G+J-Sparkurs: Brandbrief vom Betriebsrat

Erste Bewährungsprobe für den neuen G+J-Chef Bernd Buchholz: Am Mittwoch veröffentlichten Betriebsräte der Wirtschaftsmedien einen Offenen Brief an Hartmut Ostrowski, Vorstandschef des Mutterkonzerns Bertelsmann. Darin üben sie im Namen der Mitarbeiter von "Capital", "Impulse" und "Börse Online" Kritik am G+J-Management und fordern ein Moratorium für den Fusionsprozess, um eine "verlegerische Katastrophe" abzuwenden. Bertelsmann und Gruner + Jahr gaben keinen Kommentar ab.

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Das dreiseitige Schreiben datiert vom 5. Januar und wurde damit zu einem Zeitpunkt aufgesetzt, als die Ernennung von Bernd Buchholz zum Vorstandsvorsitzenden noch nicht erfolgt war. Die Verfasser signalisieren Verständnis für „unternehmerische Entscheidungen in ökonomischen Krisenlagen“, die auch „die Mitarbeiter hart treffen können“. Gleichzeitig werfen sie dem G+J-Management vor, „nahezu alle Entscheidungen … so fehlerhaft orchestriert zu haben, dass die Pläne scheitern werden.“
Im November hatte die Verlagsführung am Baumwall bekannt gegeben, dass die Mitarbeiter der „Financial Times Deutschland“ sowie die Angestellten der Kölner und Münchner Wirtschaftspresse in einer zentralen Einheit der neuen G+J-Wirtschaftsmedien am Standort Hamburg zusammengefasst werden. Allen 110 Beschäftigten der Wirtschaftspresse soll dazu betriebsbedingt gekündigt werden, 60 von ihnen erhalten die Chance, künftig zu veränderten Vertragsbedingungen in der Zentralredaktion zu arbeiten. Die ursprünglich für Ende 2008 vorgesehene Kündigungswelle erfolgte jedoch nicht, sondern wird wohl zum Ende des Quartals umgesetzt.
In dem Brief wird das Konstrukt der geplanten Zentralredaktion als „Public-Relations-Bluff“ bezeichnet. Es sei unklar, wann die „Rekrutierungsverhandlungen“ für die neue Pool-Redaktion in „eine konkrete Phase“ treten würden. Da sich die Vertragsbedingungen bei einer Neuanstellung in Hamburg verschlechterten, fehle der Anreiz, „bei diesem Hochrisiko-Projekt mitzuwirken“. Die gesamte Belegschaft der Wirtschaftspresse sei „von einer Schockstarre erfasst“. Zudem seien die IT-Systeme der Redaktionen nicht kompatibel.
Die Betriebsräte fordern im Namen der Mitarbeiter in Köln und München, die Einführung der Zentralredaktion zu verschieben, die Angestellten ohne Gehaltsverlust weiter zu beschäftigen und für „Capital“ einen eigenen Chefredakteur zu ernennen. Dieses Amt soll in den kommenden zwei Jahren von „FTD“-Chefredakteur Steffen Klusmann mit ausgeübt werden.
Nach MEEDIA-Informationen steht Hauptgesellschafter Bertelsmann bei der geplanten Neustrukturierung der Wirtschaftsmedien zu den Entscheidungen, die das G+J-Management noch unter Bernd Kundrun beschlossen hatte. Unternehmensnahe Kreise halten diese Maßnahmen „in der Sache für voll und ganz berechtigt und angemessen“.

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