Lokalrevolution à la Strunz: ‚Abendblatt 3.0‘

Am 21. Januar zählt es: Die IVW veröffentlicht die Auflagenzahlen für das vierte Quartal 2008. Dann ist klar, ob die Arbeit von Claus Strunz, dem neuen Chef des „Hamburger Abendblatt“ erste Früchte trägt. Seit Oktober sorgt der neue Boss für PR-trächtige Aktionen und gibt sich große Mühe den – vermeintlich – verkrusteten Lokaljournalismus neu zu erfinden. Sein aktueller Coup: Eine Online-First-Maxime für das „Abendblatt“. Fraglich ist, ob ein solches Konzept im Regionalen überhaupt nötig ist.

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Am 21. Januar zählt es: Die IVW veröffentlicht die Auflagenzahlen für das vierte Quartal 2008. Dann ist klar, ob die Arbeit von Claus Strunz, dem neuen Chef des „Hamburger Abendblatt“ erste Früchte trägt. Seit Oktober sorgt der neue Boss für PR-trächtige Aktionen und gibt sich große Mühe den – vermeintlich – verkrusteten Lokaljournalismus neu zu erfinden. Sein aktueller Coup: Eine Online-First-Maxime für das „Abendblatt“. Fraglich ist, ob ein solches Konzept im Regionalen überhaupt nötig ist.

Seit Mitte Oktober führt der ehemalige „Bild am Sonntag“-Chefredakteur die Hamburger Abo-Zeitung. Seit seinem Amtantritt geht der 42-jährige mit viel Elan die Herausforderung an, aus der etwas drögen hanseatischen Regionalzeitung ein modernes Metropolen-Blatt zu machen. Strunz versucht den Spagat zwischen Tradition und Innovation.

Zur Pflege der Tradition versprach der neue Boss bereits, mehr auf typische Hamburger Redewendungen und Formulierungen zu achten. Die Moderne wiederum soll nun mit einem Komplettumbau des Redaktionsablaufes bedient werden. Wie bei der großen überregionalen Springer-Schwester der „Welt“, soll nun auch bei den regionalen Hamburgern die Devise „Online first“ Einzug halten. Griffiger Name des Umbaus: Abendblatt 3.0.

Kernelement des neuen Konzeptes: Alle 100 festangestellten Mitarbeiter schreiben zuerst für die Online-Ausgabe, dann können Sie sich um eine weitere Verwertung im Print-Produkt kümmern. So soll die Homepage zwischen neun und 17 Uhr alle 30 Minuten einen frischen Aufmacher erhalten. „Ziel von Strunz ist es, mit einer voll integrierten Multimediaredaktion vor allem die bundesweite Bedeutung seiner Redaktion zu steigern“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Ein böser Satz. In ihn ließe sich spielend hineininterpretieren, dass es Strunz mehr darum geht, weiterhin bundesweit wahrgenommen zu werden, anstatt die Position des „Abendblattes“ in der Hansestadt zu festigen.

In der Tat: So schön sich das Schlagwort „Online first“ anhört – für eine lokale Zeitung ist es noch lange nicht notwendig, alle Inhalte zuerst im Web zu veröffentlichen. Der Hauptgrund, warum sich überregionale Qualitätszeitungen wie die „Welt“ zu diesem Konzept entschlossen, war, dass sich eine Story, aufgrund von TV und der Netz-Konkurrenz kaum noch bis zum nächsten Morgen zurückhalten lässt. Das ist im Lokaljournalismus noch anders. Die Tagesschau berichtet nicht über eine Kindergarteneinweihung auf St. Pauli, genauso wenig, wie sich Spiegel Online mit dem Bezirksamt Hamburg Mitte beschäftigt.

Damit die neue Abendblatt-Homepage tatsächlich ein bundesweiter Erfolg wird, muss Strunz vor allem auf überregionale Themen setzen, was wiederum zu Lasten der regionalen Kernkompetenz führen wird.
Darüber hinaus wird sich auch Jochen Herrlich, General Manager Online des Abendblattes, wenig am neuen Konzept freuen können. Von dem ehemaligen Content-Manager der Alleskar AG ist bekannt, dass er glaubt, mit der kostspieligen Produktion von eigenen Inhalten im Web kaum Geld verdienen zu können.

Mit seinem neuen Konzept geht Strunz das Risiko ein, die Verlust im Print-Vertrieb zu beschleunigen, ohne gleichzeitig genügend neue Erlöse im Webgeschäft zu generieren.

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