G+J: Schlussstrich unter die Führungskrise

Wochenlang hatte es bei Gruner + Jahr und Bertelsmann unter der Decke gebrodelt. Am Dienstagmittag zogen alle Beteiligten einen Schlussstrich unter die in der Geschichte des Hamburger Medienhauses beispiellose Führungskrise. Sie taten es mit Stil: Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski hob ausdrücklich die Verdienste von Bernd Kundrun hervor, der G+J seit 2000 geführt hatte. Kundrun bedankte sich für das langjährige Vertrauen der Gesellschafter. Der neue Chef Bernd Buchholz bekommt eine Doppelrolle.

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Wochenlang hatte es bei Gruner + Jahr und Bertelsmann unter der Decke gebrodelt. Am Dienstagmittag zogen alle Beteiligten einen Schlussstrich unter die in der Geschichte des Hamburger Medienhauses beispiellose Führungskrise. Sie taten es mit Stil: Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski hob ausdrücklich die Verdienste von Bernd Kundrun hervor, der G+J seit 2000 geführt hatte. Kundrun bedankte sich für das langjährige Vertrauen der Gesellschafter. Der neue Chef Bernd Buchholz bekommt eine Doppelrolle.

In der Nachbetrachtung wird man es wohl als Zeichen der bei Bertelsmann hoch geschätzten Unternehmenskultur sehen, dass der Hauptgesellschafter trotz der öffentlichen Affronts, die ihm die Causa Kundrun eintrug, den scheidenden Vorstandsvorsitzenden mit Wohlwollen verabschiedet. Die offizielle Lesart lautet nun, dass Kundrun sein Amt wegen strategischer Differenzen selbst niederlegte. Das trägt dazu bei, dass der 51-Jährige sein Gesicht wahrt und ihm der mutmaßliche Lobbyismus in eigener Sache verziehen wurde, obwohl die damit einher gehende Legendenbildung vorübergehend am Image der Gütersloher kratzte.

So erscheint sie als weihnachtliche Groteske, die sich im Gesamturteil der Ära Kundrun versenden dürfte. Ostrowski verweist auf die positive G+J-Unternehmensentwicklung in den vergangenen Jahren und auf die sehr ordentlichen Bilanzen, die der Großverlag ablieferte. Vielleicht hätte es noch besser laufen können, aber insgesamt waren die Jahre unter Kundrun eine erfolgreiche Zeit. Es scheint müßig, darüber zu diskutieren. Die jetzt getroffene Sprachregelung mag angesichts der Schlagzeilen der vergangenen zwei Wochen seltsam harmonisch anmuten; sie ist aber das effektivste Signal nach draußen, dass die jüngste Vergangenheit passé ist.
Der Mann der Zukunft wird mit einem gehörigen Vertrauensbonus auf seine nicht einfache Mission geschickt. Auf Bernd Buchholz lastet die Bürde der hohen Erwartung, er hat aber gleichzeitig sicheren Rückhalt bei beiden Gesellschaftern, den er für seine Aufgabe brauchen wird. Ob er die kräftezehrende Doppelrolle als CEO und Deutschland-Chef dauerhaft ausüben wird, ließ der 47-Jährige wohl bewusst offen. Auch das ist ein Symbol für den neuen Führungsstil am Baumwall.

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