Macworld: (Fast) nichts Neues bei Apple

Showtime in Cupertino: Nachdem alles gesagt und geschrieben war, zählte am Ende nur noch eins – die Keynote selbst. Es war noch einmal ein nostalgischer Augenblick: Auf der letzten Macworld gab Apples Vize-Präsident Phil Schiller eine Vorschau auf die Neuerungen des Produktjahres. Der Ausblick war jedoch noch enttäuschender als befürchtet: Kein neues iPhone, iPod oder iMac wurden vorgestellt, sondern lediglich neue Software, die 17"-Version des MacBook Pros - und das Ende des Kopierschutzes bei iTunes.

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Die Latte lag so niedrig wie nur noch möglich – und sie wurde doch gerissen. Das sagt zumindest die Börse in der Reaktion auf die Keynote der MacWorld Expo, die zum ersten und letzten Mal vom Apple Marketingchef Phil Schiller vorgetragen wurde. Bei 93 Dollar ging die Apple-Aktie aus dem Handel, fast zwei Prozent schwächer – und das an einem festen Handelstag.  

Drei Dinge hätte er heute anzubieten, erklärte der Apple Vizepräsident, der sich in so vielerlei Hinsicht vom visionären Apple-CEO Steve Jobs unterscheidet, der krankheitsbedingt fernbleiben musste.

Faszination Macintosh: Apple legt bei Hard- und Software nach

Drei Dinge plus das traditionelle Extra zum Schluss, diese längst mythisch verklärte eine Sache („…one more thing“), das hätten sein können: eine Vorschau auf das Betriebssystem Snow Leopard, eine Neuversion des Kleinstcomputers Mac mini und ein Upgrade des Speichermoduls Time Machine, waren im Vorfeld erwartet worden – von den Erneuerungen der Hauptumsatzsäulen des Unternehmens, also neue iMacs, iPods oder iPhones, ganz zu schweigen.

Eigentliches Keynote-Highlights: 09er-Version von iLife und iWork

Stattdessen präsentierte Phil Schiller in erster Linie Software. Und zwar solche, die nicht annährend zu den Umsatzträgern des Unternehmens zählt. Neue Office- (iWork09) und Multimedia (iLife09) –Pakete wurden vorgestellt – beide mit echten Highlights. So wird iLife der Web 2.0-Welt angepasst und arbeitet nun mit Google Maps, Facebook und Flickr zusammen. Auch neu dabei: Geo-Tagging mittels GPS (Places). Und ein neues Sortiersystem, das – wirklich wahr – nach Gesichtern sortiert (und deswegen ‚Faces‘ heißt). „Nach den Lieblingsmenschen“, sagt Phil Schiller.

Faces: iLife erkennt künftig Freunde – nach ihren Gesichtern

Ebenso ein Funktionslifting erhielten die Programme Garage Band, auf dem jetzt auch künftig Lektionen zum Musikmachen von Popstars wie Sting oder Norah Jones angeboten werden und die Videoschnittsoftware iMovie, die um weitere Features (animierte Karten, automatische Bildstabilisierung) erweitert wurde. Auch Apples Office-Software-Paket iWork wurde einer Generalüberholung unterzogen und soll zudem als webbbasierte Office-Anwendung iWork.com nutzbar sein. Apple legt damit zu Google Docs nach.

Ein neues 17″-MacBook komplettiert die Aluminium-Produktreihe

So weit, so detailverliebt.  Auch auf vergangenen MacWorld-Keynotes hatten Apples Zusatz-Softwarepakete immer wieder eine Rolle gespielt – allerdings mehr zum Warmlaufen. 2009 war dies bereits das eigentliche Highlight. Nach knapp einer Stunde kam dann doch noch der lang erwartete Schwenk zur Hardware – und mit ihm die große Enttäuschung.

MacBook-Reihe komplett: 17″-Modell nun auch in Aluminium

Nachdem fast alle Macbooks bereits im Oktober auf eine Aluminium-Version hochgerüstet wurden, folgte nun auch für das Nachzügler-Modell das hochstilisierte Upgrade. 2799 Dollar kostet die 17″-Variante, bietet dafür aber mit  angekündigten 8 Stunden die bisher längste Laufzeit – und das auf umweltverträglichem Wege.  „Wir haben eine neue Batterie-Technologie entwickelt, die sowohl für den Nutzer als auch für die Umwelt von Vorteil ist“, wird Apple-CEO Steve Jobs nachträglich in der Pressemeldung zitiert.

One more thing: Das Ende des Kopierschutzes

Und dann war da noch die eine Sache. Der DRM-Kopierschutz, der mehr als fast fünf Jahre Bestand hatte und die Nutzung von im iTunes Music Store heruntergelanden Songs auf verschiedene Rechner und MP3-Player begrenzte, wird nun fallen.  Im Gegenzug, wohl als Zugeständnis  an die großen Plattenfirmen, gibt es künftig eine flexible Preisgestaltung für die Downloads, die künftig nicht mehr  nur 99 Cent, sondern auch 1,29 Dollar, aber auch 69 Cent kosten können.

Und dann? Dann war die letzte Keynote auf der Macworld unter Beteiligung von Apple auch schon Geschichte. Die 84-jährige Jazz-Ikone Tony Bennett setzte den würdigen Schlusspunkt mit einer nostalgischen Hymne an den Ort, der für Apple-Fans immer  mit den legendären Keynotes verbunden sein dürfte: „I left my heart in San Francisco“. Die Frage, was die Zukunft für Apple bringt, dürfte seit gestern indes verstärkt diskutiert werden.

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