Heilsbringer für den Berliner Verlag

Die Konzentrationswelle in den Medien geht weiter. Nächster Fall: Die wahrscheinliche Übernahme des Berliner Verlags durch das Kölner Zeitungshaus DuMont. Während bei der WAZ-Belegschaft Skepsis herrscht und sich Gruners Wirtschaftspresse in einer Art „Schockstarre“ befindet, wird die bevorstehende Übernahme von „Berliner Zeitung“ und Co. durch DuMont sehnsüchtig erwartet. „FR“-Chef Uwe Vorkötter, der als neuer Multi-Chefredakteur nach Berlin zurückkehren könnte, wäre der Gewinner.

Anzeige

Das neue Jahr hat kaum begonnen und die Konzentrationswelle in den Medien geht ungebremst weiter. Nächster Fall: Die wahrscheinliche Übernahme des Berliner Verlags durch das Kölner Zeitungshaus DuMont. Während bei der WAZ-Belegschaft Skepsis herrscht und sich die Mitarbeiter von Gruners Wirtschaftspresse in einer Art „Schockstarre“ befinden, wird die bevorstehende Übernahme von „Berliner Zeitung“ und Co. durch DuMont fast sehnsüchtig erwartet. „FR“-Chef Uwe Vorkötter, der als neuer Multi-Chefredakteur nach Berlin zurückkehren könnte, wäre der große Gewinner.

Vorkötter hatte seinen Posten als Chef der „Berliner Zeitung“ aus Protest abgegeben, als der Finanzinvestor David Montgomery den Berliner Verlag übernahm. Die Geschichte gab ihm Recht. Montgomery ist in Hamburg und Berlin gescheitert. Sollte Vorkötter in die Hauptstadt zurückkehren würde das auch zeigen, dass sich Rückgrat und Integrität auszahlen können. Der aktuelle Statthalter von „Monty“ in Berlin, der Chefredakteur/Geschäftsführer Josef Depenbrock, ist bei der Belegschaft regelrecht verhasst. Redaktion und Betriebsrat liefern sich mit ihm seit Monaten einen zermürbenden Kleinkrieg. In der Redaktion wird Montgomerys bevorstehender Rückzug vom deutschen Markt mit Genugtuung wahrgenommen. Schlimmer als mit „Monty“ kann es gar nicht werden, so die landläufige Stimmung im Hause. Der mögliche Rückkehrer Uwe Vorkötter wird im Vergleich zu Bad-Guy Depenbrock geradezu als Heilsbringer erwartet.

Wunder wird aber auch der erfahrene und besonnene Zeitungsmann Vorkötter nicht vollbringen können. Seine „Frankfurter Rundschau“ hat er von einigem Muff befreit und mutig aufs Tabloid-Format umgestellt. Die veröffentlichte Bilanz der Zeitung für 2007 zeigt aber, dass die „FR“ bei allem publizistischen Mut, den Vorkötter und DuMont bewiesen haben, noch nicht aus dem Gröbsten raus ist. So hat die „Welt am Sonntag“ aus dem Bundesanzeiger herausgelesen, dass die „FR“ 2007 fast 16 Mio. Euro Verlust eingefahren hat. Die Übernahme des Berliner Verlags durch DuMont ist also auch für die „Frankfurter Rundschau“ eine Operation Hoffnung.

Was wird passieren, wenn der Deal für die kolportierten rund 150 Mio. Euro zustande kommt? Vorkötter wird aller Wahrscheinlichkeit nach Josef Depenbrock als Chefredakteur der „Berliner Zeitung“ ersetzen und gleichzeitig Chef der „Frankfurter Rundschau“ bleiben. Vorkötter, dem es in Berlin offenbar gut gefallen hat, würde wohl in die Hauptstadt zurückgehen. Von dort könnte künftig auch in großen Teilen der Mantel für die „FR“ zugeliefert werden. Ihren oft beschworenen überregionalen Anspruch kann die Not leidende „FR“ schon lange nicht mehr einlösen. Aus ihr eine gute, profitable Regionalzeitung zu machen, ist ehrlicher und Erfolg versprechender als alten Glanzzeiten hinterher zu hecheln.

Gut möglich, dass DuMont, sollten sich „Berliner Zeitung“ und „FR“ stabilisieren, Schritt für Schritt auch weitere überregionale Bausteine für die anderen Blätter des Hauses zuliefert: „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Kölnische Rundschau“ und „Mitteldeutsche Zeitung“. Vorkötter wäre dann so etwas wie der Erste Journalist des Hauses DuMont. Die Chefredakteure der Kölner Blätter und der „MZ“ werden die Entwicklung mit Argwohn betrachten.

Synergien gibt es auch auf dem Boulevardsektor. „Hamburger Morgenpost“, „Berliner Kurier“ und der Kölner „Express“ können ohne Probleme Service- und Ratgeber-Inhalte untereinander tauschen. Hans-Peter Buschheuer hat als Oberverantwortlicher für den „Kurier“ und die „Mopo“ die Blätter bereits auf Schlankheit und Effizienz getrimmt. Als ehemaliger Chefredakteur des „Express“ kennt er zudem das Haus DuMont bestens. Dass er die Ober-Hoheit über die Boulevard-Titel des Hauses bekommt, erscheint somit keine allzu gewagte These. Online können „Kurier“ und „Mopo“ von einem Zusammenschluss mit DuMont und dem effizient aufgestellten express.de nur profitieren. Mangels Geld und Personal wurden die Web-Angebote aus Berlin und Hamburg bisher nur stiefmütterlich behandelt.

Somit hätte DuMont eine auf dem Papier perfekt durchstrukturierte, landesweite Zeitungsgruppe mit einem Arm starker regionaler Abo-Titel unter der Oberverantwortung von Uwe Vorkötter und einem Arm mit regionalen Boulevard-Titeln unter Hans-Peter Buschheuer. Klingt alles gut. Nun muss es nur noch Wirklichkeit werden.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige