobilfunkprovider Sprint.  

Nahezu euphorisch reagierte die Börse auf Palm Pre-Präsentation und schickte die bis dahin völlig leckgeschlagene Palm-Aktie nach der Pressekonferenz um rund 50 Prozent in die Höhe. Trotzdem bringt es Palm damit an der Wall Street auf nicht mehr als einen Börsenwert von rund 500 Millionen Dollar. Damit ist der PDA-Vorreiter weiterhin nicht mehr als ein Goldfisch im Karpfenteich der Smartphone-Anbieter. Zum Vergleich: Der Blackberry-Hersteller Research in Motion wird aktuell mit 26 Milliarden Dollar bewertet, iPhone-Anbieter Apple bringt es auf 83 Milliarden.

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